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P. Oliver Heck

Gebete aus dem Alltag

 

Gebet vor einem Geldschein Der Grunstein
Die pronografische Zeitschrift Gottes Gegenwart im Kind
Die Pornographische Zeitschrift Der Blick
In der U-Bahn Der Schuldige
Die Wohnung Das Krankenhaus
ES GIBT NUR ZWEI ARTEN VON LIEBE Ich habe gegessen

Gebet vor dem Geldschein

Man kann das Geld niemals ehrerbietig genug behandeln, denn die Mühsal, die es darstellt, hat Schweiß und Blut gekostet.

Das Geld ist furchtbar, es kann dem Menschen dienen oder ihn zugrunde richten.

Euer Reichtum ist vermodert, eure Gewänder sind Mottenfraß geworden. Euer Gold und Silber ist verrostet; und ihr Rost wird ein Zeugnis wider euch sein . . . Sehet, der Lohn, den ihr den Arbeitern, die eure Felder eingeerntet haben, vorenthalten habt, er schreit, und der Schrei der Schnitter ist zu den Ohren des Herrn der Heerscharen gedrungen (Jakobusbrief 5, 2-4).

Verkauft eure Habe und gebt davon Almosen! Erwerbt euch Beutel, die nicht altern, einen Schatz im Himmel, der nicht abnimmt, an den kein Dieb kommt, den keine Motte zerfrißt. Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein (Lukas 22, 33-34).

Herr, sieh diesen Geldschein, er macht mir Furcht.

Du kennst sein Geheimnis, 

Du kennst seine Geschichte.

Wie ist er schwer!

Er bedrückt mich, denn er redet nicht,

Er wird niemals erzählen, was er in seinen Falten birgt,

Er wird nie preisgeben, was er an Mühsal und Kämpfen bedeutet.

Er ist durchtränkt von menschlichem Schweiß,

Er ist befleckt von Blut, von Enttäuschung, von verspotteter Würde.

Er ist reich von der ganzen Last menschlicher Arbeiten, die er enthält und die ihm seinen Wert gibt.

Herr, er ist schwer, schwer.

Er bedrückt mich, er macht mir Furcht,

Denn er hat Tote auf dem Gewissen,

All die armen Kerle, die sich beim Akkord zu Tode geschunden haben um seinetwillen . . .

Um ihn zu haben, um ihn für einige Stunden zu besitzen.

Um von ihm ein wenig Vergnügen, Freude, Leben zu erlangen . . .

Durch wie viele Finger ist er gegangen, Herr?

Und was hat er getan auf seinen langen, verschwiegenen Wegen?

Er hat der strahlenden Braut weiße Rosen in den Arm gelegt.

Er hat die Taufgeschenke bezahlt und das rosige Kindlein ernährt.

Er legte das Brot auf den Familientisch.

Er hat das heitere Lachen der Jungen und die stille Freude der Alten erlaubt,

Er hat den Besuch des rettenden Arztes bezahlt,

Er hat das Buch geschenkt, das den Knaben belehrt.

Er hat die Jungfrau bekleidet.

Aber er hat auch den Abschiedsbrief geschickt.

Er hat den Mord des Kindes im Mutterschoß bezahlt.

Er teilte den Alkohol aus und schaffte den Trunksüchtigen.

Er hat den Kindern den verbotenen Film vorgeführt und hat die geschmacklose Schallplatte aufgenommen.

Er hat den jungen Mann verführt und den Erwachsenen zum Dieb gemacht.

Für ein paar Stunden hat er den Leib einer Frau gekauft.

Er bezahlte die Mordwaffe und die Sargbretter.

O Herr, ich bringe Dir diesen Geldschein dar. in seinen freudvollen und in seinen leidvollen Geheimnissen.

Ich sage Dir Dank für all das Leben und die Freude, die

er geschenkt hat,

Ich bitte Dich um Verzeihung für das Böse, das er getan hat.

Vor allem aber, Herr, bringe ich ihn Dir dar für alle Menschenarbeit, für alle Menschenmühe, deren Symbol er ist und die - endlich - morgen, unvergängliche Münze geworden, umgewechselt werden in Dein ewiges Leben.



Die pornografische Zeitschrift

Käufliche Leiber, verlassen von den Seelen,

Spielzeug für die Großen mit verfettetem, beschmutztem Herzen.

Dennoch, Herr, ein Menschenleib ist schön.

Seit je, unvergleichlicher Künstler, träumtest Du von dein Modell, dachtest Du daran, daß Du eines Tages die Menschengestalt annehmen würdest durch Deine Vermählung mit der menschlichen Natur.

Langsam formtest Du ihn mit den Händen Deiner Macht und hauchtest die lebendige Seele in den leblosen Stoff.

Von da an, Herr, gebietest Du uns, das Fleisch zu achten,

denn das Fleisch, so wie es ist, ist Träger des Geistes,

Und wir brauchen diesen freigebigen Leib, damit unser Geist mit dem Geist unserer Brüder in Gemeinschaft treten kann.

Die Reden, in langen Kolonnen der Wörter, führen unsere

Seele zu einer nachbarlichen Seele hin.

Das Lächeln enthüllt diese Seele auf dem Rand unserer

Lippen,

Der Blick zeigt sie durch die Fenster unseres Leibes,

Der Händedruck läßt sie zum Freunde gelangen,

Der Kuß schenkt sie der Geliebten,

Die Umarmung der Gatten will zwei Seelen vereinigen, um

dadurch eine dritte zu suchen in einem dritten Leib.

Aber für Dich, Herr, war es nicht genug, aus unserem Fleisch das Sakrament des Geistes zu machen.

Durch Deine Gnade wird der Leib des Christen geheiligt und ein Tempel der Dreifaltigkeit,

Gott ganz in unserer ganzen Seele,

Und unsere Seele ganz in unserem ganzen Leib.

Höchste Würde dieses herrlichen Leibes:

Er ist Glied des Herrn und Träger seines Gottes.

Siehe, Herr, heute abend die Leiber der schlafenden Menschen

Den reinen Leib des ganz kleinen Kindes,

Den beschmutzten Leib der Dirne,

Den kraftstrotzenden Leib des Athleten,

Den ausgemergelten Leib des Fabrikarbeiters,

Den beruhigten Leib des Gatten,

Den sinnlichen Leib des Lebemannes,

Den satten Leib des Reichen,

Den geschundenen Leib des Armen,

Den geschlagenen Leib des Buben,

Den fiebernden Leib des Kranken,

Den schmerzenden Leib des Verunglückten,

Den lahmen Leib des Siechen,

Alle Leiber, Herr, und alle Lebensalter der Leiber.

Siehe den ganz warmen Leib des zarten Säuglings, wie eine reife Frucht vom Leibe seiner Mutter.

Siehe den Leib des sorglosen Kindes, das hinfällt und wieder aufsteht und sein rotes Blut ableckt.

Siehe den Leib des ruhelosen Jünglings, der nicht weiß, wie schön ein Kleines ist, das heranwächst.

Siehe den Leib der jungen Frau, entblößt für ihren Gatten. Siehe den Leib des reifen Mannes, mächtig und stolz in seiner Kraft.

Siehe den Leib des Alten, der langsam dahinwelkt.

Herr, ich bringe sie Dir alle dar, und ich bitte Dich, sie zu segnen, während sie schweigend leben, eingehüllt in Deine Nacht.

Sie gehören Dir, sind durch ihre schlafende Seele Deinem

Blick preisgegeben.

Morgen werden sie roh wachgerüttelt und sie werden ihren Dienst wieder aufnehmen müssen.

Gib, daß sie Diener seien und keine Herren;

Offene Häuser und keine Gefängnisse;

Tempel des lebendigen Gottes und keine Gräber.

Gib, daß sie geachtet, geformt, gereinigt und umgestaltet werden durch die, die sie bekleiden,

Und, daß wir sie als treue Begleiter wiederfinden am Ende der Zeiten, leuchtend in der Schönheit ihrer Seelen,

Vor Deinem Angesicht, Herr, und vor dem Angesicht Deiner Mutter.

Denn ihr beide, ihr gehört zu uns, Und alle Leiber der Menschen, auch sie, sind die glorreich Eingeladenen Deines ewigen Himmels.



In der U-Bahn

Psscht . . . bumm . . .
Die Tür ist zu.
Die mechanischen Messer haben aus der Menschenmasse auf dem Bahnsteig so viel herausgeschnitten, wie eine Portion U-Bahn ausmacht.
Sie setzt sich in Bewegung.
Ich kann mich nicht rühren.
Ich bin nicht mehr Einzelwesen, sondern Masse,
Eine zusammenklebende Masse, die sich hin und her schiebt wie eine Gallertpastete in einer etwas zu großen Dose.
Namenlose, indifferente Masse und vielleicht fern von Dir, Herr.
Ich bin nur einer aus ihr, und ich begreife, warum es mir
manchmal hart ankommt, einzusteigen.
Diese Menge ist schwer: wie eine Bleisohle an meinen ohnedies so langsamen Füßen, wie allzuviele Fahrgäste in meinem überfüllten Kahn.
Und dennoch, Herr, ich darf diese Leute nicht übersehen, sie
sind meine Brüder,
Ich kann mich nicht allein retten.
Herr, weil Du es willst, werde ich mich retten, auch wo ich Teil einer Menge bin.



Plakate

Ihnen fehlt die Scham.
Ich kann meinen Blick nicht auf diese Mauer richten, ohne sie zu streifen, denn sie drängen sich eins an das andere, Zwillingsschwestern, miteinander im Bunde, um mir wehzutun.
Ihre Farben sind verletzend, sie verwunden meine Augen,
Und in die Wunden schreiben sie ihre Namen ein, wie der
Tätowierer ins blutende Fleisch seine Zeichnungen sticht.
Herr, ebenso stelle ich mich zur Schau, oft und überall.
Verleihe mir, demütiger und zurückhaltender zu werden,
Und vor allein bewahre mich davor, mich aufzudrängen durch erkünstelten Glanz;
Denn allein Dein Licht in mir, Herr, soll den Blick der anderen auf sich ziehen.

Der Grundstein

Der Maurer legte den Ziegelstein auf das Zementbett,
Warf ihm mit einem sicheren Schwung seiner Kelle eine Decke über,
Und ohne ihn weiter zu fragen, legte er einen neuen Ziegelstein darauf.
Zusehends wuchsen die Grundmauern empor;
Das Haus sollte hoch und fest werden, um Menschen Schutz zu bieten.
Herr, ich habe an diesen armen Ziegelstein gedacht, der begraben liegt im Dunkel am Fuße des großen Baues.
Niemand sieht ihn; er aber tut seine Arbeit, und die anderen brauchen ihn.
Herr, was macht es aus, ob ich am First des Hauses bin oder in den Grundmauern, wenn ich nur getreu bin, dort an meinem Platz in Deinem Bauwerk.



Gegenwart Gottes im Kind

Einen Augenblick hat die Mutter den Kinderwagen stehen lassen, und ich bin herangetreten, um der lebenden Heiligen Dreifaltigkeit in der reinen Seele zu begegnen.
Das Kind schläft, die Ärmchen liegen wie durcheinander geworfen auf der kleinen gestickten Decke.
Die geschlossenen Augen schauen nach innen und die Brust
bebt sieh leise.
Es scheint, wie das Leben flüstert: das Haus ist bewohnt.
Herr, Du bist da.
Ich bete Dich an in diesem Kinde, das Dich noch nicht entstellt hat.
Hilf mir, wieder Kind zu werden,
Dein Bild und Dein Leben wieder zu finden, die so tief vergraben liegen unter dem Schutt meines Herzens.



Der Blick

Der Blick des Menschen ist machtvoll, denn er ist Träger der Seele. Wenn Gott in der Seele wohnt, kann der Blick des Menschen den Menschen Gott schenken.

Jetzt will ich meine Lider schließen. Herr:
Denn meine Augen haben für heute abend ihren Dienst getan,
Und mein Blick, der den ganzen Tag im Garten der Menschen spazieren gegangen ist, will nun in meine Seele heimkehren.
Dank, Herr, für meine Augen, diese offenen Fenster über der großen Weite;
Dank für den Blick, der meine Seele zum andern trägt, wie der wohltätige Strahl das Licht und die Wärme Deiner Sonne auf die Erde bringt.
Ich bitte Dich in der Nacht, damit morgen, wenn ich meine
Augen in der klaren Frühe öffnen werde,
Sie bereit seien, zu dienen - zu dienen meiner Seele und ihrem Gott.
Herr, mache, daß meine Augen hell seien,
Und daß mein offener Blick Hunger nach Reinheit wecke;
Gib, daß er nie getäuscht, nie enttäuscht, nie verzweifelt werde,
Sondern fähig, zu bewundern, verzückt zu sein, zu betrachten.
Gib, daß meine Augen sich zu schließen wissen, um Dich besser wiederzufinden;
Aber daß sie nie sich abwenden von der Welt, weil sie Angst vor ihr haben.
Gib, daß mein Blick tief genug sei, um Deine Gegenwart in der Welt zu erkennen,
Und daß meine Augen sich nie schließen vor dem Elend der Menschen.
Herr, mein Blick möge nüchtern und fest sein,
Aber auch das Mitleid kennen,
Und meine Augen imstande sein zu weinen.
Mache, daß mein Blick den, den er trifft, nicht beschmutze,
Daß er nicht verwirre, sondern beruhige,
Daß er nicht traurig mache, sondern freudig,
Daß er nicht in Gefangenschaft verführe,
Sondern einlade und mitreiße, über sich hinauszuwachsen.
Mache, daß er den Sünder bedrücke, weil er in ihm Dein Licht erkennt,
Aber daß er nur tadle, um zu ermutigen.
Mache, daß mein Blick beunruhige, weil er eine Begegnung
ist, die Begegnung mit Gott.
Daß er ein Anruf sei, der Trompetenstoß, der alle aus ihren Häusern herausruft,
Nicht um meinetwillen, Herr,
Sondern weil Du vorübergehen willst.

Damit mein Blick das alles sei, Herr, Schenke ich Dir heute abend Von neuem meine Seele; Ich schenke Dir meinen Leib; Ich schenke Dir meine Augen, Damit, wenn sie die Menschen, meine Brüder, anschauen, Du es bist, der sie anschaut Und aus mir heraus ihnen ein Zeichen gibt.

Worte aus der Bibel zum Blick:

Als er sich auf den Weg machte, lief einer herbei, kniete vor ihm nieder und fragte ihn: Guter Meister, was muß ich tun, um das ewige Leben zu erlangen? Jesus sprach zu ihm: Warum nennst du mich gut? Niemand ist gut als Gott allein . . . Die Gebote kennst du: Du sollst nicht töten, du sollst nicht ehebrechen, du sollst nicht stehlen, du sollst kein falsches Zeugnis geben, du sollst nicht betrügen, du sollst Vater und Mutter ehren. Er aber antwortete ihm: Meister, dies alles habe ich von meiner Jugend an gehalten. Jesus aber blickte ihn liebevoll an und sprach zu ihm: Eines fehlt dir noch; gehe hin, verkaufe alles, was du hast, und gib es den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach (.Markus 10, 17-21).

Da sah ihn eine Magd im Lichtschein sitzen, faßte ihn ins Auge und sagte dann: Der war auch bei ihm. Jener aber leugnete es, indem er sagte: Weib, ich kenne ihn nicht .

Noch redete er, da krähte auch schon der Hahn. Der Herr wandte sich um und blickte auf Petrus. Jetzt erinnerte sich Petrus des Wortes des Herrn, wie er ihm gesagt hatte .

Er ging hinaus und weinte bitterlich (Lukas 22, 56-57, und 60-62).

Als er der Stadt nähergekommen war und sie vor sich sah, weinte er über sie und sprach: Wenn doch auch du gerade an diesem deinem Tage erkannt hättest, was dir zum Heile dient! (Lukas 19, 41-42).

Und er führte ihn zu Jesus. Jesus aber schaute ihn an und sprach: Du bist Simon, der Sohn des Johannes. Du sollst Kephas heißen (Johannes 1, 42),

Die Leuchte deines Leibes ist dein Auge. Ist dein Auge gesund, so wird dein ganzer Leib erleuchtet sein; ist aber dein Auge krank, so wird dein ganzer Leib im Finstern sein (Matthäus 6, 22).



Der Schuldige

Der Mensch ist allein, weil er einmalig ist, aber er ist aufgerufen zur Gemeinschaft. Doch die Sünde trennt und isoliert uns. Wir müssen einander wiederfinden und zuerst einer des andern Sünden tragen, sie loskaufen, um das Hindernis unserer völligen Einigung zu überwinden. Die Einsamkeit macht leiden: sie steht nicht im Plan des Vaters. Nur die Erlöserliebe kann sie überwinden und die Einheit besiegeln.

Ich kenne sein Geheimnis,
Sein schweres Geheimnis,
Sein schreckliches Geheimnis.
Herr, wie kann dieser große Junge mit dem Gesicht eines zu früh gealterten Kindes es tragen?
Ich wollte, daß er es mir sage,
Daß er es mir gebe, damit ich es mit ihm trage.
Seit langen Monaten halte ich diesem kleinen zermalmten Bruder die Hand hin.
Begierig ergreift er diese Hand, er streichelt sie, er küßt sie . . aber jenseits des Grabens, der uns trennt.
Wenn ich ihn sanft heranziehen will, weicht er zurück; denn in der anderen Hand trägt er sein Geheimnis, und es ist zu schwer, um es mir reichen zu können.
Herr, er tut mir leid

Ich betrachte ihn von ferne, und ich tann ihn nicht näher-
bringen,
Er betrachtet mich, und er kann mich nicht näherbringen.

Ich leide,
Er leidet,
Er leidet vor allem, und ich kann ihm nicht helfen, denn meine Liebe ist zu kurz, Herr, und jedesmal, wenn ich von mir aus eine Brücke schlage, um seine Einsamkeit zu erreichen, ist die Brücke zu klein und erreicht nicht sein Ufer.
Und ich sehe ihn am Rand seines Leidens, wie er zögert, einen Anlauf nimmt, sich streckt, aber verzweifelt umkehrt; denn die Entfernung ist zu groß und die Last ist zu schwer.
Gestern, Herr, hat er sich mir zugeneigt, hat ein Wort gesagt, dann aber verschloß er sich wieder; sein ganzer Leib hat gezittert unter der Last des Geheimnisses, das sich heranschob, aber von neuem auf den Grund seiner Einsamkeit rollte.
Er hat nicht geweint; aber ich mußte ihm die großen Schweißtropfen abwischen, die von seiner Stirne perlten.
Ich kann ihm seine Last nicht nehmen, er muß sie mir geben.
Ich sehe sie, und ich kann sie nicht er,-reifen.
Du willst es nicht, Herr, weil er es nicht will.
Ich habe kein Recht, sein Leid zu verletzen.
Herr, ich denke heute abend an alle Alleingelassenen,
An all die, die allein sind, schrecklich allein,
Weil sie sich niemals einem anderen anvertraut haben,
Weil sie sich niemals Dir anvertraut haben, Herr.
Sie, die etwas wissen, was die anderen nie wissen werden;
Sie, die an einer Wunde leiden, die nie jemand wird be-
handeln können;
Sie, die an einer Verletzung bluten, die nie jemand heilen
wird;
Sie, die von einem schrecklichen Schlag getroffen sind, von
dem nie jemand eine Ahnung haben wird;
Sie, die in das abschreckende Schweigen ihres Herzens Ernten
an Erniedrigungen, Verzweiflungen, Maßgedanken eingeschlossen haben;
Sie, die eine Todsünde verheimlicht haben, und nun kalte,
übertünchte Gräber sind.
Herr, die Einsamkeit des Menschen erschreckt mich.
Jeder Mensch ist allein, weil er einmalig ist,
Und diese Einsamkeit ist geheiligt; er allein kann sie brechen, sich einem anderen offenbaren und einen anderen aufnehmen.
Er allein kann von der Einsamkeit zur Gemeinschaft schreiten.
Und Du, Herr, willst diese Gemeinschaft, Du willst, daß wir miteinander geeinigt seien,
Trotz der tiefen Gräben, die wir durch die Sünde zwischen uns aufgeworfen haben;
Du willst, daß wir eins seien, wie Dein Vater und Du eins
sind.
Herr, dieser Bursche tut mir leid, ebenso wie alle Einsamen, seine Brüder.
Laß mich sie so sehr lieben, daß ich ihre Einsamkeit brechen kann,
Laß mich auf Erden in alle offenen Türen eintreten.
Ich will mein Haus ganz leer, zugänglich und einladend
machen
Und mit Deiner Hilfe daraus fortgehen, um niemanden zu behindern:
So können die anderen eintreten, ohne zu fragen,
Sie können ihre Last niederlegen, ohne gesehen zu werden.
Und ich werde still kommen, sie in der Nacht zu suchen,
Und Du wirst mir helfen, Herr, sie zu ertragen.

Worte der Bibel zur Barmherzigkeit (Der barmherzige Samariter)

Ein Mann ging von Jerusalem nach Jericho hinab und fiel unter die Räuber. Diese plünderten ihn aus, schlugen ihn wund, gingen weg und ließen ihn halb tot liegen. Zufällig kam ein Priester des Weges; er sah ihn und ging vorüber. Ebenso ein Levit, er kam an jenen Ort, sah ihn und ging vorüber. Ein reisender Samaritan aber, der in seine Nähe kam, sah ihn und ward von Mitleid gerührt. Er ging hinzu, verband seine Wunden und goß Öl und Wein darauf. Dann setzte er ihn auf sein Reittier, brachte ihn in die Herberge und sorgte für ihn. Am anderen Tag zog er zwei Denare heraus und gab sie dem Herbergswirt mit den Worten: Sorge für ihn, und was du noch darüber aufwendest, will ich dir zahlen, wenn ich zurückkomme (Lukas 20, 30-35).



Ich habe gegessen

Ich habe gegessen,

Ich habe zu viel gegessen.

Ich habe gegessen, um zu tun wie die anderen,

weil ich eingeladen war,

Weil ich in Gesellschaft war und die Gesellschaft es nicht begriffen hätte;

Und jedes Gericht,

Und jeder Bissen,

Und jeder Schluck ging schwer hinunter. 

Herr, ich habe zu viel gegessen,

Während im gleichen Augenblick in meiner Stadt mehr als 1500 Personen - 

die Konservenbüchse in der Hand Schlange standen um die Armensuppe,

Während diese Frau in ihrer Dachkammer das verzehrte, war sie am Morgen in den Mülleimern aufgelesen hatte,

Während diese Kinder in ihrem Bunker die kalten Reste des mageren Mahles der Alten vorn Armenhaus sich teilten,

Während zehn, hundert, tausend Unglückliche auf der Welt im gleichen Augenblick sich vor Schmerzen wanden und den Hungertod starben vor ihren verzweifelten Angehörigen.

Herr, das ist schrecklich, denn ich weiß darum,

Die Menschen wissen jetzt darum.

Sie wissen, daß nicht nur einige Hunderte Unglückliche, sondern daß Tausende Hunger haben in den Grenzen ihres Landes.

Sie wissen, daß nicht nur Tausende, sondern Millionen Hunger haben auf der ganzen Welt.

Die Ziffern richten die Kolonnen ihrer unerbittlichen Wahrheit auf.

Ein Drittel der Menschheit ist unterernährt.

Herr, Du liest diese Ziffern,

Nicht wie der gemächliche Statistiker in seinem Büro,

Sondern wie ein kinderreicher Vater, der sich über die Stirn eines jeden seiner Söhne neigt.

Herr, Du siehst diese Karte, Du liest diese Ziffern seit Ewigkeit.

Du sahst sie, Du lasest sie, als Du für mich die Geschichte vom reichen Prasser und vom armen hungrigen Lazarus erzähltest;

Du sahst sie, Du lasest sie, als Du für mich das Jüngste Gericht schildertest.

„ . . . Ich war hungrig . . ."

Herr, Du bist schrecklich!

Du stehst Schlange um die Armensuppe,

Du ißt die Reste aus den Mülleimern,

Du bist vor Hungerqual im Todeskampf,

Du stirbst mit 26 Jahren verlassen in einem Winkel,

Während in einem anderen Winkel des großen Saales der Welt ich - mit einigen Gliedern unserer Familie - ohne Hunger zu haben, das esse, was genügen würde, um Dich zu retten.

„ . . . Ich war hungrig . . ."

Du wirst mir das immer sagen können, Herr, wenn ich einen einzigen Augenblick zaudere, mich zu verschenken.

Ich werde niemals zu Ende kommen, meinen Brüdern die

Suppe aufzutischen, sie sind zu zahlreich,

Und es wird immer solche geben, die ihren Teil noch nicht bekommen haben!

Herr, es ist nicht leicht, der Welt zu essen zu geben.

Ich verrichte lieber mein Gebet, regelmäßig und genau,

Ich esse lieber am Freitag kein Fleisch,

Ich besuche lieber meinen Armen,

Doch das ist ja nicht genug,

Das ist eigentlich nichts, wenn Du mir eines Tages sagen

kannst: „Ich war hungrig!"

Herr, ich habe keinen Hunger mehr,

Herr, ich will keinen Hunger mehr haben,

Herr, ich will nur noch essen, um zu leben, um Dir zu dienen und für meine Brüder zu kämpfen. Denn Du hast Hunger, Herr. 

Denn Du stirbst vor Hunger, indes ich übersättigt bin.



DIE WOHNUNG

Herr, ich konnte nicht schlafen, und um besser zu Dir zu beten, bin ich wieder aufgestanden.

Es ist Nacht draußen, der Wind weht und der Regen fällt,

Und die Lichter der Stadt durchbrechen das Dunkel und künden Lebende an.

Diese Lichter, Herr, bedrücken mich, warum wurden sie angezündet? - 

Für meine Augen?

Sie haben mich gerufen und jetzt bin ich ihr Gefangener, während die Leiden der Stadt verräterisch ihre tragische Klage flüstern;

Und ich kann ihnen nicht entkommen, Herr, ich kenne sie zu gut, diese Leiden.

Ich sehe sie vor mir aufscheinen, ich höre sie zu mir sprechen,

Ich fühle, wie sie mich ohrfeigen,

Denn ich weiß um sie, Herr, ich weiß um sie, während ich schlafen gehen wollte.

Ich weiß, daß in diesem einzigen Zimmer der vergiftete Atem von dreizehn zusammengedrängten Personen sich mischt.'

Alle angeführten Tatsachen sind absolut echt. Sie wurden unter hundert anderen ähnlichen angeführt.

Ich weiß, daß eine Mutter den Tisch und die Sessel an der

Zimmerdecke aufhängt, um das Strohlager auszubreiten.

Ich weiß, daß der Mann aufsteht, um die Wachsleinwand über dem durchregneten Bett seiner vier Kinder aufzuspannen.

Ich weiß, daß die Mutter die ganze Nacht sich nicht niederlegen kann, denn es ist nur für ein Bett Platz, und die zwei Kinder sind krank.

Ich weiß, daß der Bursche allein in die Nacht flieht, weil er es satt hat.

Ich weiß, daß die Männer sich der Frauen wegen schlagen,

denn auf dem gleichen Dachboden sind drei Haushalte.

Ich weiß, daß der Bruder seiner Schwester ein Kind macht, weil sie beide, er mit seinen zwanzig und sie mit ihren sechzehn Jahren, Seite an Seite auf dem gleichen Elendslager schlafen.

Ich weiß, daß die Frau ihren Mann wegdrängt, denn es ist im Hause kein Platz mehr für ein neues Kind.

Ich weiß, daß ein Kind sanft hinüberschlummert und sich darauf vorbereitet, sich mit seinen vier kleinen Brüdern. da oben wieder zu vereinigen.

Ich weiß,

Ich weiß überdies,

Ich weiß hunderte anderer Tatsachen, während ich eben in Frieden zwischen meinen weißen Leintüchern einschlafen wollte.

Ich möchte nichts davon wissen, Herr,

Ich möchte, daß das nur Geschichten wären,

Ich möchte mir einreden, daß ich träume,

Ich möchte, daß man mir beweist, daß ich übertreibe,

Ich möchte, daß man mir zeigt, daß alle diese Leute unrecht haben, daß es ihr Fehler ist, wenn sie im Unglück sind.

Ich möchte mich wieder beruhigen, Herr, aber ich kann nicht mehr, es ist zu spät.

Ich habe zu viel gesehen,

Ich habe zu viel gehört,

Ich habe zu viel gezählt,

Ich habe gezählt, Herr, und ich glaube, daß die unerbittlichen Ziffern mir für immer meine unschuldige Ruhe geraubt haben.'

 

Um so besser, mein Kind,

Denn ich, euer Gott, euer Vater, ich bin erzürnt über euch.

Ich habe euch am Anfang der Zeiten die Welt gegeben, und ich will in meinem gewaltigen Besitztum für alle meine Söhne ein Dach, das ihres Vaters würdig ist;

Ich habe euch Vertrauen geschenkt, und euer Egoismus hat alles verdorben.

Das ist eine eurer größten Sünden, eine Sünde, die viele von euch verantworten müssen.

Wehe euch, wenn durch eure Schuld auch nur eines meiner Kinder an seinem Leibe oder an seiner Seele umkommt.

Ich sage euch, diesen werde ich die schönsten Wohnungen in meinem großen Paradiese schenken.

Die Sorglosen aber, die Nachlässigen, die Egoisten, die ihr gutes Obdach auf Erden hatten und die anderen vergessen haben, sie haben ihren Lohn schon empfangen.

Für sie wird es bei mir keinen Platz geben.

Wohlan, mein Kind, erflehe heute abend Verzeihung für dich und für die anderen,

Und morgen kämpfe mit allen deinen Kräften; denn dein Vater leidet, wenn er sieht, daß es jetzt noch für Seinen Sohn keinen Platz gibt in der Wohnstatt der Menschen.



DAS KRANKENHAUS

Das Leiden ist ein Geheimnis, das nur durch das Licht des Glaubens erhellt werden kann.

Das Übel in der Welt ist von Gott nicht gewollt. Die Menschen haben seinen Plan verachtet (Sünde), sie haben den Menschen und das Weltall aus dem Gleichgewicht gebracht und das Leiden verursacht. Aber Christus ist gekommen, um die Ordnung wiederherzustellen. Aus dem nutzlosen Leiden hat er den eigentlichen Gegenstand der Erlösung gemacht.

Fürwahr, er trug unsere -Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen. Wir hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünden willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt (Isaias 53, 4-5).

 

Heute nachmittag habe ich einen Kranken im Spital besucht.

Von Station zu Station mußte ich diese Leidensstadt durchwandern, und ich erriet die Tragödien, die die hellen Wände und die Blumen auf den Rasenplätzen verbargen.

Ich mußte einen ersten Saal durchschreiten;

Ich ging auf den Zehenspitzen bei der Suche nach dem Kranken,

Ich streifte mit dem Blick die Liegenden, wie der Krankenwärter behutsam eine Wunde berührt, um nicht wehzutun.

Ich fühlte mich unbehaglich,

Verwirrt wie ein Nichteingeweihter in einem Mysterientempel,

Wie ein Heide im Schiff einer Kirche.

Ganz am Ende des zweiten Saales habe ich meinen Kranken gefunden,

Und als ich vor ihm war, habe ich gestammelt, und ich wußte nicht, was ich sagen sollte.

Herr, das Leiden bedrückt mich, es beklemmt mich.

Ich begreife nicht, warum Du es gutheißt.

Warum, Herr?

Warum dieses unschuldige Kind, das seit einer Woche wim­mert, weil es gräßlich verbrannt ist?

Dieser Mann, der schon drei Tage und drei Nächte im Todes­kampfe liegt und nach seiner Mutter schreit?

Diese krebskranke Frau, die in einem Monat um zehn Jahre gealtert ist?

Dieser Arbeiter, der von seinem Gerüst gestürzt und nun ein zerbrochener Hampelmann ist von noch nicht ganz zwanzig Jahren?

Dieser Fremdling, arm, heimatlos, einsam, der nichts mehr ist als eine einzige eitrige Wunde?

Dieses eingegipste Mädchen, das seit mehr als dreißig Jahren langgezogen auf einem Brett liegt?

Warum, Herr?

Ich verstehe nicht.

Warum dieses Leiden in der Welt, das verletzt, verschließt, empört, zerbricht?

Warum dieses ungeheuerliche und scheußliche Leiden, das blind zuschlägt ohne Erklärung,

Sich ungerechterweise auf den Guten stürzt und den Bösen

ausspart,

Verjagt durch die Wissenschaft zurückzuweichen scheint, aber unter einem anderen Gesicht wiederkommt, mächtiger, listiger als zuvor?

Ich verstehe nicht.

Das Leiden ist hassenswert und es macht mir Furcht,

Denn warum die, Herr, und nicht die anderen?

Warum die und nicht ich?

Kind, nicht ich bin es, dein Gott, der das Leiden gewollt hat, die Menschen sind es.

Sie haben es mit der Sünde auf die Welt gebracht;

Denn die Sünde ist eine Unordnung und die Unordnung schafft das Übel.

,-siehst du, jeder Sünde entspricht auf der Welt und in der Zeit irgendwie ein Leiden,

Und je mehr Sünde es gibt, um so mehr Leiden gibt es auch.

Aber ich bin gekommen, ich habe sie alle auf mich genommen, eure Leiden, wie ich alle eure Sünden auf mich genom­men habe,

Ich habe sie auf mich genommen und sie erlitten vor euch,

Ich habe sie umgekehrt und umgewandelt, ich habe aus ihnen einen Schatz gemacht,

Noch sind sie ein Übel, aber ein Übel, das dient,

Denn aus euren Leiden habe ich die Erlösung gemacht.



ES GIBT NUR ZWEI ARTEN VON LIEBE

Herr, es gibt nur zwei Arten von Liebe,
Die Eigenliebe und die Liebe zu Dir und den anderen,
Und jedesmal, wenn ich mich liebe, ist das ein bißchen weniger Liebe für Dich und für die anderen,
Ist es ein Schwinden an Liebe.
Ein Verlust an Liebe;
Denn die Liebe ist geschaffen, um von mir auszugehen und zu den anderen zu fliegen.
Jedesmal, wenn sie auf mich zurückkommt, siecht sie dahin, verfault und stirbt.
Die Eigenliebe, Herr, ist ein Gift, das ich jeden Tag einsauge;
Die Eigenliebe bietet mir eine Zigarette an und gibt meinem Nachbarn keine;
Die Eigenliebe wählt den besseren Teil und hütet den besseren Platz;
Die Eigenliebe schmeichelt meinen Sinnen und stiehlt sich ihre Nahrung auf dem Tisch der anderen;
Die Eigenliebe spricht von mir und macht mich taub für das Wort des anderen;
Die Eigenliebe wählt und drängt die Wahl dem Freunde auf;
Die Eigenliebe verkleidet und verstellt mich, sie will mich glänzend machen und die anderen auslöschen;
Die Eigenliebe beklagt mich und beachtet nicht das Leiden der anderen;
Die Eigenliebe predigt meine Gedanken und mißachtet die der anderen;
Die Eigenliebe findet mich tugendhaft, sie nennt mich einen anständigen Menschen;
Die Eigenliebe fordert mich auf, Geld zu verdienen, um es für mein Vergnügen auszugeben, um es aufzusparen für meine Zukunft;
Die Eigenliebe rät mir, den Armen zu geben, um mein Gewissen einzuschläfern und in Frieden zu leben;
Die Eigenliebe zieht mir Hausschuhe an und setzt mich in einen Lehnstuhl.
Die Eigenliebe ist zufrieden mit mir und schläfert mich sanft ein.

Herr, was noch schwerer wiegt, ist, daß die Eigenliebe eine gestohlene Liebe ist.
Sie war bestimmt für die anderen, sie hätten sie gebraucht, um leben und sich entfalten zu können, ich aber habe sie anders gelenkt.
So schafft die Eigenliebe das menschliche Leiden,
So schafft die Liebe der Menschen zu sich selber das menschliche Elend,
Alle menschlichen Nöte,
Alle menschlichen Leiden:
Das Leiden des Buben, den seine Mutter ohne Grund geohrfeigt hat, und das des Mannes, den der Chef vor den Arbeitern tadelt,
Das Leiden des häßlichen Mädchens, das auf einem Ball sitzengelassen wurde, und das der Gattin, die ihr Mann nicht, mehr küßt,
Das Leiden des Kindes, das man zu Hause läßt, weil es lästig
ist, und das des Großvaters, über den sich die Kinder lustig machen, weil er zu alt ist,
Das Leiden des ängstlichen Menschen, der sich nicht anvertrauen konnte, und das des ruhelosen Jünglings, dessen Qual man lächerlich gemacht hat;
Das Leiden des Verzweifelten, der sich in den Kanal stürzt.
und das des Verbrechers, den man zur Hinrichtung führt.,
Das Leiden des Arbeitslosen, der arbeiten möchte, und (las des Arbeiters, der für einen lächerlichen Lohn seine Gesundheit verbraucht,
Das Leiden des Vaters, der in der Nähe einer leeren Villa seine Familie in einem einzigen Zimmer zusammenpfercht, und das der Mutter, deren Kinder Hunger haben, während man die Reste eines Festes in den Abfallkübel wirft,
Das Leiden dessen, der verlassen stirbt, während, seine Familie im Nebenzimmer beim Kaffeetrinken das unvermeidliche Ende erwartet.

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Alle Leiden,
Alle Ungerechtigkeiten, Bitternisse, Erniedrigungen, Kümmernisse, Haßgedanken, Verzweiflungen,
Alle Leiden sind ein unersättlicher Hunger,
Ein Hunger nach Liebe.
So haben die Menschen langsam eine Ichsucht nach der anderen aufgebaut, eine entstellte Welt, die die Menschen erdrückt;
So vertreiben die Menschen auf Erden ihre Zeit, um von ihrer entehrten Liebe zu prassen,
Während um sie herum die anderen die Arme nach ihnen ausstrecken und vor Hunger sterben.
Sie haben die Liebe vergeudet,
Ich habe Deine Liebe vergeudet, Herr.

Heute abend bitte ich Dich, hilf mir lieben.

Schenk mir, Herr, daß ich die wahre Liebe wieder in der Welt ausbreite.
Gib, daß sie durch mich und Deine Kinder ein wenig eindringt in alle Lebenskreise, in alle Gesellschaftsschichten, in alle Systeme der Wirtschaft und Politik, in alle Gesetze, in alle Verträge, in alle Bestimmungen;
Gib, daß sie eindringt in die Büros, die Fabriken, die Stadtbezirke, die Häuser, die Kinos, die Ballsäle;
Gib, daß sie eindringt in das Herz der Menschen, und laß mich nie vergessen, daß der Kampf für eine bessere Welt ein Kampf der Liebe ist im Dienst der Liebe.

Hilf mir lieben, Herr,

Hilf mir,
meine Liebeskräfte nicht zu vertrödeln,
mich immer weniger und die anderen immer mehr zu lieben,
Damit rings um mich niemand leidet oder stirbt, weil ich die Liebe gestohlen habe, die er zum Leben gebraucht hätte.

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Mein Kind, du wirst es nie zustande bringen, genug Liebe in des Menschen Herz und in die Welt zu legen.
Denn der Mensch und die Welt haben Hunger nach einer unendlichen Liebe,
Und nur Gott allein kann lieben mit einer Liebe ohne Grenzen.
Aber wenn du willst, Kind, gebe ich dir Mein Leben,
Nimm es in dich auf.
Ich schenke dir Mein Herz, ich schenke es Meinen Kindern.
Liebe mit Meinem Herzen, Kind,
Und alle zusammen werdet ihr die Welt satt machen und werdet sie so retten.



entnommen aus dem Buch von Michael Quoist "Herr da bin ich."