Auferstehung oder nicht?

[alle Predigten]  [Hauptseite] von P. Oliver Heck SVD (zum Osterfest)


Das Großartigste unsers Lebens

Das Großartigste, das uns im Leben erwartet, ist unsere Auferstehung. Seit unserer Geburt gab und wird es kein größeres Ereignis in unserem Leben geben als die Überwindung der letzten Grenze. Der Tod wird nicht über uns siegen, wir werden auferstehen. Es erwartet uns ein Leben, das alles, was wir kennen in den Schatten stellt. Wenn ein Auferstandener zurück käme und davon erzählen könnte, würden wir nichts verstehen, denn dieses Leben ist so völlig anders, dass niemand es in Worte fassen kann, nicht einmal Gott selbst könnte es uns erklären.

Grund zur Hoffnung

Unser Hoffen auf die Auferstehung stützt sich auf die Verheißung der Worte Jesu. Er sprach häufig von unserem zukünftigen Leben in der Herrlichkeit. Aber nicht nur seine Worte schenken uns Hoffnung, sondern auch seine eigene Auferstehung. Wir sind davon überzeugt, dass Jesus selbst von den Toten auferstanden ist. In der Kirche singen wir: „Das Grab ist leer“ und „auferstanden ist der Herr“. Das war die Hoffnung aller Christen von den ersten Zeugen durch die Jahrhunderte hindurch bis zu uns. Die Erzählungen von der Auferstehung klingen nicht wie Legenden mit fantastischen Ausschmückungen und Übertreibungen.
Die Evangelisten schildern uns subjektiv gefärbte Berichte vom leeren Grab und von Begegnungen mit dem Auferstandenen. Dabei werden in nüchterner Weise auch viele Zeugen angeführt. Der eigentliche Vorgang der Auferstehung Jesu wird nicht geschildert. Für mich ist das ein Zeichen der Echtheit. Die Jünger werden mit ihren Zweifeln und ihrem verzagten und ängstlichen Glauben dargestellt. Keiner der Jünger glaubte so richtig an die Auferstehung. Selbst als der Auferstandene ihnen begegnete, waren sie noch zögerlich. Frauen waren die ersten, die glaubten. Dass Frauen die ersten waren, war für die damaligen Männer und Schreiber der Evangelien demütigend. All das weist darauf hin, dass es sich um aufrichtige und ehrliche Berichte handelt.

Glaube bleibt Gabe

Ob jemand daran glaubt oder nicht bleibt immer eine persönliche Sache. Niemand wird auch je beweisen können, dass es eine Auferstehung gibt, weil die Gesetze unserer Welt ganz andere sind. Mit unseren Messgeräten können wir nur einen kleinen Ausschnitt unserer eigenen, kleinen Welt erschöpfend erfassen. Wie wollen wir dann damit das Jenseits „dingfest“ machen? Alles, was geistig ist, lässt sich nicht messen oder fotografieren.

Das Wunder Ei

Es gibt aber Beispiele, mit denen man auf die Auferstehung hinweisen kann. Sogar im alltäglichen Leben begegnen uns Dinge, die ganz außergewöhnlich und bis heute im Detail nicht geklärt sind. Ich nehme hier das Beispiel eines Hühnereis. Zur Herstellung eines Eis braucht eine Henne gerade einmal 24 Stunden. Wurde das Ei befruchtet und wird es gebrütet, bildet sich schon gleich nach dem Legen ein Embryo. Bereits an dem Tag, an dem das Ei gelegt wurde, beginnt das Herz des Kückens zu schlagen. Und nach etwa drei Wochen schlüpft es. Würde man dieses Ei direkt nach dem Legen aus dem warmen Nest entnehmen und den Brutvorgang verhindern, dann entstünde kein Leben. D.h. aus einem Ei wird entweder ein Kücken oder eben nichts.
Wie aus Eigelb und Eiweiß letztlich ein lebendiges Wesen entsteht, bleibt trotz aller Forschung immer noch ein Rätsel. Wir wissen, dass die Gene eine Rolle spielen, aber damit kann man nicht alles erklären. Irgendwie verwandelt sich diese schleimige Masse in ein lebendiges Wesen. Dabei entsteht also etwas, was so im Ei vorher nicht enthalten war. Was das Ei vorher war und was daraus wird ist völlig verschieden! Zuerst war es leblos und dann entsteht Leben daraus. Das übertrage ich nun auf unser Leben. Wenn schon aus einem leblosen Ei ein lebendiges Wesen entstehen kann, wie sollte da nicht auch aus einem Toten Menschen das seelische Leben erhalten bleiben? Es gibt so viele Wunder aus der lebendigen Natur, die uns daran erinnern, dass das Leben an sich ein großes Wunder ist und dass jeder Mensch ein so wunderbares Wesen ist, dass es nicht nach 70, 80 oder 100 Jahren einfach zu Ende sein kann. Weil uns Jesus die Auferstehung verheißen hat und weil er selbst auferstanden ist, glaube ich, dass die Toten leben. Sie sind nicht tot. Sie sind auferstanden.


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