Gott überwindet die Grenze des Lebens

[alle Predigten]  [Hauptseite] von P. Oliver Heck SVD (zum 10. Sonntag im Jahreskreis)


Die 2. Lesung für den Sonntag ist ein Auszug aus einem Brief, den der Apostel Paulus an die Gemeinden in Galatien schrieb. Diese Region liegt im Zentrum der heutigen Türkei, um Ankara herum (z.T. deckungsgleich mit Zentralanatolien). Es war das erste Missionsgebiet des Paulus. Nach seinen Missionen breitete sich das Christentum dort in den folgenden Jahrhunderten in voller Blüte aus. Im 11. Jahrhundert fielen die Seldschuken in Anatolien ein, gefolgt von den Türken, die aus Zentralasien und Westchina kamen. So verschwand das Christentum größtenteils aus der Türkei. - Soweit ein Kurzüberblick über die Geschichte. -

Bekehrung des Paulus

Etwa zwanzig Jahre nach dem Tod und der Auferstehung Christi schrieb Paulus an die Christen in diesem Gebiet. Er bekräftigte darin seinen Auftrag das Evangelium zu verkünden.
Offensichtlich hatten die Christen in Galatien ähnliche Bedenken wie wir heute. Sie fragten sich: „Wieso verkündet der Paulus eine solche Botschaft und wie kommt er dazu zu sagen, dass er von Gott beauftragt ist?“ Vor seiner Bekehrung verfolgte er mit großem Eifer die Christen. Manche mussten durch ihn sterben, andere überführte er ins Gefängnis. In dieser Zeit verfolgte er die Christen in der ganzen Region. Auf einem Verfolgungsritt nach Damaskus, erschien ihm Jesus, der Auferstandenen, und fragte ihn: „Warum verflogst du mich.“ (Apg 9,4) Diese Begegnung veränderte das Leben des Paulus von Grund auf. Als Paulus seinen Brief an die Galater (48-53?) schrieb, war seine Bekehrung (32-33) schon 15-20 Jahre her. Doch immer noch hing ihm diese Zeit nach. Er erinnerte die Christen in Galatien an seine Bekehrung und bekräftigte damit die Glaubwürdigkeit des Evangeliums. Er bestätigte, dass er seine Botschaft direkt von Gott empfangen hatte. Das, was er verkündete, erzählte ihm kein Mensch. Außer Petrus hatte er keinen Apostel gesehen. Damit meinte er dass er seine Botschaft durch die Eingebung Gottes empfangen hatte. Damit wollte er Zweifel an seiner Botschaft zerstreuen.

Glaubwürdigkeit des neuen Testamentes

Auch heute zweifelt man immer wieder an Gottes Botschaft. Man fragt woher die Evangelien stammen. Einige halten sie für schöne Geschichten, die für Kinder (ähnlich wie Märchen) geeignet sind, die aber einem vernünftig denkenden Erwachsenen lächerlich erscheinen. Man fragt sich: „Können diese Texte von Gott stammen.?“ Sicherlich das Evangelium fiel nicht vom Himmel, Menschen haben die Taten und Worte Jesu aufgeschrieben. Dabei floss auch die Sichtweise, die Mentalität der damaligen Zeit und Umgebung der Schreiber mit ein, aber der eigentliche Kern der Botschaft Jesu ist unveränderlich und kommt von Gott. Zum Kern gehören die Elemente, die im Glaubensbekenntnis aufgelistet sind, die Gebote und die Nächstenliebe. Im Glaubensbekenntnis ist davon die Rede, dass Gott Mensch wurde, für uns gestorben ist und von den Toten auferstanden ist.

Froh machende Botschaft

Von dieser Botschaft versuchte der Paulus viele Menschen zu überzeugen. Auch für uns schreibt Paulus, dass er seine Botschaft von der Auferstehung Jesu direkt von Gott empfangen hat und dass sie keine menschliche Erfindung ist. Alles, was nicht in unsere Alltagserfahrung passt, fällt schwer zu akzeptieren. Paulus lädt uns zur Hoffnung ein. Voller Lebensfreude verkündet er uns ein Evangelium der Auferstehung. Das passt zum heutigen Evangelium in dem Jesus einen toten Jungen wieder zum Leben erweckt. Das klingt sehr Aufsehen erregend. Eine solche Aktion würde auch in unseren Tagen durch die Presse gehen. Indem Jesus den toten Jungen wieder zum Leben erweckt und damit die Witwe von ihrem Leid erlöst, sagt er den Menschen aller Zeiten: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Durch mich werdet ihr alle einmal zum ewigen Leben auferstehen.“ Er unterstreicht mit diesem Wunder, dass er derjenige ist, der Leben schenkt und uns einmal alle zur Quelle des Lebens führen wird. Davon will Paulus die Menschen überzeugen, davon spricht die Kirche seit 2000 Jahren und davon wird sie immer wieder bis ans Ende der Welt sprechen. Ob man diese Botschaft gut ankommt oder ob man sich darüber lustig macht. Allen Völkern und zu allen Zeiten soll diese Botschaft verkündet werden, solange wie die Erde besteht. Keinem Menschen wird es je gelingen von sich aus dem Tod zu entfliehen. Gott überwindet diese Grenze und führt zum ewigen Leben.


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