[alle Predigten] [Hauptseite] von P. Oliver Heck SVD (zum Fest Erscheinung des Herrn)
Ausländer waren die ErstenAm 6. Januar (oder am Sonntag danach) erinnern wir uns daran, dass der Herr das erste Mal ins Bewusstsein der Öffentlichkeit trat. Das Evangelium spricht davon, dass drei Weise den neugeborenen Jesus verehrten. Sie kamen aus dem Osten. Vielleicht waren sie Sterndeuter. Die Überlieferung beschreibt sie als drei Könige und man gab ihnen ab dem 6. Jh. Namen: Kasper, Melchior und Balthasar. Es ist überflüssig zu spekulieren wer die drei Weisen waren. Dem Evangelium geht es hier um mehr als nur geschichtliche Fakten. Es transportiert eine spirituelle Botschaft und darum geht es mir hier.Wenn diese Weisen aus dem Osten kamen, hatten sie eine lange, beschwerliche und gefährliche Reise hinter sich. Auf eine solche Reise mussten sie sich vorbereiten. Sie benötigten Begleiter und vielleicht sogar Empfehlungsschreiben. An den Wegen lagerten Räuber. Alles in allem nahmen diese Leute aus dem Osten sehr viel Mühe auf sich, um Jesus zu verehren. Wahrscheinlich glaubten sie nicht an Jahwe, den Gott der Juden und waren Ausländer. |
Die Letzten als erste.Hier taucht das ständig wiederkehrende Motiv auf, wie es Gott mit den Menschen geht. Menschen, die weit abstehen und nicht der „richtigen“ Religion angehören, verehren ihn. In diesem Zusammenhang müssen auch die Hirten auf dem Feld genannt werden. Auch sie waren Menschen, die auf der sozialen Leiter ziemlich weit unten standen. Sie zählten nicht zu den Führern der Religion oder der weltlichen Macht. Jesus kündigt uns an, dass es im Reich Gottes genauso sein wird: „Die Ersten werden die Letzten sein und die Letzten die Ersten.“ (vgl. Mt 19,30) Im ganzen Leben Jesu setzt sich dieses Muster kontinuierlich fort. Er selbst kommt aus dem nicht besonders gut angesehenen Galiläa, nicht aus dem jüdischen Kernland. Seine Anhänger sind einfache Leute, nicht die Schriftgelehrten oder Religionsführer. Einer seiner Anhänger, Matthäus, war sogar ein Kollaborateur der Römer und ein öffentlich bekannter Betrüger. Eine andere Anhängerin war eine allseits bekannte Prostituierte: Maria Magdalena. Sucht man im alten Testament ergibt sich dasselbe Muster. Menschen, die in den Augen anderer wenige Chancen haben, Gott kennen zu lernen, können es bei Gott bis „ganz nach oben schaffen“. |
Kirche der Letzten.Die Kirche ist in den vergangenen Jahren wesentlich offener und toleranter geworden. Es gibt aber immer noch genügend Hürden für Außenseiter und Menschen deren Leben nicht dem „Normalen“ entspricht. Man könnte die Geschichte von den drei Weisen phantasievoll ausgestalten und sich fragen: Was würde geschehen, wenn aus dem Osten drei Persönlichkeiten mit arabischem Aussehen und Gefolge sich für eine Zeit in unserer Gemeinde niederlassen würden, um das christliche Leben kennen zu lernen? Wie würde unsere Gemeinde darauf reagieren?Mit Angst: „Die sind Araber, die könnten Anschläge planen.“ Mit Skepsis und Misstrauen: „Was wollen die denn hier?“ Mit Ablehnung: „Die sollen daheim bleiben?“ Mit Neugier: „Was machen die hier? Wo kommen die her? Was haben sie vor?“ Mit einem Schutzmechanismus: „Da muss man vorsichtig sein. Man weiß nie was die eigentlich wollen.“ Mit Unverständnis: „Wie können die nur hierher kommen?“ Viele Varianten sind denkbar. |
Mit Hoffnung in die ZukunftKönnte man sich auch eine Gemeinde vorstellen, die sich freut über das Interesse?: „Schaut mal, die interessieren sich für das Christentum. Zeigen wir ihnen unseren Glauben und schauen, dass auch für sie Jesus attraktiv wird.“ Die drei Weisen aus dem Osten weisen uns darauf hin, dass unsere Kirche und unsere Gemeinde für das Neue, das Fremde und für die Zukunft noch offener werden müssen. In vielen Dingen, die uns die Zukunft bringen wird, liegen Chancen. Wir schauen immer wieder auf unsere Probleme und Schwierigkeiten wie Kirchenaustritte, mangelndes Interesse, rückläufige Kirchenbesucherzahlen. All das hat uns etwas zu sagen: Gott möchte unsere kirchliche Gemeinschaft erneuern. Der heilige Chinamissionar Freinademetz sagte: „Die Sprache der Liebe ist die einzige Sprache, die alle Menschen verstehen.“Dieser Heilige zeigt uns in welche Richtung die Kirche sich zu bewegen hat. Weg von ängstlichen Strukturen hinzu lebendigem Glauben. |
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Unsere Kirche hat eine lange, beschwerliche und gefährliche Reise vor sich. Sie geht nach Bethlehem wird zu einer kleinen und armen Kirche, in der das Kind von Bethlehem in ihrer Mitte gegenwärtig ist. |