Gott teilt sich in Jesus Christus mit

[alle Predigten]  [Hauptseite] von P. Oliver Heck SVD (zum 2. Sonntag nach Weihnachten)


Gott teilt sich mit.

Das Weihnachtsfest liegt jetzt schon ein paar Tage zurück und das neue Jahr hat begonnen. Das ist eine gute Gelegenheit über die Bedeutung der Menschwerdung Jesu für die Welt nachzudenken und dazu regt uns das Johannesevangelium an. Es beginnt mit einer fast philosophische Betrachtung. Wörtlich heißt es: „Das Wort ist Fleisch geworden.“ (Joh 1,14) Der Originaltext ist in alt-griechisch verfasst. Und Johannes verwendet den Begriff „logos“ für „Wort“. Im Deutschen finden wir viele Begriffe, die sich von „logos“ ableiten: z.B: das Logo, die Logopädie, Biologie … „Logos“ bedeutet viel mehr als nur der Begriff „Wort“ wiedergeben kann. Demnach genügt es nicht im Deutschen zu sagen: „Das Wort ist Fleisch geworden“ (Joh 1,14), sonst verliert man einen Teil von dem, was Johannes ausdrückte. Mit dem Begriff „logos“ wollte er sagen, dass Gott sich den Menschen selbst mitteilen will.

Gott verkörpert sich in Jesus.

Er vermittelte ihnen seine Lehre, erzählte von sich selbst, seinen Gedanken und Ideen, von dem, was ihn bewegte, was ihm wichtig war und welches Lebensideal er für die Menschen vorsah. Noch umfassender: Gott vermittelte den Menschen sein eigenes Leben.
Immer wieder versuchte er dies den Menschen mitzuteilen, aber die Botschaft kam nicht an.
So blieb nur eine einzige Möglichkeit übrig: Er selbst musste Mensch werden und als Mensch leben in allem den Menschen gleich, außer in ihren Fehlern. Somit gab er den Menschen nicht nur seine Worte bekannt, sondern teilte sich selbst mit. Deshalb wurde Gott in Jesus Christus Mensch. In seiner Person verkörperte er das Wesen, die Ideen, die Gedanken und Worte Gottes. Das war der perfekte Weg sich den Menschen mitzuteilen. Zusammenfassend kann man statt „Das Wort ist Fleisch geworden“ auch übersetzen: „Gott verkörperte sich in Jesus Christus“ oder „Gott teilte sich in Jesus Christus selbst mit.“

Wahrheit leuchtet auf

Johannes betrachtet den Vorgang noch von einer anderen Seite. Er schreibt: „Das Licht kam in die Welt.“ (Joh 1,9) Für ihn war die Welt in Finsternis eingetaucht. Die Menschen wehrten sich gegen Botschaft Christi. Johannes lebte in einer Zeit, in der die Kirche verfolgt wurde. Alle Apostel, also seine Weggefährten, kamen in der Verfolgung um. Nach der Überlieferung musste er deshalb fliehen und lies sich auf einer winzigen Insel in der Ägäis nieder. Er hatte miterlebt wie Jesus Christus von weltlichen Mächten am Kreuz ermordet wurde und wie ihm viele seinen Tod wünschten. Für Johannes ist deshalb die Welt mit Finsternis bedeckt und in diese Finsternis kam Jesus Christus als Licht der Welt.
In der Antike gab es außer Öllampen, Fackeln und Feuer kein künstliches Licht. War die Sonne untergegangen, wurden die Wege nur vom Mond und den Sternen beleuchtet. Ein Licht in der Finsternis war in dieser Zeit etwas kostbares. Ein Licht in dieser Finsternis bedeutete Leben. Es bedeutete, dass man den Weg nach Hause findet, wo man sicher vor Überfällen war. Wenn er schreibt, „das Licht kam in die Welt“, dann meint er damit, dass in der dichten Verwirrung von Weltanschauungen, Ideen und Religionen, mit Jesus Christus die Wahrheit aufleuchtete. Denn er verkörpert bis heute die Wahrheit und erleuchtet die Menschen.




Diese beiden Momente, die Johannes beschreibt,
bedeuten auch für uns viel:

Gott verkörperte sich in Jesus Christus und
teilte sich selbst durch ihn den Menschen mit.
Das Licht der Wahrheit leuchtet in Christus auf und
zeigt den Menschen den Weg
durch die Verwirrung und Finsternis der Welt hindurch
zum wahren Licht.

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