Lebenskraft

[alle Predigten]  [Hauptseite] von P. Oliver Heck SVD (zu Fronleichnam)


Unsere Kirche ist ohne die Feier der Eucharistie nicht vorstellbar. Diese Feier gehört ganz wesentlich zum Leben der Kirche dazu. Wir beziehen uns bei jeder Heiligen Messe auf Jesus Christus, der die Kirche ins Leben gerufen hat und diese Feier als zentrales Element eingesetzt hat. Damit wird die Heilige Messe zur Quelle und zum Höhepunkt des kirchlichen Lebens. An Fronleichnam denken wir besonders daran, dass Christus in der Eucharistie gegenwärtig ist.

Kirche ist Gemeinschaft

Rein theoretisch könnte jeder für sich auch zu Hause sein Christentum feiern. Er würde kurz an Gott denken, sich aufrichtig und ehrlich verhalten und niemandem schaden. Für ein wirklich gelebtes Christentum genügt das nicht. Wir brauchen andere Menschen um gemeinsam mit ihnen unseren Glauben zu feiern. Der Mensch ist ein soziales Wesen und ist auf Schritt und Tritt angewiesen auf andere Menschen. Ähnlich ist es auch auf anderen Gebieten nicht möglich alleine zu leben: Es ist nicht möglich alleine Fußball zu spielen, es ist langweilig alleine, ohne Begleitung zu singen, es ist traurig immer alleine essen zu müssen … Genauso wäre unser Glaube leer und hohl, wenn wir ihn nur für uns alleine leben würden. Christus hat gesagt wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen. Sicherlich ist er auch bei jedem einzelnen, aber wo sich Christen miteinander in seinem Sinne versammeln, hat er uns seine Anwesenheit zu gesichert.
Deshalb kommen die Gläubigen seit die Kirche besteht, jede Woche zusammen und feiern gemeinsam. Es geht dabei nicht um irgendeine Feier, sondern um das Sakrament der Eucharistie. Für gläubige Christen ist die Eucharistie ein sichtbares Zeichen der Gegenwart Gottes.

Glaubensnahrung

Das Sakrament der Eucharistie bezieht sich auf unser tägliches Bedürfnis nach Nahrung. Wenn wir mehrmals täglich essen, nehmen wir dabei verschiedene Nahrungsmittel und Getränke zu uns. Diese werden in unserem Körper verändert und erhalten so unseren Leib. Ohne Nahrung kann man nur kurze Zeit überleben. Christus macht sich in einem Stück Brot gegenwärtig und sagt uns damit, dass er für uns Nahrung sein will. So wie das tägliche Brot für den Aufbau und den Erhalt unseres Leibes dient, so baut uns die Eucharistie auf und erhält unsere Seele. Damit ist nicht gemeint, dass die Eucharistie irgendein Ding wäre. Vielmehr ist Christus selbst in der Eucharistie gegenwärtig. Es ist nicht die Hülle des Brotes, sondern der Leib Christi und mit ihm der erhabenen Gott, den wir verehren. Wir knien nicht vor einem Stück Brot nieder, sondern vor dem Allmächtigen. Da Christus sich für uns geopfert hat, und auferstanden ist, hat er sein ganzes Leben hingegeben und so können wir durch ihn leben. Sein Lebensopfer wird immer wieder in der Heiligen Messe vergegenwärtigt, damit wir von ihm Leben empfangen.

Beispiel des Hl. Ignatius

Um dies noch etwas näher zu beleuchten, nehme ich das Beispiel des Hl. Ignatius von Antiochien Er lebte im zweiten Jahrhundert und war Bischof in Antiochien. (heißt heute Antakya und liegt in der südl. Türkei, 30km vom Meer entfernt). Er wurde wegen seines unerschrockenen Glaubens verhaftet und dazu verurteilt den Tieren im römischen Kolosseum vorgeworfen zu werden. Nach seiner Verhaftung, als er noch auf dem Weg nach Rom war, schrieb er in einem Brief an die Christen in Rom: „Ich bin ein Weizenkorn Gottes; ich muss von den Zähnen der wilden Tiere zermahlen werden, um ein reines Brot Christi zu werden. “ (Hl. Ignatius von Antiochien, Brief an die Römer, IV, 1) Er bat seine Anhänger darum, nichts zu unternehmen, was ihn davon abhalten könnte auf diese Weise sein Leben zu opfern. Das klingt für uns sehr ungewöhnlich. Ignatius will sein Leben im Märtyrium hingeben, damit er so seinen Glauben vollkommen leben kann, damit Gott sein Opfer annimmt und er unter die Schar der Heiligen gezählt wird.
Indem Ignatius lieber sterben wollte, als Christus zu verleugnen, hat er ein leuchtendes Beispiel gegeben. Sein Lebensopfer hatte aber nicht nur einen Beispielcharakter es ging um mehr. Indem er seine Lebenskraft opferte, konnte er die Kirche stärken.

Zur Lebenskraft werden

Er verschwendete sein Leben und schenkte der Kirche auf diese Weise Lebenskraft. Jedes Opfer, das jemand für andere bringt, stärkt andere. Sei es sichtbar oder unsichtbar. So wird jedes Opfer für andere zum Lebensbrot für andere. Das gilt auch für kleinere Opfer. Jede Mühe, die ich für Gott oder für andere auf mich nehme, stärkt die Menschen. Der Hl. Ignatius opferte sein Leben für andere und wurde so zum Lebensbrot, zur Lebenskraft für andere. Noch viel mehr wird das Lebens- und Kreuzesopfer Christi für uns jedes Mal zur Lebenskraft, wenn wir sein Gedächtnis begehen.


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