[alle Predigten] [Hauptseite] von P. Oliver Heck SVD (zum Pfingstfest 2011)
So war das nicht gemeint.An Pfingsten feiern wir die Sendung des Geistes. Die Jünger Jesu empfingen den Heiligen Geist und sprachen voller Mut öffentlich von Jesus, obwohl es für sie lebensgefährlich war. Als Petrus einmal vor vielen Menschen verschiedener Volksgruppen predigte, verstanden ihn alle in ihrer Muttersprache. Uns fällt es oft schwer andere zu verstehen, auch wenn wir dieselbe Sprache sprechen. Was bedeutet eigentlich sich gut verstehen? Wenn zwei Menschen sich wirklich gut verstehen, akzeptieren sie sich gegenseitig und kommen gut miteinander aus. Das beginnt beim Reden miteinander: Wenn wir mit anderen reden, dann vermitteln wir den anderen nicht nur Worte; unser ganzer Körper spricht. Unser Gesicht drückt unsere Gefühle aus und auch die Körperhaltung trägt dazu bei. Ganz wichtig ist auch mit welchem Ton wir etwas sagen: gehetzt oder ärgerlich, ängstlich oder ruhig und vertrauensvoll. Der Hörer nimmt uns nicht nur mit den Ohren wahr, sondern auch mit den Augen. Was bei ihm ankommt, ist oft nicht deckungsgleich mit dem, was wir sagen möchten. Manchmal hört er sogar etwas ganz anderes heraus, was wir so überhaupt nicht meinten. |
Es ist keine Wurst mehr da.Nehmen wir ein ganz einfaches Beispiel. Ein Ehepaar ist zu Hause. Der Mann öffnet den Kühlschrank und sagt: „Es ist keine Wurst mehr da.“ Damit könnte er einfach nur darüber informieren, dass die Wurst zu Ende ist, ohne sich mehr dabei zu denken. Wahrscheinlicher ist aber, dass er mehr damit sagen möchte. Wie z.B.: „Ich habe Lust auf Wurst.“ Schließlich könnte er damit auch eine versteckte Aufforderung an seine Frau richten, Wurst zu kaufen, da sie diese Woche mit Einkaufen dran ist. Und schließlich kann er damit seiner Frau einen leichten Vorwurf machen, indem er eigentlich hinterfragt: „So sorgst du für uns?“Auch der Hörer hat sein Innenleben und nimmt das Gesagte vielleicht ganz anders auf als es gemeint war. Die Frau hört diesen einfachen Satz: „Es ist keine Wurst mehr da.“ Sie könnte ihn als reine Information verstehen, ähnlich wie „Es sind 25°C draußen.“ Sie könnte aber auch den Satz als Aufforderung verstehen: „Mein Mann isst gerne Wurst und will, dass ich morgen welche kaufen gehe, weil ich diese Woche mit dem Einkaufen dran bin.“ Schließlich könnte sie denken: „Mein Mann hält mich für nachlässig und macht mir Vorwürfe wegen einer dämlichen Wurst.“ Derselbe einfache Satz kann einmal belanglos sein und ein anderes Mal zum Streit führen. Besonders dann, wenn der Sprecher Vorwürfe darin versteckt, aber auch wenn der Hörer Vorwürfe heraushört, die gar nicht beabsichtigt waren. |
Es kommt auf die Beziehung an.Es kommt auf die Beziehung der beiden an. Verstehen sich die beiden gut, räumen sie Missverständnisse relativ leicht aus dem Weg. So denkt der Sprecher beim Reden mit und fragt sich wie das, was er sagt, aufgenommen wird. Im Beispiel könnte der Mann z.B. sagen: „Es ist keine Wurst mehr da. Ich hätte gerne ein Stück gegessen, aber das macht nichts. Gehst du morgen einkaufen?“. Auch auf der Hörerseite ist es oft erforderlich, dass wir fragen: „Was hat er jetzt gemeint?“ und dass wir auch den Sprecher um nähere Erklärung bitten: „Wie hast du das jetzt gemeint?“ Ohne, dass wir den Sprecher auf eine bestimmte Sache festlegen.Nehmen wir folgende Situation an: „Der Mann sagt: Es ist keine Wurst mehr da.“ Die Frau kommt gerade erst nach Hause und hat Ärger gehabt. Sie könnte sagen: „Du, ich bin jetzt ziemlich müde, hatte ziemlich viel Stress und muss ausspannen. Setzt es einfach auf die Liste, ich bin ja diese Woche dran mit einkaufen und gehe morgen sowieso kaufen.“ |
Der Geist der LiebeWenn sich die beiden verstehen, dann werden sie aufeinander eingehen. Sie werden den anderen nicht auf versteckte Weise versuchen zu etwas auf zu fordern. Und wenn jemand dem anderen etwas sagen möchte, wird er versuchen heraus zu finden wie es ankommt. Und auch der Angesprochene fragt: „Was war eigentlich gemeint? Höre ich da vielleicht etwas ganz anderes heraus?“ und bei Bedarf fragt er zurück: „Ich verstehe dich nicht ganz. Bitte erkläre es mir.“Auf diesem Weg bemühen wir uns um Verständigung. Diese Mühe ist letztlich ein Zeichen des Heiligen Geistes. Denn der Geist Gottes ist der Geist der Liebe. Es ist der Geist der Sanftmut und des Verständnisses. Ein Geist, durch den man mutig wird auch Schwächen und Fehler zu zugeben. Ein Geist, mit dem man sich in den anderen besser einfühlen kann. Ein Geist, durch den man sich selbst besser erkennt und annimmt. Durch den Mut, den uns der Geist Gottes gibt, sprechen wir freier miteinander. Auch wenn man dieselbe Sprache spricht, ist es nicht selbstverständlich, dass man sich versteht. Der Geist der Liebe hilft dabei sich zu verstehen. |