Hans im Glück

[alle Predigten]  [Hauptseite] von P. Oliver Heck SVD (zum 21. Sonntag C)


Erinnern Sie sich an den Schwank aus den Märchen der Gebrüder Grimm "Hans im Glück". Hans erhält für sieben Jahre harte Arbeit als großzügigen Lohn einen Klumpen Gold, der so groß ist wie sein Kopf. Damit will er nach Hause zu seiner Mutter gehen. Unterwegs wird ihm der Klumpen Gold schwer und er beklagt sich. Da trifft er einen Reiter und lässt sich von ihm überreden, das wertvolle Gold gegen sein Pferd einzutauschen. Nun ist die Last weg und reitend kommt er schneller und bequemer voran. Da er aber das Reiten nicht gelernt hat, wird er bald danach vom Pferd abgeworfen. Ab jetzt erscheint ihm das Pferd wertlos. Da trifft er einen Bauer mit einer Kuh und beneidet den Bauern mit seiner gemächlichen Kuh, die auch noch Milch geben kann. Schließlich lässt er sich dazu überreden das Pferd gegen die Kuh zu tauschen und ist wieder glücklich. Nach einiger Zeit versucht er die Kuh zu melken. Da er es offensichtlich falsch macht, tritt ihn die Kuh. Das tut ihm sehr weh und er betrachtet die Kuh als nutzlos. Ein Metzger kommt des Weges und überredet ihn die Kuh gegen ein Schwein einzutauschen und Hans ist wieder froh. Aber auch mit dem Schwein ergeben sich Schwierigkeiten. Schließlich tauscht er das Schwein gegen eine Ganz, die Ganz gegen einen Schleifstein, den Schleifstein gegen zwei normale Steine, die ihm am Schluss aus Versehen in den Brunnen fallen. Weil sie ihm aus Versehen hinein fallen macht er sich keine Vorwürfe und da er nun keine Last mehr zu tragen hat, ist er glücklich und unbeschwert. So kehrt er nach Hause zu seiner Mutter zurück - mit leeren Händen. Wie wird seine Mutter reagieren, wenn sie seine ganze Geschichte hört. Wie der sehr gute Lohn sich Schritt für Schritt durch die Naivität des Hans in nichts auflöst?

Kurzfristiges Glück

Auffällig bei dieser Geschichte vom Hans im Glück ist, dass er immer wieder glücklich ist, allerdings nur immer einen Moment lang. Er denkt nicht an sein langfristiges Glück und nicht an seine Mutter, die zur Unterstützung sicherlich Geld gebrauchen könnte. Er denkt nur immer an sich und an das hier und jetzt. Er möchte keine Lasten tragen, keine Opfer bringen, frei von Schwierigkeiten leben, den Problemen aus dem Weg gehen und verliert durch diese Haltung in seiner Naivität seinen wertvollen Lohn. All das, was er während der sieben Jahre geleistet hatte, war umsonst, weil er nur immer an das momentane Glück, an das hier und jetzt, dachte.

Wohlstandsgesellschaft

Ähnlich wie dem Hans im Glück ergeht es vielen Menschen unserer Wohlstandsgesellschaft. Sie möchten immer wieder glücklich sein, es möglichst leicht und bequem im Leben haben. Dafür wird auch einiges getan. Man tauscht seine wertvolle Zeit und Kraft ein, um ein schönes Haus zu erwerben, ein großes Auto, schöne Kleider, viel Urlaub ... Irgendwann reicht es dann doch wieder nicht. Da ist die Einrichtung nicht mehr schön genug. Eine neue muss her und man tauscht wieder einen Teil seiner wertvollen Aufmerksamkeit und seiner kostbaren Kräfte ein für mehr Annehmlichkeiten oder vieles andere Überflüssige. Unsere Zeit und unsere Lebenskraft sind ganz wertvoll so wie der Goldklumpen des Hans im Glück. Tauschen wir diese Kostbarkeiten immer wieder nur für kurzfristiges Glück ein, werden wir am Ende nichts mehr in den Händen halten. Dann wird uns Gott am Ende fragen: "Was hast du mit deiner wertvollen Zeit gemacht, die ich dir geschenkt habe? Wie hast Du Deine Kräfte eingesetzt? An wen oder was hast du in deinem Leben gedacht? Wofür hast du gearbeitet?

Ewiger Lohn

Das Evangelium macht uns immer wieder darauf aufmerksam, dass wir zwar auch im Augenblick leben aber nicht nur im Hier und Jetzt. Sondern, dass wir unsere Schätze fürs ewige Leben vermehren sollen. Das geschieht, indem wir unsere Lebenskraft und unsere Zeit einsetzen für Gott, für unser wahres Wohl und für andere. Den Aposteln verspricht der Herr sogar hundertfachen Lohn, für das was sie um des Reiches Gottes willen aufgegeben haben. Nicht nur ihnen, sondern allen, die sich für Gott, für andere und ihr eigenes wirkliches Wohl einsetzen.


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