Ein Buch als Beispiel für die Dreifaltigkeit

[alle Predigten]  [Hauptseite] von P. Oliver Heck SVD (zum Dreifaltigkeitssonntag)


Jeder hat Bücher zu Hause. Ich nehme hier einmal das Buch als ein Symbol für die allerheiligste Dreifaltigkeit. Natürlich zielt jeder Vergleich mit dem Allerhöchsten meilenweit daneben. Aber es geht mir hier nicht um die Genauigkeit des Vergleichs, als vielmehr um eine Gedankenanregung. Der Allmächtige möge es mir verzeihen, wenn ich ihn mit einem Buch vergleiche. Jedes Buch besteht aus Papier und Karton. Die Seiten sind bei einem guten Buch hinten mit Fäden gebunden. Der Karton im Einband verleiht dem Buch Stabilität und Haltbarkeit. Die Seiten des Buches sind beschrieben. Bücher ohne Bilder und Buchstaben wären sinnlos. Kein Händler könnte Bücher mit leeren Seiten verkaufen. Allein die verschiedenen Farben und Formen der Bücher würden niemanden zum Kauf reizen. Der Inhalt des Buches ist wichtig. Mit den Buchstaben und Bildern drückt der Autor das aus, was er den Lesern mitteilen will. Sie ergeben zusammen seine Botschaft. Genauso wichtig wie das Buch ist auch derjenige, der es geschrieben hat: Der Autor. Im Buch gibt er seine Gedanken und Gefühle wider. Häufig werden Bücher gekauft und geradewegs ins Regal gestellt, ohne dass man sich Zeit nimmt sie zu lesen. Bücher zur Verzierung der Wohnung sind aber ähnlich überflüssig wie Bücher mit leeren Seiten. Deshalb braucht es noch ein drittes: Es braucht den Leser, der die Sätze Seite für Seite aneinanderreiht, versteht und aufnimmt. Erst wenn diese drei Dinge zusammenkommen: 1) Das Buch als Papier, 2) die Gedanken des Autors und 3) das vom Leser Verstandene, erst dann hat das Buch einen Sinn. Dieses Beispiel benutze ich als Bild für die Heiligste Dreifaltigkeit.

Der Autor

Der Schreiber (Autor) des Buches steht für Gott Vater, der der Ursprung aller Schöpfung ist und sich mitteilen möchte. Von ihm geht alles aus. Ohne Gott gäbe es einfach nichts. Weder gäbe es die Erde noch Pflanzen und Tiere noch Menschen. Ohne ihn wäre auch Jesus von Nazareth nie geboren worden. Dieser hat uns viel von Gott mitgeteilt. Wie es im Johannesevangelium heißt: „Gott hat keiner je gesehen, der einzige Sohn der am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.“

Das Buch

Das Buch, das man in der Hand hält, vermittelt die Gedanken des Autors. Mit seiner Hilfe kann man sich in die Welt des Autors hinein versetzen. Deshalb steht das Buch für Jesus Christus. Gott drückte sich in Jesus Christus aus wie ein Schriftsteller seine Gedanken in einem Buch ausdrückt. Nur dass Jesus Christus kein totes Buch ist, sondern lebendiger Mensch und ewiger Gott zugleich. Er ist das lebendige Buch Gottes. Ohne ihn wüssten wir nur vage etwas von Gott. Seine Worte und seine Taten erzählen uns von seinem Vater. So wie er sich anderen Menschen gegenüber verhalten hat, so verhält sich Gott. An ihm können wir ablesen wer Gott ist. Sein ganzes Leben ist wie ein offenes Buch, das von Gott erzählt.

Der Leser

Schließlich kommt noch ein drittes Element hinzu: Der Leser. Befasst der Leser sich mit dem Buch und liest er darin, dann wird dieses Buch lebendig und der Gedanke des Autors kann überspringen. Der Leser, der mit seinem Geist den Sinn des Textes erfasst und auch zwischen den Zeilen liest, steht für den Geist Gottes. Ohne den Leser wäre das Buch überflüssig. Was würde es nutzten Bücher zu drucken, wenn sie keiner liest? So wie ein abgestelltes Buch im Regal, so wäre auch Christus für uns tot, wenn uns nicht der Heilige Geist an ihn erinnern würde. Der Geist Gottes macht Christus für uns immer wieder neu lebendig. Zwar ist Christus vor 2000 Jahren auferstanden, das nutzt aber nichts, wenn er nicht täglich durch den Heiligen Geist in uns erneut aufersteht. Christus muss jeden Tag neu in uns auferstehen. Dies geschieht durch die Kraft des Heiligen Geistes. Ohne diesen Geist Gottes gäbe es keine Kirche und keine Sakramente. Der heilige Geist aktualisiert das, was vor 2000 Jahren geschah und macht Christus auch in unserer Zeit gegenwärtig. Der Heilige Geist lässt uns verstehen, was Gott will. Er vermittelt uns alles, was Gott uns sagen will. Er ist der Funke, der überspringt, wenn wir eine gute Eingebung haben.


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