Gegenwart Jesu

[alle Predigten]  [Hauptseite] von P. Oliver Heck SVD (zum Fronleichnamsfest)


Ostern: der Ursprung

Ostern: der Ursprung Vor etwas mehr als acht Wochen feierten wir die Auferstehung Jesu. Das Osterfest beschreibt den Kern unseres Glaubens: Jesus opfert sich für die Menschen und steht von den Toten auf. In jeder Heiligen Messe wird das, was damals geschehen ist, gegenwärtig. Wir gedenken des Todes Jesu, danken für sein Opfer und freuen uns über seine Auferstehung von den Toten. Die katholische Kirche stellte dabei in der Vergangenheit das Kreuzesopfer Jesu in die Mitte, während die orthodoxe Kirche mehr den Aufer­stan­denen und glorreichen Jesus verehrte. Beide Elemente unseres Glaubens gehören zusammen. Wir feiern in jeder Heiligen Messe den Tod und die Auferstehung unseres Herrn.

Der Geist belebt

Nach der Auferstehung unseres Herrn sandte er gemeinsam mit dem Vater den Geist. Dies feierten wir vor kurzem an Pfingsten, 50 Tage nach Ostern. Der Heilige Geist belebt die Kirche. Er ist die Seele der Kirche. Ohne ihn würde die Kirche austrocknen und zu einem Verein verkommen, der nur den Interessen seiner Mitglieder dient. Immer wieder neu stärkt dieser Geist Gottes die Kirche. Er haucht ihr Leben ein und bewirkt, dass die Kirche in unserer Zeit weltweit und in fast allen Ländern verbreitet ist. Durch seine Kraft besteht die Kirche seit 2000 Jahren. Er erneuert sie immer wieder.
Es gab und gibt immer wieder schmerzliche Phasen in der Geschichte der Kirche. Sie wird von außen bedrängt. Christen werden in mehreren Ländern verfolgt und in ihrer Freiheit stark behindert. Dunkle Zeiten macht die Kirche aber auch durch, wenn sie von innen heraus geschwächt wird durch die Sünden ihrer Mitglieder. Dagegen setzt der Geist Gottes immer wieder einzelne Menschen, die er zur Heiligkeit ruft. Durch sie geht das Feuer des Geistes in der Kirche nie aus. Viele von ihnen haben in der Vergangen­heit ihr Leben gelassen und sich, ähnlich wie Christus, geopfert. In dunklen Zeiten kann die Flamme des Lebens in der Kirche sehr klein werden und fast nur noch glimmen, in anderen Zeiten aber wird der Geist das Feuer wieder neu anfachen.
Durch Kraft des Heiligen Geistes, der in der Kirche wirkt, wird sie nie untergehen. Trotz allen Widrigkeiten hat die Kirche bis heute überlebt. Für mich ist das ein Zeichen, dass der Heilige Geist in der Kirche wirkt. Ich kenne keine andere Organisation auf der Welt, die Ähnliches vorweist. Damit bezeugt die Kirche mit ihrer inneren Kraft, dass Jesus auch heute lebt und uns nahe ist.

Bei den Seinen

Die Kraft des Geistes stärkt die Christen mit jeder Eucharistiefeier. Damit meine ich eine innerliche Teilnahme am Leiden, Sterben und Auferstehen unseres Herrn. Und gerade das Feiern wir heute. Wir freuen uns daran, dass Gott in unserer Mitte ist, unter den Zeichen von Brot und Wein. Er ist wirklich hier gegenwärtig. So wie es Jesus beim letzten Abendmahl zusagte: „Seht dies ist mein Leib.“ Er möchte präsent sein. Er möchte unter uns gegen­wärtig sein unter der Gestalt des Brotes. Es ist seine Liebe zu seinen Freunden, die ihn dazu drängt bei ihnen zu sein. Und er möchte ihnen möglichst nahe sein, da er sie liebt, als wären sie seine eigenen Kinder. Nichts soll zwischen ihm und den Seinen stehen. Deshalb macht er sich klein und wehrlos und wird in einem Stück Brot gegenwärtig. Näher kann er nicht kommen! Und in der Heiligen Kommunion kehrt der ganze Jesus in unser Herz ein. Wo er ist und wirkt, wirkt auch der Heilige Geist. Damit wird den Christen mit der Heiligen Kommunion auch der Heilige Geist geschenkt.

Schmeckt die Würze des Geistes!

Als der auferstandene Jesus unter seinen Jüngern war, schenkte er ihnen die Kraft seines Geist. So schenkt er sie uns auch heute durch die Eucharistie. Ephraim der Syrer beschreibt dies in einem Lied:

»In deinem Brot verbirgt sich der Geist, der nicht gegessen werden kann;

in deinem Wein ist das Feuer, das man nicht trinken kann.

Der Geist in deinem Brot, das Feuer in deinem Wein:

Siehe, ein Wunder, das von unseren Lippen aufgenommen wird. ...

das Feuer der Gnade kommt auf das Brot herab und bleibt dort. ...

Wir haben das Feuer im Brot gegessen

und sind belebt worden« (Hymnus De Fide 10,8–10)


Und bei Isaak von Antiochien lesen wir:

»Kommt und trinkt; esst die Flamme,

die euch zu feurigen Engeln macht,

und schmeckt die Würze des Geistes«.



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