Das Beispiel vom Barmherzigen Samariter, das Jesus erzählt, hat in unserer Zeit seine Wirkung verloren, da wir in einer anderen Kultur leben. Sehen wir in unserer Zeit heute ein Unfallopfer genügt es mit dem Handy die Notrufnummer zu wählen, vielleicht, so gut es geht, noch erste Hilfe zu leisten und wir haben alles getan, was wir tun konnten.
Ein Radfahrerunfall
Und doch kommt es vor, dass jemand einen Unfall hat und niemand anhält. Mir erzählte ein Radfahrer, dass er mit seinem Rad stürzte und am Rand des Fahrradweges liegen blieb. Andere Radfahrer fuhren einfach vorbei. Sie konnten ihn nicht übersehen, aber keiner hielt an. Endlich bremste dann doch jemand. Für den verunglückten Radfahrer war das sehr deprimierend. Er fasste sein Erlebnis zusammen: „Wir leben in einer Ellbogen-Gesellschaft. Niemand kümmert sich mehr um den anderen. Jeder sieht nur noch sich selbst.“ Ich denke, dass etwas Wahres an dieser Aussage dran ist. In früheren Zeiten waren wir viel stärker auf gegenseitige Hilfe angewiesen. Sie mussten ganz einfach zusammenstehen, um die Schwierigkeiten des Lebens zu überwinden.
Für den Radfahrer hätte es genügt, wenn jemand anhält und eine Telefonnummer wählt. Wenn er noch auf den Krankenwagen gewartet hätte, dann wären alles in allem vielleicht 15 Minuten seiner Zeit weg gewesen. Mehr nicht. Aber vielleicht befürchtete man irgendwie etwas hergeben zu müssen.
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Radfahrerunfall in China
Anders sieht es in anderen Ländern aus. In einer Zeitschrift stand folgender Artikel über China:
„Acht Uhr früh an einer Bundesstraße: Regungslos liegt ein verletzter Radfahrer auf der Fahrbahn, drum herum drängt sich eine Traube von Menschen. Für den Westler unbegreiflich: Niemand scheint zu helfen. Bis der Krankenwagen kommt, legen Chinesen nur zögerlich Hand an. Zum einen, um nicht als Verantwortliche mit hineingezogen zu werden, zum anderen weil sich, vor allem auf dem Lande, der Geisterglaube hartnäckig hält: Es kann gut sein, dass ein Dämon im Spiel war, der sich nun ein neues Opfer suchen muss. Zum Beispiel den, der sich dem Verletzten als Erster nähert.“ aus: http://www.focus.de/reisen/reisefuehrer/china/tid-9772/kulturschock-woran-europaeer-in-china-verzweifeln_aid_298121.html
Hätte jemand in diesem Fall an der Straße in China geholfen, hätte er nicht nur seine Zeit geopfert, er hätte seinen guten Ruf riskiert und sich einer Bedrohung ausgesetzt. Wer in diesem Beispiel aus China hilft, setzt sich viel mehr ein, als jemand in unserem Land.
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