[alle Predigten] [Hauptseite] von P. Oliver Heck SVD (zum 4. Adventssonntag)
Weihnachten Fest des FriedensWeihnachten wird auch besonders als Familienfest gefeiert. Oft verknüpft man damit hohe Erwartungen: „Wenigstens an Weihnachten muss man doch gut miteinander auskommen.“ Manchmal kommt es aber gerade an Weihnachten zu Konflikten in der Familie. Einmal, weil man sich selbst Druck macht und viel erwartet. Zum zweiten kommt hinzu, dass man es gar nicht mehr gewohnt ist, so viele Tage hintereinander zusammen zu sein.Schön ist es, wenn die Weihnachtstage nicht zum Zündstoff für Konflikte werden, sondern man sich auf ein Fest des Friedens vorbereitet. Dazu dient auch der Advent. Deshalb gäbe es keine schönere Bescherung für Weihnachten, wenn man vor dem Fest den einen oder anderen Konflikt aus dem Weg räumen könnte. |
1.) Was denkt der andere?Um Konflikte zu lösen, ist es notwendig, dass man sich in die Lage des anderen hinein versetzt: „Was denkt der andere? Wie sieht er die ganze Sache?“ - Oft tun wir das aber nicht. Wir machen uns gedanklich eine Liste, von den Dingen, die wir zu ertragen haben. Wir stellen wie ein Buchhalter unsere „Kosten“ auf. Und weil wir nur unsere „hohen“ Kosten sehen, verteidigen wir uns, meinen nur unser gutes „Recht“ durchzusetzen. Dabei konzentrieren wir uns auf uns und übersehen die „Kosten“ des anderen. Der Gegner tut natürlich dasselbe und so verschärft sich der Konflikt von Begegnung zu Begegnung und eine Lösung kommt nicht in Sicht. Wer glaubt man können den Konflikt nur damit lösen, dass man seine Position mit möglichst viel Kraftaufwand verteidigt, irrt sich. Im Gegenteil so verschärft sich der Konflikt.Um einen Konflikt zu lösen, muss ich notwendigerweise die Position des anderen verstehen lernen. Und wenn der andere mich nicht versteht, muss ich den ersten Schritt und mich fragen: „Was tut ihm weh? Warum sagt er so etwas?“ |
2.) Sich irren dürfenDann kommt der zweite Schritt. Es ist notwendig seine eigene Meinung in Zweifel zu ziehen. Wer sagt uns, dass wir immer 100% Recht haben müssen? Befreien wir uns von diesem Druck! Vielleicht haben wir nur zu 75%, 50% oder sogar nur zu 25% Recht. Da stürzt überhaupt nichts zusammen, wenn wir uns irren. Im Gegenteil mit einer solchen Haltung werden wir flexibler und anpassungsfähiger. Wir gewinnen an Glaubwürdigkeit. Unsere Persönlichkeit wird gestärkt, wenn wir auch einmal einen Irrtum zugeben können. Konrad Adenauer wurde einmal darauf angesprochen, warum er seine Meinung änderte. Daraufhin sagte er: „Man braucht nicht immer denselben Standpunkt zu vertreten, denn niemand kann einen daran hindern klüger zu werden.“ Ein anderes Mal sagte er:„Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern.“ Und schließlich: „Gelegentlich führt uns erst ein Fehler auf den richtigen Weg.“ Kluge Sätze eines Mannes, der es gewohnt war, täglich große Konflikte zu lösen. |
3.) AbgebenBei einem Konflikt streitet man sich um Grundstücke, Ehre, Anerkennung oder Zuwendung und vieles mehr. Beide Parteien beanspruchen einen großen Teil. Diese Güter aber sind begrenzt und so streitet man sich, weil man hofft mehr vom Kuchen ab zu bekommen. Das ist eine Täuschung! Wer sich mit anderen streitet, hat schon etwas verloren: nämlich den Frieden. Es kann deshalb nicht darum gehen wie jeder einzelne sein Maximum heraus schlägt. Mit einer solchen Haltung verlieren am Schluss beide sogar der vermeintliche Sieger. Wichtig ist die Frage wie man gemeinsam ein Ziel erreicht. Dazu muss mindestens einer bereit sein zu verzichten! Beim Verzichten hat man häufig nur das vor Augen, was man verliert, man denkt an seine Kosten, aber nicht daran, was man gemeinsam gewinnen kann. Besteht eine Chance Frieden zu erreichen, ist der Friede kostbarer als Geld, Grundstücke, Ehre … |
| Einfacher zu lösen sind Konflikte mit Menschen, denen man nicht so nahe steht und wo der „Streitwert“ nicht so hoch ist. Oft ist es auch schon gut, wenn man den ersten Schritt macht und mit dem anderen einfach nur einmal redet. Es lassen sich nicht alle Konflikte lösen. Schwieriger werden Konflikte bei Personen, die uns sehr nahe stehen und wo der Streitwert sehr hoch ist oder es sogar um das Existenzrecht oder die Gesundheit einer Person geht. | Es lohnt sich aber auf den Weg nach Bethlehem zu machen, zum Weihnachtsfest, zum Fest des Friedens und Konflikte, wenn möglich, zu lösen oder zumindest zu entschärfen. Der Frieden im eigenen Herzen und im Herzen des anderen schenkt Freiheit, Zufriedenheit und Gesundheit und ist kostbarer als alles in der Welt. - Eines der schönsten Weihnachtsgeschenke. |