Mission heute

[alle Predigten]  [Hauptseite] von P. Oliver Heck SVD (zum 14. Sonntag (C))


Mission zu Beginn der Kirche

Lukas überliefert zwei verschiedene Aussendungen einmal die der 12 Apostel und dann die Aussendung der 72 anderen Jünger. Es handelt sich bei der größeren Gruppe um Leute, die nicht immer mit Jesus umherzogen und nicht zum engeren Apostelkreis gehörten. „Er sandte sie zu zweit aus“, heißt es. Es ist gut möglich, dass auch Ehepaare darunter waren. Jedenfalls wissen wir von Paulus, dass Ehepaare missionierten: Aquila und Prisc(ill)a z.B., die mehrfach in der Apostelgeschichte erwähnt werden (Apg 18,2f.18.26) und Paulus zufolge sogar ihren Hals für ihn riskiert haben (Röm 16,3-5), oder die ebenfalls im Römerbrief genannten Andronikus und Junia (Röm 16,7). Erwähnt werden in 1 Kor 9,5 auch die Apostel mit Petrus an der Spitze und die Brüder des Herrn mit ihren Ehefrauen wie sie durch die Lande zogen. Am Beginn der Kirche waren die Christen stark missionarisch aktiv.

Pfarreien sind nicht mehr das Zentrum

Zum Vergleich wie wir heute verfahren: Unsere Verkündigung des Evangeliums ist stark orientiert an eine Vergangenheit in der der Großteil der Bevölkerung religiös war. Nahezu alle Eltern ließen ihre Kinder taufen, schickten sie in den Religionsunterricht, zur Erstkommunion und Firmung. In den Häusern waren Gebet, und religiöse Praxis selbstverständlich. Noch weiter zurück reicht die Zeit der Christenlehre am Sonntag. Dabei hing fast die gesamte Verkündigung in der Gemeinde von nur einer Person ab: dem Pfarrer. In einer solchen Situation wäre es natürlich unsinnig gewesen von Dorf zu Dorf zu ziehen und das Evangelium zu verkünden. In den letzten Jahrzehnten ließ man dann in den Schulen Religionslehrer und zur Erstkommunion­vorbereitung auch Laien zu. Letztlich aber bleiben die Kirche und die Pfarreien ähnlich zentral organisiert wie früher. In der kommenden Zeit wird es notwendig werden anders vorzugehen. Wir können nicht mehr davon ausgehen, dass alle wie selbstverständlich zur Taufe kommen. Die Erstkommunion hat in der Bedeutung für die Menschen zwar wenig verloren, der Sinn wurde aber entleert. In den meisten Fällen geht es vorwiegend um ein schönes Fest für Kinder, bei der die Teilnahme am kirchlichen Leben kaum noch etwas bedeutet und Äußerlichkeiten sehr wichtig sind. Ähnliche Tendenzen beobachtet man in verschiedenen Bereichen. Diese Entwicklung zeigt, dass wir als Christen in Zukunft neue Wege gehen müssen.

Desinteresse und Negativ-Image

Am Beginn der Kirche sandte Jesus seine Anhänger zu zweit aus. Damit sie von ihm reden und seine Ankunft in den Dörfern bekannt machen sollten. Manch einer wird von dem „Wunderheiler“ schön gehört haben, letztlich war für sie aber alles neu. Wir treffen heute auf Menschen, die Teile der Kirchengeschichte, vor allem die dunklen Kapitel oberflächlich kennen und deshalb eher negativ der Kirche gegenüber stehen. Die katholische Kirche hat heute das Image einer veralteten Gemeinschaft, die an überkommenen Riten festhält und sich selbst schon überlebt hat. Deshalb ist unser Missionsfeld heute schwieriger als zur Zeit Jesu. Wer heute von Haus zu Haus zieht und sich als jemand vorstellt, der von der kath. Kirche kommt, wird manche offene Tür finden, aber doch sehr viele verschlossene Türen, bzw., gleichgültige, genervte oder ablehnende Menschen. Es gibt aber keinen anderen Weg als den Weg zu den Menschen hin. Christus hat sich nicht in Nazareth oder Jerusalem niedergelassen und gesagt: „Kommt alle her, ich habe was Gutes für euch.“ Er ist zu den Menschen hingegangen; dort wo sie lieben.

Ausgegrenzte am ehesten offen

Wie das heute für uns konkret aussehen könnte, hängt von der jeweiligen Situation ab. Es werden sicherlich nicht die Massen sein, die wir für den Glauben gewinnen können. Es werden eher die Menschen sein, die angeschlagen sind oder die am Rande der Gesellschaft stehen. Es werden einsame, leidende und Gestrandete sein. Ähnlich war es auch bei der Mission des Paulus, am Beginn des Christentums in der Hafenstadt Korinth. Große Erfolge werden wir auch nicht haben. Immerhin hält ein Großteil der Bevölkerung immer noch das Christentum für eine Religion, mit der man sich zumindest teilweise identifiziert. Gerade in Situationen des Leids kommt dann der Glaube an einen guten und mitleidenden Gott wieder hervor. Hier ist sicherlich ein Ansatz wo man heute noch den Glauben verbreiten kann.


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