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Modernere Gebete

Gebete in literarischer Sprache

Gebete in Gedichtform


Moderne Gebet


Mit den Augen der Liebe

Herr, Jesus Christus, im Schweigen dieses anbrechenden Morgens komme ich zu Dir und bitte Dich mit Demut und Vertrauen um Deinen Frieden, Deine Weisheit, Deine Kraft. Gib, dass ich heute die Welt betrachte mit Augen, die voller Liebe sind. Lass mich begreifen, dass alle Herrlichkeit der Kirche aus Deinem Kreuz als dessen Quelle entspringt. Lass mich meinen Nächsten als den Menschen empfangen, den Du durch mich lieben willst. Schenke mir die Bereitschaft, ihm mit Hingabe zu dienen und alles Gute, das Du in ihn hineingelegt hast, zu entfalten. Meine Worte sollen Sanftmut ausstrahlen und mein ganzes Verhalten soll Frieden stiften. Nur jene Gedanken, die Segen verbreiten, sollen in meinem Geiste haften bleiben. Verschließe meine Ohren vor jedem übelwollenden Wort und jeder böswilligen Kritik. Möge meine Zunge nur dazu dienen, das Gute hervorzuheben. Vor allem bewirke, o Herr, daß ich voller Frohmut und Wohlwollen bin, daß alle, die mir begegnen, sowohl Deine Gegenwart als auch Deine Liebe spüren. Bekleide mich mit dem Glanz Deiner Güte und Deiner Schönheit, damit ich Dich im Verlaufe dieses Tages offenbare. Amen.

[Morgengebet der seligen Mirjam von Abellin]
 

 

Übersicht

 

Gebete in literarischer Sprache

Freude über den himmlischen Vater am Morgen

Zu dir, o Gott, erwache ich in dieser Morgenstunde. Das erste Wort, das meine Zunge ausspricht ist: Gott, mein Vater! Meine erste Freude ist, dass du bist, und dass du mein Vater bist. Von dir ist alles Gute, das ich bin und habe. Wem sollte ich gehören, wenn ich nicht dein wäre? Alles ist dein Werk, darum sei alles zu deiner Verehrung geheiligt. Alles, was ich bin und habe, sei nur dazu tätig, deinen Willen zu erfüllen. Vater, dein bin ich heute und immer. Dein Wille geschehe an mir und an allem, was mein ist. Vater, segne meinen Vorsatz, den ich jetzt in dieser Morgenstunde vor deinem Angesicht gefasst, dass ich am Abend nichts zu bereuen habe. (Johann Michael Sailer)

 

Gebet um Erleuchtung am Morgen

Erleuchte mich, Herr, mein Licht. Ich bin mir selbst verborgen und kenne mich noch nicht; darum erschüttere uns, dass wir aufwachen und vom Tod aufstehen. Amen.

(Friedrich Christoph Oetinger)

 

Bitte eines Kranken am Morgen.

Herr, unser Heiland, Jesu Christe! Gedenke deiner Barmherzigkeit und lass die Zeit bald kommen, die dein anmutiger Mund das Gnadenjahr des Herrn nennt. Ja, lass dieses Jahr bald kommen, du treuer Erbarmer! Erfülle die Bitten für die jetzt noch Leidenden, die mit Seufzen ihre Tage hinbringen müssen! Verstehe ihre Not! Lass deine Verheißung bald wahr werden, dass du endlich erlöst von aller Trübsal des Leibes und der Seele. Segne uns auch am heutigen Tag und lass deine Barmherzigkeit und Güte uns innewerden, auch deine Freundlichkeit, mit der du alles, auch Unebnes, eben machst, dass wir alle miteinander uns Deiner freuen dürfen als eines Heilandes, der errettet und endlich zum Leben führt. Ja, Herr, wir befehlen uns alle in deine Güte, Gnade und Treue. Amen.

(Johann Christoph Blumhardt)

Bitte am Morgen für Menschen in Not

Ach Herr, unser Erbarmer! Wir sehnen uns nach solcher Gnadenzeit und bitten, lass doch das Seufzen deiner Kinder vor dich kommen, dass du den Tag beschleunigst, an welchem das große Heil kommen kann für alle Kreatur. Lass du uns aber treu sein und in das, worein du uns gestellt hast, uns schicken und in Geduld und Glauben auch dazu mitwirken, dass dein Tag bald kommen kann. Segne uns alle, Kleine und Große, auch die in unsre Fürbitte Befohlenen. Herr, sei du mit allen, die mit Kummer und Trübsal diesen Tag beginnen, und komme mit deinem tröstenden Engel ihnen entgegen. O Herr, tue über unser Bitten und Verstehen nach deiner Verheißung.  (Johann Christoph Blumhardt)

Dank und Bitte am Morgen

Wir danken dir, Gott, unser himmlischer Vater, durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, dass du uns diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitten dich, uns auch die­sen Tag zu behüten vor Sünden und allem Übel, damit dir unser Tun und Leben gefällt; denn wir vertrauen unsern Leib und Seele und deinen Händen an. Dein heiliger Engel sei mit uns, dass der böse Feind keine Macht an uns finde.

(Martin Luther)

Bereite mich zum Dienst für Dich

O Herr, ich gebe mich dir, ich vertraue dir ganz. Du bist weiser als ich, du liebst mich mehr als ich mich selbst. Wolle denn deinen hohen Ratschluss in mir erfüllen, was immer er sei - wirke in mir und durch mich. Ich bin geboren, dir zu dienen, dir zu gehören, dein Werkzeug zu sein. Lass mich dein blindes Werkzeug sein! Ich will nicht sehen - ich will nicht wissen. Ich verlange nichts, als dass du mich gebrauchst. (John Henry Newman)

Komm in meine Seele

Eja du unergründliches Gut, das Himmel und Erde erfüllt: neige dich heute gnädig zu mir und verschmähe nicht deine arme Kreatur!

Herr, bin ich deiner nicht würdig, so bin ich doch deiner bedürftig. Ach liebreicher Herr, bist du nicht der, der Himmel und Erde mit einem Wort erschaffen hat? Herr, mit einem einzigen Wort kannst du meine Seele gesund machen. Liebreicher Herr, tue mit mir nach deiner Gnade und nach deiner unergründlichen Erbarmung, nicht nach meinem Verdienen! Bist du doch das schuldlose Lamm, das da für aller Menschen Sünden geopfert wird.

 

O ewige Weisheit, komm heute mit solcher Macht in meine Seele, dass du alle meine Feinde vertreibest, alle meine Gebrechen linderst und alle meine Sünden vergebest. Erleuchte mein Verständnis mit dem Lichte des wahren Glaubens, entzünde meinen Willen mit deiner innigen Liebe, verkläre meinen Geist mit deiner fröhlichen Gegenwart, gib allen meinen Kräften Frische und Vollkommenheit und bewahre mich endlich bei meinem Tode, dass ich dich unverhüllt schauen und genießen dürfe in seliger Ewigkeit.

(Heinrich Seuse)

Ein Gruß an Gott

Du allerhöchstes ewiges Licht, meine Seele hat nach dir verlangt in dieser Nacht, und nun in der Morgenfrühe bin ich mit ganzer Innigkeit meines Geistes zu dir, lieber Gott, erwacht und bitte dich innig, dass deine ersehnte Gegenwart von mir alles Böse an Leib und Seele vertreibe und das Innerste meines Herzens mit deiner reichen Gnade erfülle und mich entzünde im Feuer deiner göttlichen Liebe.

Eja, liebster Herr Jesu Christe, kehre dein freundliches Antlitz zu mir! Denn an diesem Morgen, da kehrt sich meine Seele mit allen Kräften zu dir und grüßt dich innig, und auch die Scharen der Engel, die dir dienen, mögen heute dich von mir grüßen, die unzählbaren himmlischen Geister, die bei dir wohnen, dich würdig preisen, und alle Schönheit der Kreatur dich von mir loben und deinen ruhmwürdigen Namen, der unser tröstlicher Schirm und Schutz ist, dankbar verherrlichen, jetzt und in Ewigkeit.

(Heinrich Seuse)

 

Durst nach Gott am Morgen

Gott, mein Gott, zu dir erwach' ich mit dem Morgenlicht. Meine Seele dürstet nach dir, und es schmachtet nach dir mein Fleisch im wüsten, weglosen Land. Ich erscheine vor dir, um deine Kraft und deine Herrlichkeit zu schauen.

Mein Gott, dich habe ich lieb von ganzem Herzen. Du bist meine Seligkeit, meine Hoffnung und Freude, mein höchstes, köstliches Gut.

In Demut meines Herzens danke ich dir für alle deine Wohltaten: für die Liebe, mit der deine unverdiente Erbarmung mich von Ewigkeit auserwählt und zu meinem ewigen Heil an dich gezogen hat, auch dass du so innig mich dir vereinigt und mich würdig gemacht hast, Gegenstand deines Wohlgefallens zu sein, und dass du mich schließlich hinführen willst zur Vollendung der Seligen. Einzig deiner Güte verdanke ich alles ohne jedes Verdienst von meiner Seite, mein höchstes, ganzes, wahrhaftes, ewiges Gut!

Dich preist meine Seele, Herr Gott, mein Schöpfer, und aus dem Innersten meines Wesens sollen dich preisen deine Erbarmungen, mit denen du mich umgeben hast aus überströmender Liebe und ich verdiene es nicht.

(Gertrud die Große)

Ein Lob auf den Schöpfer

O Gott, du überglänzendes, ewigscheinendes Licht, du hast der äußern Welt das Licht von dem Hauch deiner Macht durch die Strahlen deines Lichtes gegeben, und herrschest mit Sonne und Monde in allen deinen Werken in dieser Welt Wesen; du gebärest alles zeitliche Leben durch diese Lichter. Alles, was Atem hat, wirket und lebet in diesen Lichtern, und lobet dich in deiner Kraft; alle Sterne nehmen Licht und Schein von deinem ausgegossenen Glanze. Du zierest die Erde mit schönen Kräutern und Blumen durch dieses Licht, und erfreust darinnen alles, was lebet und wächset, und zeigest uns Menschen darinnen deine Herrlichkeit, dass wir erkennen deine Kraft, die inwendig verborgen ist, und daran sehen, wie du dein ewiges Wort und Wirkung sichtbar gemacht hast; auf dass wir dadurch sollen betrachten dein inwendiges, geistliches Reich, da du im Verborgenen wohnest und alle deine Geschöpfe erfüllest, und alles in allem selber wirkest und tust.

(Jakob Böhme)

Bitte um Reue

Öffne mir der Reue Pforten, du Spender des Lebens, denn früh am Morgen erhebt sich mein Geist zu deinem heiligen Tempel. Ganz trage ich beschmutzt den Tempel des Leibes. Wohlan, du Mitleidvoller, mach ihn rein in deiner erbarmenden Güte. Meiner schlimmen Taten Menge bedenkend, erzittre ich vor dem furchtbaren Tag des Gerichts. Doch bauend auf das Mitleid deiner Erbarmung ruf ich wie David zu dir: Erbarm dich meiner, o Gott, nach deinem großen Erbarmen. (Unbekannter Verfasser der Ostkirche)

 

Übersicht

 

Gebete in Gedichtform

Freude über den Schöpfer und Bitte an ihn

Der Morgenstrahl steht auf dem Tal,

die Nebel ziehen drunter her,

und auf der Au liegt still der Tau  

wie Perlen in dem weißen Meer.  

Wie ich nun alles recht beschaut,  

da wirds mir rege im Gemüte,  

dass alles nur ein Wort, ein Laut,  

o Gott, von deiner Lieb und Güte!

 

Die Erd in Pracht hast du gemacht  

für mich, dein ungetreues Kind,  

und den Azur der Wolkenflur,  

für mich den frischen Morgenwind.  

Ach, alle Worte sind zu schwach,  

um deine Liebe zu verkünden,  

und dennoch lässt mein Streben nach,  

und jeder Tag sieht mich in Sünden.

 

Herr, steh mir bei, da du aufs neu  

mir einen jungen Tag verliehn;  

Der Geist ist wach, das Fleisch ist schwach,  

und ohne Frucht ist mein Bemühn.  

Doch deine Hand ist stark und fest,  

will ich nur willig sie umfassen;  

Ach, wer nicht selber dich verlässt,  

den hast du nimmermehr verlassen.

 

O Herr, wenn oft und unverhofft  

mich kleine Kränkungen bedrohn,  

sei mein Gesicht zu dir gericht',  

und mein Gedanke sei: dein Lohn!  

Ach, manches Leiden groß und schwer  

gabst du mir Gnade zu besiegen;  

und vor der kleinen Sorgen Heer  

Sollt meine Stärke unterliegen?

 

Herr, mich befrei von falscher Scheu,  

von Hoffart und von Ungeduld,  

und all mein Sinn sich wende hin  

zu deinem Kreuz und meiner Schuld.  

Wer diesen Tag mich schmäht und kränkt,  

dem lass mich gern und treu verzeihen,  

und ihn lass, eh die Nacht sich senkt,  

vor dir sein Unrecht still bereuen.

 

Zu deinem Preis, auf dein Geheiß  

will ich an meine Pflichten gehn;  

wie auch die Welt sich rings umstellt,  

ich will nur deinen Willen sehn.  

Mein Wirken über Haus und Kind,  

das ruht in deinen weisen Händen,  

was sich mit deinem Preis beginnt,  

das muss zu deinem Ruhme enden.

(Annette von Droste Hülshoff)

Begegnung mit dem Herrn

Der Morgentau will steigen!  

Sind denn die Palmen grün?

Auf, lass mit hellen Zweigen  

uns ihm entgegenziehn!  

Er will in unser Haus,  

in unsre Kammer kommen;  

schon ziehen rings die Frommen  

mit Lobgesang heraus.

 

Ich kann nicht mit euch gehen,  

mir ist der Odem schwer;  

die Kreuzesfahnen wehen,  

ich folge nimmermehr.  

Wie wird so klar die Luft!  

O Jesu, süße Helle,  

du kömmst in meine Zelle,  

in meine Modergruft.

 

Was soll ich dir bereiten,  

du wunderlieber Gast?  

Ich möchte dich verleiten  

zu langer Liebesrast.  

Wohlan, ich schmücke dich,  

will dich mit Blumen binden;  

du sollst dich nicht entwinden,  

das weiß ich sicherlich.

 

Aus deiner Mutter Rechten  

will ich um deinen Fuß  

die reine Lilie flechten  

mit demutsvollem Gruß.  

Dass ich dich fessle ganz  

mit Liebesblumenringen,  

will um dein Haupt ich schlingen  

den heilgen Rosenkranz.

 

Den Boden will ich streuen  

mit Palmen ganz und gar,  

mein Leiden dir zu weihen,  

was ich in diesem Jahr  

oft still, oft schwer ertrug:  

Es liegt zu deinen Füßen,  

es soll mich nicht verdrießen,  

dein Will ist mir genug!

 

Wie soll ich mich doch finden  

in deine Liebesmacht,  

dass du an meine Sünden  

so gar nicht hast gedacht!  

Ich lasse nicht von dir,  

musst du gleich wieder scheiden:  

Ich fühl es wohl in Freuden,  

du kömmst noch oft zu mir.

(Annette von Droste Hülshoff)

Gib Leben und Liebe

Morgenglanz der Ewigkeit,  

Licht vom unerschaffnem Licht,  

schick uns diese Morgenzeit  

deine Strahlen zu Gesichte,  

und vertreib durch deine Macht  

unsre Nacht.

 

Deiner Güte Morgentau  

fall auf unser matt Gewissen;  

lass die dürre Lebensau  

lauter süßen Trost genießen  

und erquick uns, deine Schar,  

immerdar.

 

Gib, dass deiner Liebe Glut  

unsre kalten Werke töte,  

und erweck uns Herz und Mut,  

bei erstandner Morgenröte,  

dass wir, eh wir gar vergehn,  

recht aufstehn.

 

Ach, du Aufgang aus der Höh,  

gib, dass auch am jüngsten Tage  

unser Leib verklärt ersteh,  

und, entfernt von aller Plage,  

sich auf jener Freudenbahn  

freuen kann.

(Knorr von Rosenroth)

 

Lob Dank und Bitte

Aus meines Herzens Grunde  

sag ich dir Lob und Dank  

in dieser Morgenstunde  

und all mein Leben lang;  

o Gott, in deinem Thron,  

dich will ich ewig ehren,  

lass mich dein Lob vermehren  

durch Christum deinen Sohne

 

Dank dir, dass du aus Gnaden  

in der vergangenen Nacht  

mich vor Gefahr und Schaden  

behütet und bewacht.

Demütig bitt ich dich,

wollst mir mein Sünd vergeben,

womit in diesem Leben  

ich hab' erzürnet dich!

(Georg Niege)

Du ewiger Schöpfer aller Welt durchstrahle unser Herz

Du ewiger Schöpfer aller Welt,  

der waltend Tag und Nacht regiert,  

dem Zeitenrund die Zeiten gibt,  

zu mildern ödes Einerlei.

 

Schon ruft des Tages Herold laut,  

der, Wächter auch in tiefster Nacht,  

den Wandernden ein mächtiges Licht,  

die Nacht in nächtige Stunden teilt.

 

Da steigt der Morgenstern empor  

und löst den Pol von Finsternis,  

da lässt das Heer der Täuschungen  

die Wege seiner bösen List.

 

Da fühlt der Schiffer neue Kraft,  

des Meeres Brandung sänftigt sich,  

und er, der Fels der Kirche, scheucht  

bei diesem Morgensang die Schuld.

 

Drum lasst uns schnell das Lager fliehn:  

Der Hahn ruft alle Schläfer auf,  

er schillt die Sucht der Schläfrigen,  

der Hahn klagt die Verleugner an.

 

Die Hoffnung kehrt beim Hahnenruf  

und Heilung strömt dem Kranken zu,  

der Dolde des Räubers birgt sich scheu,  

Gefallnen kehrt der Glauben neu.

 

Jesus, blick an die Fallenden  

und bessre uns durch deinen Blick,  

vor deinem Blicke sinkt der Fehl,  

in Tränen wird die Schuld gesühnt.

 

Du Licht, durchstrahle unser Herz,

von unsrer Seele scheuch den Schlaf,  

dich nenne unser erster Laut  

und unsre Münder schallen dir.

(Ambrosius)

 

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