Nur 10% unserer Talente

[alle Predigten]  [Hauptseite] von P. Oliver Heck SVD (zum 33. Sonntag im Jahreskreis)


Sie nutzen nur 10% ihres Gehirns!

Mit solchen oder ähnlichen Werbesprüchen locken findige Autoren Leser für ihre Bücher. Der Spruch von den 10% schließt mit ein, dass 90% brach unseres Gehirns liegen. Mit gewissen Übungen und Techniken kann man die Leistung unseres Gehirn ein wenig steigern. Um Steigerung der Leistung geht es fast überall in unserer Gesellschaft. Sie konzentriert sich auf Denkfähigkeiten, Ausbildung und intellektuelle Leistung des Menschen. Wie gut jemand lernt, wie erfolgreich er seine Ausbildung abschließt und wie er seine geistigen Fähigkeiten einsetzt entscheidet unter anderem über seine Stellung in der Gesellschaft.

Gaben Gottes

Das erinnert an das Gleichnis vom heutigen Sonntag. Da geht es um das große Vermögen eines sehr wohlhabenden Menschen. Das Talent aus biblischer Zeit ist ungefähr 6000 Denare und ein Denar entspricht etwa einem Tagelohn. Damit müsste ein einfacher Tagelöhner 20 Jahre arbeiten um ein Talent zu verdienen. Es geht also um sehr hohe Summen. Die Bedeutung des Gleichnisses ist leicht entschlüsselt: Es besteht kein Zweifel daran, dass der wohlhabende Mann für Gott steht. Er vertraut seinen Dienern große Summen an. Die Diener stehen für die Diener Gottes, also die Gläubigen. Ihnen wird sehr viel anvertraut. Die Talente stehen für die vielen Gaben, die wir von Gott erhalten. Die einen erhalten weniger, die anderen mehr. Jeder aber erhält etwas.

Viele Gaben

Manche werden in eine wohlhabende Familie hinein geboren. Manche sind begabte Künstler oder Musiker. Wieder andere besitzen sehr gute praktische Fähigkeiten und sind geschickte Handwerker. Andere können gut mit Menschen umgehen und werden Erzieherin, Sozialberater … Irgendeine kleine oder größere Fähigkeit hat jeder. Die schönste und größte Fähigkeit, die wir aber besitzen, ist die Fähigkeit zu lieben und zu glauben. Menschen haben die Gabe an einen guten Schöpfer zu glauben. Der Mensch ist das einzige Geschöpf auf der Erde, das seinen Schöpfer anbetet. Kein Tier wird auf die Idee kommen und den Herrn und Schöpfer des ganzen Universums zu verehren. Dazu schenkt der Schöpfer jedem Menschen eine gewisse Zeit hier in unserer Welt, die einen viel, manche weniger und manche sehr wenig Zeit. In dieser Zeit nutzen sie die Talente und Gaben nutzen, die schenkte. Aber eines dieser Talente wird häufig vergraben: Es ist die Gabe an Gott zu glauben.

Vergrabener Glaube

In unserer Gesellschaft möchte man nicht mehr viel von Gott hören. Allgemein verbindet man den Glauben an Gott mit Intoleranz und Engstirnigkeit. Deshalb werden die vielen Stunden, die uns der Schöpfer schenkt, so gut wie nicht genutzt. Wenige Menschen denken an ihn, danken ihm und bitten ihn um Hilfe. Damit vergraben sie ihr schönstes und größtes Talent. Das beginnt in der Familie. Dort spielt alles mögliche eine Rolle. Welche Familie aber stellt ihr Leben unter Gottes Schutz? In der Schule gibt es noch Religionsunterricht aber welchen Stellenwert hat er und lernen die Schüler eine Verbindung zu Gott aufzunehmen? In der Arbeitswelt zählt Leistung und Profit, der Mensch zählt immer weniger und Gott würde nur bei den Geschäften stören. Das alles sind Beispiele dafür, wie wir unser schönstes und größtes Talent vergraben und ungenutzt lassen. Allgemein scheint es bedeutungslos, dass man unseren Schöpfer vergisst. Alles läuft gut so. Es geht uns doch materielle relativ gut.

Dem Diener, der sein Talent vergräbt geht es auch gut.
Er freut sich des Lebens und kümmert sich nicht um die Anliegen seines Herrn.
Dann aber kommt irgendwann der Gutsherr zurück und erwartet einen Rechenschaftsbericht.
Das ist die Kernaussage des Gleichnisses:
Irgendwann einmal wird uns unser Schöpfer sagen:
„Ich habe dir viele Gaben gegeben. Zeige mir, was du damit gemacht hast.“

Deshalb: Der moderne Mensch nutzt nur 10% seiner Talente.
Das größte und schönste seiner Talente,
Gott über alles zu lieben ist weitgehend ungenutzt.
Es ist an der Zeit, dass der Mensch wieder anfängt Gott anzubeten.

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