Wie beten?

[alle Predigten]  [Hauptseite] von P. Oliver Heck SVD (zum 16.So)


Zwei Arten des Gebets

Plastisch beschrieben zeigt der Besuch Jesu bei Martha und Maria wie unterschiedlich Menschen mit Jesus umgehen. Maria lauscht den Worten Jesu, während ihre Schwester Martha eifrig alles für ihn herrichtet. Sie empfindet es als ungerecht, dass die Arbeit an ihr alleine hängen bleibt, während ihre Schwester still dasitzt und Jesus zuhört. Innerlich macht sie ihr Vorwürfe und bittet Jesus Gerechtigkeit herzustellen. Sie drückt ihr Empfinden Jesus gegenüber aus. Daraufhin erhält sie eine die weise Antwort, dass jetzt mehr zuhören als wirken angesagt ist. Die beiden Schwestern zeigen uns auf welche Weise man beten kann. Martha spricht in ihrem Innern zuerst nur mit sich selbst, ungefähr mit folgenden Worten: „Meine Schwester sitzt tatenlos da und Jesus sagt nichts. Er sieht doch wie viel ich zu tun habe.“ Dann öffnet sie sich und bezieht Jesus mit ins Gespräch ein: „Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester die ganze Arbeit mir allein überlässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen!“ (Lk 10,40)

Selbstgespräche

Wir alle sprechen viel mit uns selbst. Das beginnt schon morgens beim Aufstehen. Vielleicht hängen wir noch Traumbildern nach und fragen uns: „Wie ist so etwas möglich?“ Oder wir denken an den bevorstehenden Tag mit seinen Aufgaben: „Das und jenes muss ich heute unbedingt erledigen.“ Wenn es ein freier Tag ist, machen wir vielleicht Pläne, was wir alles tun könnten. Während des Tages geht es so weiter mit den Gesprächen in unserem Innern. Auch mit unserem Herzen sprechen wir über unsere Gefühle: „Dieser ist mir sympathisch … Ich muss noch dort hingehen und diese unangenehme Sache erledigen. …“ Wir freuen uns über kleine Erfolge und Anerkennung, wir verspüren Traurigkeit über Schwierigkeiten oder werden sogar wütend. Bedrückt uns etwas, sagen wir es uns immer wieder vor und wir hören es wie ein Ohrwurm, der uns quält. Viele, viele Situationen erleben wir tagtäglich, in denen wir innerlich sprechen und empfinden.

Sich für Gott öffnen

Öffnen wir diese unsere Selbstgespräche zumindest zum Teil und beginnen so im Alltag zu beten! Erzählen wir ihm unsere Gedanken und Gefühle! Das könnte z.B. am Morgen so lauten: „Herr, Du siehst wie müde ich noch bin. Jetzt heißt es aufstehen. Ich will diesen Tag mit Dir beginnen.“ Und zu diesem Gebet kann man das Kreuzzeichen machen. In schwierigen Situationen kann man mit seinen Sorgen zum Herrn kommen: „Herr, ich weiß keinen Ausweg mehr. Ich fühle mich bedrängt. Alles stürzt über mir zusammen. Ich fühle mich hilflos und machtlos. Ich sehe keine Möglichkeiten wie ich da herauskomme.“ Öffnet man sein inneres Empfinden für Gott, wird man gelassener. Man weiß, dass man nicht alleine ist und sich auf Gott verlassen kann. Die Spannung löst sich zumindest ein wenig. Der Blick weitet sich und eventuell zeigt Gott neue Lösungsmöglichkeiten.

Gespräch mit Gott

Auch besonders bei Glück und Erfolg öffnet der Betende sein Herz dem Herrn: „Herr, ich freue mich so sehr über diesen Erfolg. Es war nicht leicht. Ich danke dir sehr dafür, dass du bei mir warst. Es geht mir gut. Ich finde kein anderes Wort als: Danke.“ Der Christ bleibt vor Gott nicht stumm. Er bespricht seine Angelegenheiten mit Gott. Das hört sich einfacher an als es ist. Wir sind es gewohnt alles mit uns selbst oder anderen Menschen zu besprechen, schließen Gott dabei aber aus. Vielleicht deshalb, weil wir keine direkte Hilfe erwarten oder weil es Geduld erfordert. Was uns vielleicht auch noch hindert ist die Befürchtung, dass Gott uns in unser Leben hinein wirkt und vielleicht etwas geschieht, womit wir nicht rechnen oder was wir nicht mögen. Seien es Gedanken, seien es Gefühle, der ständige Austausch mit Gott verwandelt das Leben des Christen. Es macht es lebenswerter und interessanter.


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