[alle Predigten] [Hauptseite] von P. Oliver Heck SVD (zum 6. Oster-Sonntag)
Bausteine einer ReligionZunächst einmal gehört zu einer Religion eine Lehre. Sie wird in einem Glaubensbekenntnis zusammengefasst. Darauf berufen sich die Mitglieder. Weiterhin gehören dazu gewisse „Spielregeln“, nach denen sich die Mitglieder verhalten. (Moral) Schließlich benötigt man einen gemeinsamen Kult, d.h. religiöse Feiern, die die Gemeinschaft der Mitglieder stärkt und sie mit dem Gott verbindet, an den sie glaubt. Um das alles durchzuführen, benötigt man auch gemeinsame Orte, Gebäude, finanzielle Mittel und schließlich eine Institution mit ihren Vertretern. Das sind im wesentlichen die Bausteine, die man für eine Religion benötigt. |
Jesus gründete keine neue Religion!Betrachten wir die Botschaft Jesu, so finden wir, wie er viel von Gott redete, aber nur wenig bis gar nichts von neuen Bausteinen einer Religion. Erst Jahrhunderte später goss man seine Lehre in ein Glaubensbekenntnis. Jesus lehrte auch keine umfassende Moral. Er zeigte nur ganz allgemeine Richtlinien auf. So war ihm das Gebot der Liebe das Allerwichtigste. Er bestätigte zwar die zehn Gebote aber stellte auch heraus, dass sie nur ein Minimum sind. Er fasst seine Moral und alle Gebote zusammen in dem einen Auftrag: Die Menschen sollen sich selbst, ihren Nächten und Gott lieben. Jesus gründete auch keinen eigenen Kult. Er machte die bestehende jüdische Feiern mit. Nur das Paschafest erweiterte er mit dem letzten Abendmahl und ergänzte die Taufe. Jesus baute keine Kirche oder irgendeinen Versammlungsraum. Er erteilte seinen Jüngern Aufträge. So bestimmte er Petrus zum ersten der Apostel. Allen Jüngern trug er auf, die Frohe Botschaft zu verbreiten. Eine feste Organisation gründete er aber nicht. Die allerersten Christen waren Juden. Es ist anzunehmen, dass Jesus nicht die Absicht hatte, eine neue Religion zu gründen, sondern das Judentum zu reformieren und zu den eigentlichen Wurzeln zurück zu führen. Das Christentum als eigenständige Religion entwickelte sich mit den ersten Heiden, die zum Glauben kamen und der Verfolgung der jungen Gemeinde. |
Der Kern des ChristentumsBetrachten wir dies, so schält sich heraus, was der Kern des Christentums ist. Das, was Jesus am wichtigsten war, das verkündete er zuerst und am deutlichsten. Er gab den Menschen Hoffnung. Er stellte die Verbindung zwischen Menschen und Gott wieder her und zeigte ihnen wie sie ihren Teil dazu beitragen sollen, damit die Verbindung zu Gott nicht abbricht. Religion bedeutet für Jesus, dass die Menschen mit Gott und ihrem Nächsten verbunden sind. Alles andere kommt danach und muss diesem einen und wichtigsten Ziel dienen. Der Evangelist Johannes legt den Schwerpunkt seiner Verkündigung auf diese Bindung zwischen Gott und Mensch. Sein Evangelium lädt ein, diese Bindung zu Gott zu intensivieren. |
Gegenseitige BeziehungDazu dienen die folgenden Worte Jesu: „Ich bin in meinem Vater und ihr seid in mir, und ich bin in euch.“ (Joh 14,20) Solche Worte rauschen leicht an uns vorbei. Deshalb möchte ich sie mit anderen menschlichen Beziehungen vergleichen: Betrachten wir wie eine Frau und einen Mann, die zueinander finden. Ihre gemeinsame Beziehung ist für ihr Leben ganz wichtig. Sie tragen den anderen in ihrem Herzen. Sie denken an ihn und möchten ihm gefallen. Sie unterhalten sich mit ihm, tauschen sich Zärtlichkeiten aus und bringen sich für den anderen ein. Ihr Leben gewinnt durch den anderen an Schwung und sie finden ihre Erfüllung im anderen. Ohne den anderen käme ihnen das Leben sinnlos und leer vor.Ich vergleiche dies nun mit den Jüngern und Jesus. Wenn Jesus sagt: „Ihr seid in mir und ich bin in euch.“ hat das eine ungeheure Tiefe. Es bedeutet so viel wie: „Ich trage euch in meinem Herzen und ihr tragt mich in eurem Herzen. Ich tue alles für euch. Ich gehe sogar in den Tod für euch. Ich habe nur das Beste für euch im Sinn. Geht mit mir durchs Leben. Zeigt mir auch, dass ihr mich liebt. Ich werde euer Leben schon jetzt bereichern und euch ins volle Leben einführen. Ich begleite euch und möchte dass ihr nicht alleine geht. Ruft mich, sucht mich, haltet euch an mich! |