Schneewitchen

[alle Predigten]  [Hauptseite] von P. Oliver Heck SVD (zum 22. So - C)


Eine Königin hatte mit ihrem König eine schöne Tochter. Sie nannte ihr Kind Schneewittchen. Nicht lange nach ihrer Geburt verstarb die Mutter. Später heiratete der König ein zweites Mal. Die neue Königin war eitel, übermütig und stolz, sie wollte die Schönste von allen sein. Sie schaute in ihren Spiegel und fragte ihn: "Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die schönste im ganzen Land?" - "Frau Königin ihr seid die schönste im ganzen Land" - War die Antwort. Und sie war zufrieden. Inzwischen wuchs ihre Stieftochter heran und wurde wunderschön. Da fragte die Königin wieder: "Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die schönste im ganzen Land?" - "Frau Königin ihr seid die schönste hier, aber Schneewittchen ist tausendmal schöner als ihr". Das konnte sie nicht ertragen und beauftragte deshalb dem Jäger, Schneewittchen in den Wald zu bringen und zu erschießen. Dieser aber hatte Mitleid und ließ Schneewittchen in den Wald laufen. Sie fand schließlich bei sieben Zwergen Unterschlupf. Nun glaubte die Königin wieder die Schönste zu sein und befragte abermals ihren Spiegel. Der antwortete: "Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier, aber Schneewittchen über den Bergen bei den sieben Zwergen ist noch tausendmal schöner als Ihr." Entsetzt musste die Königin feststellen, dass Schneewittchen noch lebte. Daraufhin versuchte sie noch zwei Mal mit List, verkleidet als Händlerin, Schneewittchen zu vergiften. Jedes Mal meinte sie sie hätte es geschafft, da Schneewittchen regungslos am Boden lag. Aber die sieben Zwerge konnten Schneewittchen abends wieder aufpäppeln. Durch den Spiegel erfuhr die Königin dass ihre Stieftochter immer noch lebte. Deshalb verübte sie einen dritten Mordanschlag mit einem vergifteten Apfel an. Diesmal konnten die sieben Zwerge sie abends nicht mehr aufpäppeln. Sie machten ihr einen gläsernen Sarg und legten sie hinein. Nun fand die neidische Königin Ruhe, so gut ein neidisches Herz Ruhe haben kann. Bald kam ein Prinz bei den sieben Zwergen vorbei und fand Schneewittchen ganz frisch im gläsernen Sarg liegen. Er verliebte sich in sie und bat um den Sarg mit dem Versprechen: "Ich will sie ehren und hochachten wie mein Liebstes". Wegen dieses Versprechens übergaben die sieben Zwerge dem Prinzen den Sarg. Beim Abtransport stolperten die Träger und der vergiftete Apfel sprang aus der Kehle. Da wurde Schneewittchen wieder lebendig. Im Schloss des Prinzen angekommen, feierten die beiden bald darauf Hochzeit. Inzwischen befragte die neidische Königin wieder ihren Spiegel und erfuhr, dass die junge Königin schöner sei als sie und wieder stieg Angst und Hass in ihr auf. Als Strafe fand sie später ein tragisches Ende.

Erste sein

Wo liegt der Knackpunkt des Dramas? Die Königin wollte unbedingt die Erste in puncto Schönheit sein. Deshalb schadete sie sich selbst und anderen. Sie empfand Schneewittchen als lästige Konkurrentin. Verbissen schmiedete sie Mordpläne und wendete erhebliche Energie auf, um ihre verbrecherischen Absichten durchzusetzen. Hätte sie sich gesagt: "Es darf viele geben, die schöner sind als ich." Dann hätte sie echte Ruhe gefunden, ihr Innerstes wäre aufgeräumt und sie hätte niemandem Schaden zugefügt. Das ist sicherlich auch für jedermann ein Gedankenanstoß. Es wird immer jemanden geben, der schöner ist als ich, besser in der Schule war, eine bessere Stellung hat, einen besseren Ehepartner erwischte, besser singen kann, intelligenter ist ... Auch im religiösen Bereich wird es immer jemand geben, der heiliger ist als ich, der besser beten kann ... Und selbst wenn man irgendwann einmal in einer Gruppe der Mächtigste oder die Schönste ist, kann sich das ganz schnell ändern. Es kann immer jemand kommen, der mir voraus ist. Macht man sich dies Haltung zu eigen, ebnet das den Weg zum Frieden und der Umgang mit anderen fällt leichter.

Gott liebt alle ganz besonders

Mir sagte einmal ein Witwer, der eine Frau geheiratet hatte, die geistig mit anderen nicht mithalten konnte: "Für andere war sie beschränkt oder behindert. Für mich war sie so perfekt wie sie war. Für mich war sie so die Beste." So sieht uns auch Gott. Egal wo wir stehen, für ihn sind wir immer die oder der Beste. Und das gilt für alle. Deshalb braucht es auch für Christen keinen Konkurrenzkampf zu geben. Betrachten wir Wildtiere, finden wir wie sie häufig miteinander kämpfen und konkurrieren. Da geht es um die besten Futterplätze, das stärkste Männchen, das attraktivste Weibchen. Tiere kämpfen darum anderen voraus zu sein und dieser Kampf hört niemals auf. Wir Menschen haben von Gott seinen Geist erhalten und deshalb sagt Jesus zu seinen Jüngern: "Bei euch soll es nicht so sein!". Im Reich Gottes soll es keinen Konkurrenzkampf mehr geben. Da sollen alle sich als Geschwister betrachten; ganz gleich welche Stellung er in der Gesellschaft hat oder ob er in irgendeinem Bereich der Beste ist. Und jeder soll wissen, dass sie oder er für Gott die Liebste bzw. der Liebste ist.


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