[alle Predigten] [Hauptseite] von P. Oliver Heck SVD (zum 7. Oster-Sonntag)
Schöne WohlstandsweltIn unserer Welt dominiert die Technik. Durch Forschung und Wissenschaft haben wir einen Wohlstandsniveau erreicht, auf dem in früheren Jahrhunderten nur Könige lebten. Wir haben uns unabhängiger gemacht von Naturgewalten und in unseren Breiten leiden die Menschen nicht mehr an Hunger. Viele Krankheiten wurden besiegt. Wir wohnen in den meisten Fällen angenehm und behaglich, beheizt und bequem. Unsere Nahrung besorgen wir uns sehr günstig und mit einer nie gekannten Auswahl. Wenn ein Mensch aus früheren Jahrhunderten oder ein Mensch aus einem armen Land zu uns käme, dann würde er denken, er wäre im Paradies gelandet. All das haben wir erreicht durch die gewaltige Macht unseres Verstandes. Mit der Kraft systematischen Denkens und Forschens bringen wir immer neue Techniken hervor und die Entwicklung schreitet immer weiter und rasanter voran. Wir profitieren alle von diesen Fortschritten und vom Segen der Wissenschaft und Technik. |
Kalte VernunftAuf der anderen Seite aber entleerte sich unsere Welt durch die starke Betonung auf die Kraft unseres Verstandes. Es wird immer kälter in unserer Gesellschaft. Ganz einfach deshalb, weil wir das wirklich wichtige im Leben nicht mit Technik, Verstand oder Wissenschaft finden. Viele Menschen suchen nach dem Zentrum ihres Lebens. Gehören nicht auch wir zu den Menschen, die nach Sinn und Erfüllung im Leben suchen? Sehnen wir uns nicht nach Frieden und Glück? Wir suchen nach Menschen, denen wir vertrauen können. Und schließlich schlummert seit Jahrtausenden eine Urkraft im Menschen, durch die er nach anderen Menschen sucht, die er liebt und die ihn lieben. Alle Menschen vor uns fragten schon nach der Wurzel unseres Lebens, nach unserem Ursprung und unserem eigentlichen Wesen. Und auch wir fragen nach dem Wohin unseres Lebens und möchten hoffen auf eine gute Zukunft. |
Nur mit dem HerzenBei all diesen Fragen hilft uns der Verstand nicht viel weiter. Der bekannter franz. Autor Antoine de Staint-Exupery drückte es so aus: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ Wir brauchen unseren Geist und unser Herz, um nach Gott zu suchen. Und auf diesem Weg finden wir in ihm die Antworten für unser Leben. Schon immer stellten sich Menschen diese Fragen. Und auch im Altertum hatte Augustinus ein ähnliches Problem. Er war weit weg von Gott und als er später zu ihm fand, blickte er auf seine leere Vergangenheit zurück. Er betete zu Gott mit den folgenden Worten:„Du aber warst noch innerer als mein Innerstes und höher als mein Höchstes“ so sehr, dass „du vor mir warst, ich aber hatte mich selbst verlassen und fand mich nicht, geschweige denn dich.“ (Confessiones III,6,11 und V, 2, 2). |
Wirkliches LebenWirkliche Weisheit finden wir nicht in der Wissenschaft und in der isolierten Denkkraft des Menschen. So wie wir die wirklich wichtigen Dinge unseres Lebens nicht gedanklich fassen können, so können wir auch Gott nicht fassen. Man kann ihn lieben, aber nicht verstehen. Wir begreifen ihn nicht, aber wir glauben an ihn.Beides gehört zum Menschen: Seine Denkkraft mit seinem Gehirn und seine unendlich tiefe Kraft der Liebe, die wir mit dem Herzen in Verbindung bringen. Die eigentliche Quelle des menschlichen Lebens finden wir nicht in den Errungenschaften unseres Denkens, der Technik und unseres Wohlstandes. Wir finden sie nur, wenn wir zu uns selbst kommen, dort im tiefsten Inneren unseres Selbst. Wenn alles andere schweigt und wir nur die Stimme unseres Herzens hören und wenn sich dann Frieden in uns ausbreitet, dann berühren wir den Kern unseres Lebens, dann begegnen wir dem Geist Gottes. Hier in unserem Innersten und bei Gott finden wir die Fülle des Lebens. Hier erfahren wir tiefes Glück und innere Freude und Frieden, der so stark ist, dass man ihn nicht vergleichen kann mit anderen Arten von Frieden. Und an diesem Punkt berührt der menschliche Geist den Geist Gottes, der alles begreifen übersteigt. |