Neue Freiheit

[alle Predigten]  [Hauptseite] von P. Oliver Heck SVD (zum 13. So im Jahreskreis C)


Neue Freiheit

Paulus schreibt: „Zur Freiheit hat uns Christus befreit. … Ihr seid zur Freiheit berufen.“ (Gal 5,1a.13a). Spontan könnte uns das an unsere moderne Vorstellung von Freiheit erinnern. Die drückt sich z.B. in Songtexten aus: „Freiheit ist das einzige was zählt; Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein …“ Vielleicht haben die Menschen noch nie soviel von Freiheit geträumt wie in unserer Zeit. Und noch nie schienen Menschen äußerlich so frei zu sein wie heute. Wir können unsere Lebensmittel frei wählen, wir können sagen, was wir denken, unseren Wohnort einigermaßen frei wählen, den Partner fürs Leben und häufig auch unsere Arbeitsstelle, … Die Bewegungs­freiheit war noch nie so groß wie heute. Wir können uns an verschiedenen Stellen informieren und bei sehr vielen Gelegenheiten frei entscheiden. Wir haben uns sehr daran gewöhnt, so sehr, dass wir vergessen haben diese Freiheit zu schätzen. Vor allem die Älteren unter uns wissen, dass es auch anders sein kann: Die Meinung durfte man nicht frei heraus sagen, man musste das essen, was eben da war, man musste den Beruf nehmen, den der Vater vorgab. …

Christliche Freiheit

Offensichtlich wurde das Christentum dort, wo Paulus missionierte als Befreiung empfunden. (vgl. Gal 5,13) Im alten Judentum musste man sich an über 600 Vorschriften halten! Nach dem die Galater, an die der Hl. Paulus schrieb, zum Glauben gekommen waren, legten sie diese strengen Essens- und Lebensvorschriften ab und freuten sich über die neu gewonnene Freiheit. Im Christentum kann man nämlich nicht sagen: „Du hast eine bestimmte Regel eingehalten, also bist du perfekt.“ Manche aber missbrauchten die neue Freiheit als “Freifahrtsschein”. Alles schien ihnen erlaubt zu sein: “Unzucht, Unsittlichkeit, ausschweifendes Leben, Götzendienst, Zauberei, Feindschaften, Streit, Eifersucht, Jähzorn, Eigennutz, Neid- und Missgunst, Trink- und Essgelage.” Das zeigt, dass in der Mission beim Wechsel vom Judentum zum Christentum mancherorts Verwirrung entstand. Paulus machte deutlich, dass auch das Christentum moralische Grundsätze hat. Die Freiheit des Christentums ist nicht Zügellosigkeit, sondern Verantwortung. Christentum meint verantwortlich mit seiner Freiheit umzugehen und zwar nach der Regel: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ (Gal 5,14). Als Christ kann ich nicht andere ausnützen oder mir meinen Vorteil auf Kosten anderer suchen. Wenn wir uns vom Geist Christi leiten lassen, dann tragen wir die Früchte des Geistes wie “Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung” (Gal 5,23). Denn durch den Geist Gottes werden wir erst frei.

Ohne Regeln: Chaos

In unserer Zeit gibt es längst nicht mehr gängelnde und penibel einzuhaltende religiöse Vor­schriften. Aber das menschliche Zusammenleben ist und bliebt schwierig. Jeder hat seine Interessen und seine Neigungen. Ohne Regeln bilden sich Regeln heraus, die uns als Christen nicht gefallen können. Es gewinnt wer am lautesten schreit, wer mehr Geld hat oder stärker ist. Dann werden Menschen ausgebeutet und es entstehen Abhängigkeiten vergleichbar mit der Sklaverei. Das gilt nicht nur im Umgang mit dem Nächsten, sondern auch im eigenen Leben. Und gerade hier erkennen wir wie der heutige Mensch sich neuen Abhängigkeiten unterwirft.

Neue Abhängigkeiten

Ich zähle hier ein paar mehr oder weniger harmlosere Abhängigkeiten auf: Man möchte gewisse Markenartikel, weil man glaubt, man stünde mit einem bestimmten Schriftzug auf der Kleidung besser da. Man liest Horoskope und gehorcht Astrologen und Wahrsagern. Andere sind Sklaven ihrer Süchte, seien es Tabletten, Alkohol, Drogen, Mager- /Esssucht … sie können nicht mehr frei entscheiden.
Andere erhoffen sich vom Glücksspiel immer wieder neu belohnt zu werden. Manche meinen sie könnten ohne ihr Handy, Computer und Internet nicht mehr glücklich werden. Andere, vor allem junge Frauen, fühlen sich schon diskriminiert, weil ihr Körper nicht gerade die Maße hat, die von der Modeindustrie vorgegeben werden. In vielen Betrieben gibt es starkes Konkurrenzdenken. Einer setzt den anderen unter Druck und viele setzten sich selbst unter Druck. Abhängigkeiten gibt es auch in der Beziehung der beiden Geschlechter untereinander. Nach einer Studie sind 22 Prozent der 14- bis 24-Jährigen in einer Beziehung der Meinung, dass ihre Partner zu oft das Handy oder Web nutzen, um den anderen zu überprüfen. D.h. man ruft den Partner oder die Partnerin an, weil man ihm oder ihr nicht vertraut. Amerikanischen Jugendlichen zufolge soll mittlerweile bereits jeder Vierte schon mindestens einmal das Handy seines Freundes oder seiner Freundin dazu verwendet haben, um ohne Wissen und Einwilligung des Beziehungspartners dessen Textnachrichten zu kontrollieren. Mehr als zehn Prozent der Befragten gaben zudem an, dass ihr Gegenüber ausdrücklich das persönliche Passwort für Online-Dienste verlange, um ihnen besser nachspionieren zu können. In diesen vielen Bereichen kann die Botschaft Christi von der Nächstenliebe, Vertrauen und Hoffnung echte Freiheit und Verantwortung schenken gerade auch heute.


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