Was war am Anfang von allem?

[alle Predigten]  [Hauptseite] von P. Oliver Heck SVD (4.1.2009 2. Sonntag der Weihnachtszeit http://www.glaubenheute.de)


Am ersten Sonntag des neuen Jahres hören wir den Begin der Frohen Botschaft nach Johannes. Er schreibt uns etwas über den Ursprung der Schöpfung. Wir sind es gewohnt den Ursprung der Schöpfung im Urknall zu sehen. Überall wird uns gesagt wie das Weltall entstanden sei. Ein großer Knall und Zeit und Raum entstanden. Alles flog auseinander und irgendwann entstanden Sonne und Erde. Oft wird diese Sicht in Widerspruch gesetzt zur Bibel mit ihren Schöpfungserzählungen. In der Bibel wird Gott als Schöpfer dargestellt. Er erschafft zuerst das Licht. In sieben Tagen ruft er alles ins Dasein: Himmel und Erde, Wasser und Land, die Pflanzen, die Fische, Vögel, Landtiere ... und schließlich den Menschen. Liest man die Bibel genauer, spricht sie von zwei Schöpfungsgeschichten (Gen 2,4a). Auf die Geschichte mit den sieben Tagen, folgt die Schilderung vom Paradies und Adam und Eva. (Gen 2,4b-25) Die Sieben-Tage-Erzählung und die Adam-Eva-Erzählung sind zwei verschiedene Erzählungen mit zwei verschiedenen Sichtweisen. Die Schöpfung ist viel zu komplex, als dass man sie mit nur einer Sichtweise beschreiben könnte. Die Autoren der Bibel waren sich dessen bewusst und deshalb gibt es in der Bibel selbst schon zwei verschiedene Deutungen des Anfangs. Beide haben eines gemeinsam: Gott der Schöpfer ist der Urheber der ganzen Welt. Wie die Entstehung der Welt auch dargestellt wird für die Bibel bleibt Gott immer der Urheber von allem, was ist. Wir haben heute die oben erwähnte Sicht der Naturwissenschaft und sehen sie unabhängig von den beiden Schöpfungserzählungen der Bibel. Das ist ein großer Irrtum. Man müsste die wissenschaftliche Sicht in Zusammenhang mit der Bibel sehen. Eben als dritte Darstellung der Schöpfung. Die moderne Sicht lässt sich gut in Einklang bringen mit der religiösen Sicht und auch mit der Sicht der Bibel. Leider sieht man immer wieder ein Gegensatz, denn der modernen Sicht fehlt ein wesentlicher Teil. Sie schaut zwar darauf wie alles entstanden ist, fragt aber nicht nach dem woher, nach dem Urheber der Schöpfung. Für die Naturwissenschaft ist da nur ein großes Fragezeichen, das man meistens achselzuckend mit Zufall gleichsetzt. Für die Bibel ist Gott der Dreh- und Angelpunkt des ganzen Universums. Sie legt keinen Wert darauf genau zu schildern wie alles abgelaufen ist. In dieser Hinsicht ist die Bibel ungenau. Sie legt Wert auf das, was hinter allem steckt, auf die eigentlichen Ursprung der Schöpfung. Über diesen Punkt wiederum schweigt die Naturwissenschaft. Für einen Christen gibt es kein Ding außerhalb von Gott. Es gibt keinen Zufall und auch wenn das Universum wirklich mit einem großen Knall begonnen haben sollte, dann geschah dies auch nicht durch Zufall und nicht ohne Gott. Für Christen ist und bleibt Gott der Dreh- und Angelpunkt der Welt. Ob die Welt nun mit einem großen Knall ("Big Bang") entstand oder nicht: Gott bleibt der Ursprung der Welt. Wer hat den Urknall hervorgerufen? Wer hat alles so geordnet, dass nicht wieder alles zusammenfällt, sondern sich alles ungeheuer gewaltig entwickelt? Wer hat die Naturgesetze festgelegt? Für uns ist es unser Schöpfer.

So ist es auch mit uns selbst. Es war immer selbstverständlich, dass wir Menschen uns als Gottes Kinder begriffen haben. Erst nachdem man genauer weiß wie ein Mensch entsteht, vergisst man den eigentlichen Ursprung des Menschen. Mir ist vollkommen klar, dass mein Vater mich zeugte und meine Mutter mich empfing. Zuerst war ich ein Embryo wenige Millimeter groß. Ich wuchs heran und wurde zu einem Baby. Dann zu einem Kind, einem Jugendlichen und einem Mann. Wenn ich nun aber mehr darüber weiß wie ich entstand, was hat das dann damit zu tun, wo ich eigentlich herkomme? Gott wollte mich, deshalb hat sich damals eine befruchtete Eizelle in der Gebärmutter meiner Mutter eingenistet. Das war ich damals, weil Gott es so wollte. Ich wusste noch nichts von mir. Meine Eltern wussten noch nichts von mir. Gott aber wusste schon alles von mir. Schon zu diesem Zeitpunkt kannte er mein gesamtes zukünftiges Leben. Hätte er mich nicht gewollt, dann hätten meine Eltern nie etwas von mir erfahren und ich könnte nicht "ich" sagen. Gott wollte von seiner Güte austeilen und so entstand ich. Dass Gott sich mitteilen will, das ist der Ursprung jeden Menschens. Jeder Mensch lebt, weil Gott von seiner Güte verschenkt und sich so durch diese Menschen mitteilt. Johannes bekennt: Am Anfang von allem steht Gott und spricht: Ich will und es geschieht. Letztlich ist dies genau das, was auf den ersten Seiten der Bibel steht: Gott sprach es werde Licht und es wurde Licht. Gott sprach: "Lasst uns Menschen machen als unser Abbild, uns ähnlich ... und als Abbild Gottes erschuf er ihn." (Gen 1,26f) Und es ist dasselbe was mit dem gesamten Universum geschah: Gott wollte seine Liebe, Kraft und Herrlichkeit mitteilen und das Weltall entstand. Und er will sich immer noch mitteilen und so entwickelt sich ständig irgendetwas. Gott will es so und so entstehen neue Sonnen und Planeten. Er will es so und es entstehen neue Pflanzen und Tiere. Er teilt sich mit und es entstehen Menschen. Gott wollte es so und ich entstand aus einer befruchteten Eizelle. Am Urbeginn von allem steht Gott, der sich mitteilen will. So wie die Sonne unaufhörlich Wärme und Licht ausstrahlt, so strahlt Gott unaufhörlich seine Liebe und seine Gaben aus und alles entsteht, blüht und wächst. Wir stehen am Beginn eines neuen Jahres. Und auch dieses Jahr wird nicht durch blinden Zufall entstehen, sondern es wird ein Jahr sein in dem sich uns Gott schenkt. Er will es so und so geschieht es.

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