Gebete in literarischer Sprache
Mit den Augen der Liebe Herr, Jesus Christus, im Schweigen dieses anbrechenden Morgens komme ich zu Dir und bitte Dich mit Demut und Vertrauen um Deinen Frieden, Deine Weisheit, Deine Kraft. Gib, dass ich heute die Welt betrachte mit Augen, die voller Liebe sind. Lass mich begreifen, dass alle Herrlichkeit der Kirche aus Deinem Kreuz als dessen Quelle entspringt. Lass mich meinen Nächsten als den Menschen empfangen, den Du durch mich lieben willst. Schenke mir die Bereitschaft, ihm mit Hingabe zu dienen und alles Gute, das Du in ihn hineingelegt hast, zu entfalten. Meine Worte sollen Sanftmut ausstrahlen und mein ganzes Verhalten soll Frieden stiften. Nur jene Gedanken, die Segen verbreiten, sollen in meinem Geiste haften bleiben. Verschließe meine Ohren vor jedem übelwollenden Wort und jeder böswilligen Kritik. Möge meine Zunge nur dazu dienen, das Gute hervorzuheben. Vor allem bewirke, o Herr, daß ich voller Frohmut und Wohlwollen bin, daß alle, die mir begegnen, sowohl Deine Gegenwart als auch Deine Liebe spüren. Bekleide mich mit dem Glanz Deiner Güte und Deiner Schönheit, damit ich Dich im Verlaufe dieses Tages offenbare. Amen. [Morgengebet der seligen Mirjam von Abellin] |
Freude über den himmlischen Vater am MorgenZu dir, o Gott, erwache ich in dieser Morgenstunde. Das
erste Wort, das meine Zunge ausspricht ist: Gott, mein Vater! Meine erste
Freude ist, dass du bist, und dass du mein Vater bist. Von dir ist alles
Gute, das ich bin und habe. Wem sollte ich gehören, wenn ich nicht dein wäre?
Alles ist dein Werk, darum sei alles zu deiner Verehrung geheiligt. Alles,
was ich bin und habe, sei nur dazu tätig, deinen Willen zu erfüllen.
Vater, dein bin ich heute und immer. Dein Wille geschehe an mir und an
allem, was mein ist. Vater, segne meinen Vorsatz, den ich jetzt in dieser
Morgenstunde vor deinem Angesicht gefasst, dass ich am Abend nichts zu
bereuen habe.
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Gebet um Erleuchtung am MorgenErleuchte mich, Herr, mein Licht. Ich bin mir selbst
verborgen und kenne mich noch nicht; darum erschüttere uns, dass wir
aufwachen und vom Tod aufstehen. Amen. (Friedrich Christoph Oetinger) |
Bitte eines Kranken am Morgen.Herr, unser Heiland, Jesu Christe! Gedenke deiner Barmherzigkeit und lass die Zeit bald kommen, die dein anmutiger Mund das Gnadenjahr des Herrn nennt. Ja, lass dieses Jahr bald kommen, du treuer Erbarmer! Erfülle die Bitten für die jetzt noch Leidenden, die mit Seufzen ihre Tage hinbringen müssen! Verstehe ihre Not! Lass deine Verheißung bald wahr werden, dass du endlich erlöst von aller Trübsal des Leibes und der Seele. Segne uns auch am heutigen Tag und lass deine Barmherzigkeit und Güte uns innewerden, auch deine Freundlichkeit, mit der du alles, auch Unebnes, eben machst, dass wir alle miteinander uns Deiner freuen dürfen als eines Heilandes, der errettet und endlich zum Leben führt. Ja, Herr, wir befehlen uns alle in deine Güte, Gnade und Treue. Amen. (Johann Christoph Blumhardt) |
Bitte am Morgen für Menschen in NotAch Herr, unser Erbarmer! Wir sehnen uns nach solcher
Gnadenzeit und bitten, lass doch das Seufzen deiner Kinder vor dich
kommen, dass du den Tag beschleunigst, an welchem das große Heil kommen
kann für alle Kreatur. Lass du uns aber treu sein und in das, worein du
uns gestellt hast, uns schicken und in Geduld und Glauben auch dazu
mitwirken, dass dein Tag bald kommen kann. Segne uns alle, Kleine und Große,
auch die in unsre Fürbitte Befohlenen. Herr, sei du mit allen, die mit
Kummer und Trübsal diesen Tag beginnen, und komme mit deinem tröstenden
Engel ihnen entgegen. O Herr, tue über unser Bitten und Verstehen nach
deiner Verheißung. |
Dank und Bitte am MorgenWir danken dir, Gott, unser himmlischer Vater, durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, dass du uns diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütet hast, und bitten dich, uns auch diesen Tag zu behüten vor Sünden und allem Übel, damit dir unser Tun und Leben gefällt; denn wir vertrauen unsern Leib und Seele und deinen Händen an. Dein heiliger Engel sei mit uns, dass der böse Feind keine Macht an uns finde. (Martin Luther) |
Bereite mich zum Dienst für DichO Herr, ich gebe mich dir, ich vertraue dir ganz. Du bist
weiser als ich, du liebst mich mehr als ich mich selbst. Wolle denn deinen
hohen Ratschluss in mir erfüllen, was immer er sei - wirke in mir und
durch mich. Ich bin geboren, dir zu dienen, dir zu gehören, dein Werkzeug
zu sein. Lass mich dein blindes Werkzeug sein! Ich will nicht sehen - ich
will nicht wissen. Ich verlange nichts, als dass du mich gebrauchst.
(John Henry Newman)
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Komm in meine SeeleEja du unergründliches Gut, das Himmel und Erde erfüllt:
neige dich heute gnädig zu mir und verschmähe nicht deine arme Kreatur! Herr, bin ich deiner nicht würdig, so bin ich doch deiner
bedürftig. Ach liebreicher Herr, bist du nicht der, der Himmel und Erde
mit einem Wort erschaffen hat? Herr, mit einem einzigen Wort kannst du
meine Seele gesund machen. Liebreicher Herr, tue mit mir nach deiner Gnade
und nach deiner unergründlichen Erbarmung, nicht nach meinem Verdienen!
Bist du doch das schuldlose Lamm, das da für aller Menschen Sünden
geopfert wird. O ewige Weisheit, komm heute mit solcher Macht in meine
Seele, dass du alle meine Feinde vertreibest, alle meine Gebrechen
linderst und alle meine Sünden vergebest. Erleuchte mein Verständnis mit
dem Lichte des wahren Glaubens, entzünde meinen Willen mit deiner innigen
Liebe, verkläre meinen Geist mit deiner fröhlichen Gegenwart, gib allen
meinen Kräften Frische und Vollkommenheit und bewahre mich endlich bei
meinem Tode, dass ich dich unverhüllt schauen und genießen dürfe in
seliger Ewigkeit. (Heinrich
Seuse) |
Ein Gruß an GottDu allerhöchstes ewiges Licht, meine Seele hat nach dir verlangt in dieser Nacht, und nun in der Morgenfrühe bin ich mit ganzer Innigkeit meines Geistes zu dir, lieber Gott, erwacht und bitte dich innig, dass deine ersehnte Gegenwart von mir alles Böse an Leib und Seele vertreibe und das Innerste meines Herzens mit deiner reichen Gnade erfülle und mich entzünde im Feuer deiner göttlichen Liebe. Eja, liebster Herr Jesu Christe, kehre dein freundliches
Antlitz zu mir! Denn an diesem Morgen, da kehrt sich meine Seele mit allen
Kräften zu dir und grüßt dich innig, und auch die Scharen der Engel,
die dir dienen, mögen heute dich von mir grüßen, die unzählbaren
himmlischen Geister, die bei dir wohnen, dich würdig preisen, und alle
Schönheit der Kreatur dich von mir loben und deinen ruhmwürdigen Namen,
der unser tröstlicher Schirm und Schutz ist, dankbar verherrlichen, jetzt
und in Ewigkeit. (Heinrich Seuse)
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Durst nach Gott am MorgenGott, mein Gott, zu dir erwach' ich mit dem Morgenlicht.
Meine Seele dürstet nach dir, und es schmachtet nach dir mein Fleisch im
wüsten, weglosen Land. Ich erscheine vor dir, um deine Kraft und deine
Herrlichkeit zu schauen. Mein Gott, dich habe ich lieb von ganzem Herzen. Du bist
meine Seligkeit, meine Hoffnung und Freude, mein höchstes, köstliches
Gut. In Demut meines Herzens danke ich dir für alle deine
Wohltaten: für die Liebe, mit der deine unverdiente Erbarmung mich von
Ewigkeit auserwählt und zu meinem ewigen Heil an dich gezogen hat, auch
dass du so innig mich dir vereinigt und mich würdig gemacht hast,
Gegenstand deines Wohlgefallens zu sein, und dass du mich schließlich
hinführen willst zur Vollendung der Seligen. Einzig deiner Güte verdanke
ich alles ohne jedes Verdienst von meiner Seite, mein höchstes, ganzes,
wahrhaftes, ewiges Gut! Dich preist meine Seele, Herr Gott, mein Schöpfer, und
aus dem Innersten meines Wesens sollen dich preisen deine Erbarmungen, mit
denen du mich umgeben hast aus überströmender Liebe und ich verdiene es
nicht. (Gertrud die Große) |
Ein Lob auf den SchöpferO Gott, du überglänzendes, ewigscheinendes Licht, du hast der äußern Welt das Licht von dem Hauch deiner Macht durch die Strahlen deines Lichtes gegeben, und herrschest mit Sonne und Monde in allen deinen Werken in dieser Welt Wesen; du gebärest alles zeitliche Leben durch diese Lichter. Alles, was Atem hat, wirket und lebet in diesen Lichtern, und lobet dich in deiner Kraft; alle Sterne nehmen Licht und Schein von deinem ausgegossenen Glanze. Du zierest die Erde mit schönen Kräutern und Blumen durch dieses Licht, und erfreust darinnen alles, was lebet und wächset, und zeigest uns Menschen darinnen deine Herrlichkeit, dass wir erkennen deine Kraft, die inwendig verborgen ist, und daran sehen, wie du dein ewiges Wort und Wirkung sichtbar gemacht hast; auf dass wir dadurch sollen betrachten dein inwendiges, geistliches Reich, da du im Verborgenen wohnest und alle deine Geschöpfe erfüllest, und alles in allem selber wirkest und tust. (Jakob Böhme) |
Bitte um ReueÖffne mir der Reue Pforten, du Spender des Lebens, denn früh am Morgen erhebt sich mein Geist zu deinem heiligen Tempel. Ganz trage ich beschmutzt den Tempel des Leibes. Wohlan, du Mitleidvoller, mach ihn rein in deiner erbarmenden Güte. Meiner schlimmen Taten Menge bedenkend, erzittre ich vor dem furchtbaren Tag des Gerichts. Doch bauend auf das Mitleid deiner Erbarmung ruf ich wie David zu dir: Erbarm dich meiner, o Gott, nach deinem großen Erbarmen. (Unbekannter Verfasser der Ostkirche) |
Freude über den Schöpfer und Bitte an ihnDer
Morgenstrahl steht auf dem Tal, die
Nebel ziehen drunter her, und
auf der Au liegt still der Tau wie
Perlen in dem weißen Meer. Wie
ich nun alles recht beschaut, da
wirds mir rege im Gemüte, dass
alles nur ein Wort, ein Laut, o
Gott, von deiner Lieb und Güte! Die
Erd in Pracht hast du gemacht für
mich, dein ungetreues Kind, und
den Azur der Wolkenflur, für
mich den frischen Morgenwind. Ach,
alle Worte sind zu schwach, um
deine Liebe zu verkünden, und
dennoch lässt mein Streben nach, und
jeder Tag sieht mich in Sünden. Herr,
steh mir bei, da du aufs neu mir
einen jungen Tag verliehn; Der Geist ist wach, das Fleisch ist schwach, und
ohne Frucht ist mein Bemühn. Doch
deine Hand ist stark und fest, will
ich nur willig sie umfassen; Ach,
wer nicht selber dich verlässt, den
hast du nimmermehr verlassen. O
Herr, wenn oft und unverhofft mich
kleine Kränkungen bedrohn, sei
mein Gesicht zu dir gericht', und
mein Gedanke sei: dein Lohn! Ach,
manches Leiden groß und schwer gabst
du mir Gnade zu besiegen; und
vor der kleinen Sorgen Heer Sollt
meine Stärke unterliegen? Herr,
mich befrei von falscher Scheu, von
Hoffart und von Ungeduld, und
all mein Sinn sich wende hin zu
deinem Kreuz und meiner Schuld. Wer
diesen Tag mich schmäht und kränkt, dem
lass mich gern und treu verzeihen, und
ihn lass, eh die Nacht sich senkt, vor
dir sein Unrecht still bereuen. Zu
deinem Preis, auf dein Geheiß will
ich an meine Pflichten gehn; wie
auch die Welt sich rings umstellt, ich
will nur deinen Willen sehn. Mein
Wirken über Haus und Kind, das
ruht in deinen weisen Händen, was
sich mit deinem Preis beginnt, das
muss zu deinem Ruhme enden. (Annette
von Droste
Hülshoff)
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Begegnung mit dem HerrnDer Morgentau will steigen! Sind denn die Palmen grün? Auf, lass mit hellen Zweigen uns ihm entgegenziehn! Er will in unser Haus, in unsre Kammer kommen; schon ziehen rings die Frommen mit Lobgesang heraus. Ich kann nicht mit euch gehen, mir ist der Odem schwer; die Kreuzesfahnen wehen, ich folge nimmermehr. Wie wird so klar die Luft! O Jesu, süße Helle, du kömmst in meine Zelle, in meine Modergruft. Was soll ich dir bereiten, du wunderlieber Gast? Ich möchte dich verleiten zu
langer Liebesrast. Wohlan, ich schmücke dich, will dich mit Blumen binden; du sollst dich nicht entwinden, das weiß ich sicherlich. Aus deiner Mutter Rechten will ich um deinen Fuß die reine Lilie flechten mit demutsvollem Gruß. Dass ich dich fessle ganz mit Liebesblumenringen, will um dein Haupt ich schlingen den heilgen Rosenkranz. Den Boden will ich streuen mit Palmen ganz und gar, mein Leiden dir zu weihen, was ich in diesem Jahr oft still, oft schwer ertrug: Es liegt zu deinen Füßen, es soll mich nicht verdrießen, dein Will ist mir genug! Wie soll ich mich doch finden in deine Liebesmacht, dass du an meine Sünden so gar nicht hast gedacht! Ich lasse nicht von dir, musst du gleich wieder scheiden: Ich fühl es wohl in Freuden, du kömmst noch oft zu mir. (Annette von Droste Hülshoff) |
Gib Leben und LiebeMorgenglanz der Ewigkeit, Licht vom unerschaffnem Licht, schick uns diese Morgenzeit deine Strahlen zu Gesichte, und vertreib durch deine Macht unsre Nacht. Deiner Güte Morgentau fall auf unser matt Gewissen; lass die dürre Lebensau lauter süßen Trost genießen und erquick uns, deine Schar, immerdar. Gib, dass deiner Liebe Glut unsre kalten Werke töte, und erweck uns Herz und Mut, bei erstandner Morgenröte, dass wir, eh wir gar vergehn, recht aufstehn. Ach, du Aufgang aus der Höh, gib, dass auch am jüngsten Tage unser Leib verklärt ersteh, und, entfernt von aller Plage, sich auf jener Freudenbahn freuen kann. (Knorr von Rosenroth) Lob Dank und BitteAus meines Herzens Grunde sag ich dir Lob und Dank in dieser Morgenstunde und all mein Leben lang; o Gott, in deinem Thron, dich will ich ewig ehren, lass mich dein Lob vermehren durch Christum deinen Sohne Dank dir, dass du aus Gnaden in der vergangenen Nacht mich vor Gefahr und Schaden behütet und bewacht. Demütig bitt ich dich, wollst mir mein Sünd vergeben, womit in diesem Leben ich hab' erzürnet dich! (Georg Niege) |
Du ewiger Schöpfer aller Welt durchstrahle unser HerzDu ewiger Schöpfer aller Welt, der
waltend Tag und Nacht regiert, dem
Zeitenrund die Zeiten gibt, zu
mildern ödes Einerlei. Schon
ruft des Tages Herold laut, der,
Wächter auch in tiefster Nacht, den
Wandernden ein mächtiges Licht, die
Nacht in nächtige Stunden teilt. Da
steigt der Morgenstern empor und
löst den Pol von Finsternis, da
lässt das Heer der Täuschungen die
Wege seiner bösen List. Da
fühlt der Schiffer neue Kraft, des
Meeres Brandung sänftigt sich, und
er, der Fels der Kirche, scheucht bei
diesem Morgensang die Schuld. Drum
lasst uns schnell das Lager fliehn: Der
Hahn ruft alle Schläfer auf, er
schillt die Sucht der Schläfrigen, der
Hahn klagt die Verleugner an. Die
Hoffnung kehrt beim Hahnenruf und
Heilung strömt dem Kranken zu, der
Dolde des Räubers birgt sich scheu, Gefallnen
kehrt der Glauben neu. Jesus,
blick an die Fallenden und
bessre uns durch deinen Blick, vor
deinem Blicke sinkt der Fehl, in
Tränen wird die Schuld gesühnt. Du
Licht, durchstrahle unser Herz, von
unsrer Seele scheuch den Schlaf, dich
nenne unser erster Laut und
unsre Münder schallen dir. (Ambrosius) |