Nicht am Leben vorbei leben!

[alle Predigten]  [Hauptseite] von P. Oliver Heck SVD (zum 18. Sonntag )


Ein extremes Beispiel

Jesus erzählt ein Gleichnis und möchte die Menschen damit darauf aufmerksam machen, dass wir uns sehr häufig und intensiv mit Dingen beschäftigen, die uns ein gutes Auskommen sichern sollen. Er warnt davor, dass man am wirklichen Leben vorbei läuft, wenn man sich ständig Sorgen um materielle Dinge macht und darüber seine Seele vergisst. Ein noch extremeres Beispiel als das Gleichnis von Jesus erzählte mir jemand, der bei einem Sterbenden war. Der Mann, der im Sterben lag, hielt seine Sparbücher fest unter seiner Hand, während seine Familienangehörigen dabei waren. Er wollte damit signalisieren: „Das ist mein. Ich verfüge darüber, nicht ihr!“ Diese Situation wirkt grotesk. Spontan denkt man „Wie kann man nur?“ Auch wenn es so absurd wirkt, kann uns diese Erzählung auf etwas aufmerksam machen.

Was ist wirklich notwendig?

Es drängt sich die Frage auf: „An was halten wir eigentlich so krampfhaft fest? Was halten wir für unverzichtbar? Und können wir wirklich auf keinen Fall darauf verzichten? Worauf glauben wir sicher vertrauen zu können?“ Um diese Frage zu beantworten, stellen wir die Frage anders herum. Was brauchen wir wirklich zum Leben? Nahrung, Kleidung, ein Dach über dem Kopf, Hygiene und vielleicht Medikamente. Bleiben wir beim absolut Lebensnotwendige für uns persönlich, dann brauchen wir nur sehr wenig. Das Absolut Notwendige ist das Minimum für das Leben. Manche müssen sogar damit auskommen. Andere begnügen sich damit. Gehen wir ein Schritt weiter: Für ein Leben in Gesellschaft braucht man schon mehr. Unsere Kleidung braucht nicht teuer zu sein, sollte aber auch nicht schäbig sein. Wir leben mit anderen und möchten mitreden, deshalb brauchen wir Telefon, Fernsehen und / oder Zeitung und manchmal braucht man heute auch schon das Internet. Um mobil zu bleiben, arbeiten zu können und Besuche zu machen, benötigen wir ggf. auch ein Auto. Und eines kommt noch hinzu: Es notwendig, dass wir für unser Alter vorsorgen. Alles in allem ist aber immer noch eine bescheidene Lebensweise möglich.

Neue Freiheit

Das ist der springende Punkt: „Was brauche ich wirklich?“ Und manchmal glauben wir, dass wir etwas brauchen, es gehört dann aber nicht zum Notwendigen, sondern zum Überfluss. Gerade in dieser Situation befinden sich viele heute. Man meint, man könnte ohne dieses oder jenes nicht mehr leben. Tatsächlich aber geht es auch zumindest zeitweise ohne. Dies einmal auszutesten macht Spaß. Man findet ein neues Gefühl der Freiheit und Unbeschwertheit, wenn der Fernseher einmal einen Tag oder sogar länger dunkel bleibt, man Zeit findet nachzudenken, ein Buch zu lesen oder ähnliches. Tiefe und dankbare Freude findet man, wenn man ein einfaches Essen zu sich nimmt und entdeckt mit wie wenig man glücklich wird. Lässt man einmal das Auto stehen und geht zu Fuß, entdeckt man, wie es ist, alles etwas langsamer und mühsamer zu erledigen. Schlendert man durch die Stadt an den Mode-Schaufenstern vorbei, denkt man mit einer neuen Haltung: Das brauche ich nicht, ich bin frei von dem „was man jetzt trägt“. Geht man in diese Richtung schätzt man das Leben höher ein, weil man nicht mehr so in Anspruch genommen ist von vielen Sorgen. Man findet mehr Zeit für sich selbst, für Gott und für andere.

Sich die Freiheit nicht nehmen lassen!

Je mehr wir uns einbinden lassen von den Sorgen um das tägliche Leben, desto ärmlicher leben wir im Grunde. Das ist paradox. Eigentlich sind die Güter der Erde dazu da um uns ein sorgenfreies Leben zu gewährleisten, dann aber häufen wir immer mehr an und machen uns immer mehr Sorgen und leben am Eigentlichen vorbei. Die materiellen Dinge steuern uns dann, an statt uns das Leben zu erleichtern, sie nehmen uns gefangen und wir werden Sklaven der Sachzwänge, der Mode, des immer Neuen, des Schnelleren und Besseren … Die Freude geht dahin, weil wir uns unfrei fühlen und für Gott und den Nächsten ist immer weniger Platz. Das Gleichnis von heute möchte uns zum wahren Leben führen. Zu dem, was das Leben ausmacht.


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