Maximalforderungen

[alle Predigten]  [Hauptseite] von P. Oliver Heck SVD (zum 12. Sonntag im Jahreskreis)


Die Botschaft Jesu ist nicht leicht ins Leben zu übertragen. Ich zitiere hier einmal ein paar der Aufforderungen Jesu, die für uns schwierig sind. Einmal sagt er: „Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist!“ (Lk 6,36) Dann sagt er: „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ (Lk 9,23) An anderer Stelle sagt er: „Liebt eure Feinde; tut denen Gutes, die euch hassen.“ (Lk 6,27) Und dann geht es auch noch ums Eigentum: „Gib jedem, der dich bittet; und wenn dir jemand etwas wegnimmt, verlang es nicht zurück.“ (Lk 6,30) Jesus könnte dies nicht sagen, wenn er es nicht selbst vorgelebt hätte. Wir sind zu einem sehr hohen Ziel auserwählt. Das Ziel ist so hochgesteckt, dass es uns unerreichbar erscheint. Besonders bei diesen Maximalforderungen Jesu. Die hohen Ideale des Christentums sind immer wieder durch Menschen verwirklicht worden und auch heute noch leben Menschen nach diesen Idealen. Es sind Menschen die innerlich glücklich und zufrieden sind.

Gott steht bei

Mir erzählte einmal ein Mann, dass er als Junge bei einem Luftangriff mit seinem Vater in den Luftschutzbunker flüchtete. Er und sein Vater beteten den Rosenkranz. Er erfuhr dabei einen so großen Frieden, wie er ihn noch nie gekannt hatte, trotz hagelnder Bomben. Dort war auch eine Nachbarin. Sie war Hitler-Anhängerin sie schrie und wurde fast verrückt vor Angst. Der Junge aber verspürte mitten im Bombenhagel Frieden. An diesem Beispiel erkennt man, dass Gott mit seinen Gaben uns beisteht. So geht es auch mit den Maximalforderungen Jesu. Er steht uns Schritt für Schritt bei, wenn wir uns auf den Weg machen seine Forderungen zu erfüllen. Er hat auch Verständnis, wenn wir einmal versagen, einen Rückschlag erleiden und uns von ihm entfernen. Wenn wir ihn um Beistand bitten, dann schenkt er uns die Kraft ihm näher zu kommen. Er hilft uns dabei Hartherzigkeit zu überwinden, uns selbst nicht mehr so wichtig zu nehmen, Leiden zu ertragen und Gutes zu tun auch den Menschen, wo wir es vielleicht für ungerechtfertigt halten.

Alltägliches Getriebe

Unser tägliches Leben drehen wir uns häufig um uns selbst und werden von außen bestimmt. Da werden bestimmte Arbeitseinteilungen an uns heran getragen und eine gewisse Leistung von uns gefordert; da ist die Freizeit verplant. Wir laufen wie ein Zahnrädchen im Uhrwerk. Am Ende ist man nur noch ausgebrannt. Gott spielt da keine Rolle mehr. Macht man sich einmal daran den Tag mit Gott zu gestalten ändert sich dies. Man steht mit ihm auf und kann auch mit ihm unterscheiden was jetzt wichtig ist und was überflüssig ist. Man gewinnt einen gewissen Abstand zum Getriebe des Alltags, da man seine Heimat beim himmlischen Vater hat. Das ruft eine gewisse Gelassenheit hervor durch die man nicht mehr so viel hin- und herschwankt. Man kann inmitten des Getöse des Alltags auch zum Herrn finden. Nur mit dieser Haltung kann man den Weg des Christentums gehen. Nur so ist es möglich, offen für andere zu bleiben, Menschen zu vergeben, nicht an sich selbst zu hängen und manches unvermeidliche Leid besser zu ertragen.

Mit Gottes Hilfe

Menschen, die die Aufforderungen Jesu vorbildlich erfüllt haben, - viele von ihnen sind heilig gesprochen, - konnten dies nur mit Gottes Hilfe tun. Mit seinem Beistand kann ein Mensch sogar unter Androhung der Todesstrafe treu bleiben und sein Leben für Jesus hingeben. Märtyrer des Glaubens gab es nicht nur früher, sondern gibt es auf unserer Erde Tag für Tag. Menschen, die für ihren Glauben ins Gefängnis gehen, die auf vieles verzichten um andere zu retten, die ein Stück ihres Lebens geben, damit andere Leben können. Sicherlich müsste man jeder der Forderungen auch noch erklären. Denn unter gewissen Umständen ist es z.B. nicht klug sein Leben hinzugeben. So hat zum Beispiel auch der Hl. Paulus einen Trick angewendet (Apg 23,1-11,25,10-12) als er vor dem Hohen Rat bzw. vor Gericht stand. Er entging einer Verurteilung und konnte noch viele Jahre in leichter Haft das Evangelium verkünden. Jahre später hat er dann in Rom sein Leben für Christus hingegeben. Es ist auch sicherlich nicht sinnvoll sein Geld auf der Straße zu verteilen und dann selbst hilfsbedürftig zu werden. Eine solche Umsetzung wäre naiv. Auch ist es nicht immer angebracht „sein Kreuz einfach nur zu tragen.“ Manchmal ist es angebracht, Ungerechtigkeiten anzuprangern. Oder in Situationen, in denen man überfordert ist um Hilfe zu bitten. Wenn jemand sein Leben wirklich mit Gott lebt, dann findet er in Gott auch jemanden der ihm die Richtung weist und Kraft schenkt seine Forderungen zu erfüllen.


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