Sichere und gelungene Beziehung

[alle Predigten]  [Hauptseite] von P. Oliver Heck SVD (zum 6. So - C)


Was macht glücklich?

Fragt man Menschen nach dem, was sie glücklich macht, kommen an erster Stelle gelungene Beziehungen und Gesundheit. Erst später kommen Karriere, sinnliche Freuden oder materielle Dinge. Insofern scheint die Durchschnittsmeinung in Richtung Evangelium zu zeigen. Heute betrachten wir, wie Jesus uns Glück verheißt: „Glücklich ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes.“ (Lk 6,20) Jesus möchte damit sagen: „Glücklich sind die Menschen, die nicht an ihrem Besitz hängen, die sich nicht an Materielles gebunden fühlen.“ Warum sollte Besitz und Macht den Menschen nicht glücklich machen? Der Mensch ist ein geistiges Wesen und wenn er sich zu sehr an Haus, Auto, Geld und anderes bindet, vergisst er wozu er eigentlich berufen ist und wer er eigentlich ist. Zwar besteht der menschliche Leib aus materiellen Stoffen, sein Geist aber erhebt sich weit über dieses Niveau. Der Mensch steht von seinem Wesen her weit über allem, was irdisch und vergänglich ist. Sich zu sehr an die materiellen Dinge zu binden, bedeutet die Seele des Menschen zu vernachlässigen – und das macht den Menschen letzten Endes sehr unglücklich, weil er den schönsten und höchsten Teil seines Ichs vernachlässigt.

Hunger nach...

Im nächsten Satz der Seligpreisungen aus dem Lukasevangelium heißt es: „Glücklich seid ihr, wenn ihr jetzt hungert, denn ihr werdet satt werden.“ (Lk 6,21) Hunger kann man nach vielen Dingen haben: Wir haben in unserer Gesellschaft Hunger vor allem nach Anerkennung, nach Zufriedenheit, Wertschätzung ... Menschen in manchen anderen Ländern haben nicht genügend Nahrungsmittel zur Verfügung haben. Manche kämpfen ums nackte Überleben. Sagt man denen, den der Magen knurrt: „Ihr werdet einmal glücklich sein, denn ihr werdet satt werden, beleidigt man sie.“ Sie brauchen ganz konkrete Hilfe. Alles andere wirkt wie eine faule Vertröstung. Und doch glauben wir Christen an ein endgültiges Glück. Wir hoffen auf ein Leben, in dem der Magen nicht mehr knurren wird. Wir glauben daran, dass wir einmal ins neue und ewige Leben hineingeboren werden, in dem es kein Weinen, keine Schmerzen und kein Trauern mehr geben wird.

Beziehungen

Wir können uns glücklich schätzen, dass wir in einer Region leben, in der wir nicht ums nackte Überleben kämpfen müssen. Unser Glück hängt hier hängt entscheidend von Begegnungen mit anderen ab. Je nachdem wie unsere Beziehungen zu anderen verlaufen (gut oder schlecht), fühlen wir uns glücklich oder unglücklich. Streit führt immer dazu, dass man sich unglücklich fühlt. Streit oder eine gelungen Beziehung hängt nicht nur von uns selbst ab, sondern auch von anderen. Je nachdem wie es anderen gelingt zu uns einen gute Beziehung aufzubauen, wirkt das auf uns erfreulich oder unerfreulich. Ich bin der festen Überzeugung, dass misslungene Beziehungen, unglückliche und belastende menschliche Begegnungen im neuen Leben geheilt werden können. Unser Glück kann nicht von anderen und auch nicht von uns selbst abhängen. Es hängt vor allem von Gott ab, der letztlich immer Glück schenken möchte. Unsere Aufgabe ist es, uns offen für Gott zu halten. Laden wir ihn ein, so streicht er heilende Salben auf unsere Wunden, die vielleicht zuerst etwas brennen, dann aber Genesung bringen. Gott wird uns so annehmen wie wir sind, ob unser Leben verkorkst, armselig oder erfolgreich war. Er garantiert uns eine gute Beziehung zu ihm. Insofern glauben wir, dass unser Leben gelingen wird. Unser Leben wird auch gelingen, wenn andere uns wegen unseres Glaubens oder wegen anderer Dinge ablehnen. Andere sind nicht das Maß unseres endgültigen Glücks. Christus wird sich ganz besonders der Menschen annehmen, die wegen ihres Glaubens an ihn verfolgt werden.

Unglücklich

Problematisch wird, es wenn man sein ganzes Glück auf Geld bauen möchte. Dann wird man alles verlieren. Schwierig wird es auch, wenn man nur körperlich satt werden will. Wenn es einem Menschen nur um sinnliche und materielle Freuden geht, wird er sich am Ende eines solchen Lebens hohl und leer fühlen. Er wird erschrecken bei dem Gedanken, dass alles, was er sich vom Essen oder von Geld erhoffte, zwischen den Fingern zerrinnt. Auch wer in seinem Leben sehr intensiv nach Ehre gesucht hat, wer immer gerne immer nur im Mittelpunkt stand, wer es stets geschickt verstanden hat, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, der wird am Ende armselig wie eine leere Hülle dastehen. Wir bauen auf unverlierbares Glück, auf Gott, der uns eine sichere und gelungene Beziehung zu ihm garantiert.


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