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[alle Predigten]  [Hauptseite] zum Fest Christkönig von P. Oliver Heck SVD (zum 34. Sonntag)


Traumhochzeit

In unsere Zeit möchte der Titel Christkönig nicht mehr so richtig hinein passen. Heute haben Könige nur noch repräsentative Aufgaben. Mit Königshäuser beschäftigt sich vor allem die Regenbogenpresse und ihre Leser suchen sehnsüchtig nach einer Welt, die es so nicht gibt. Heiratet ein Prinz ist von einer Traumhochzeit die Rede. Schwierigkeiten gibt es dann, wenn die Braut oder der Bräutigam nicht vom Hochadel, sondern von niederem Adelsgeschlecht oder sogar nur bürgerlich ist. Mir sagte neulich ein Mann: „Ich weiß gar nicht wieso das immer eine Traumhochzeit sein soll, wenn solche Leute heiraten.“ Es sieht so aus als ob viele Freunde der Monarchie bei bevorstehenden „Traumhochzeiten“ etwas verwirklicht sehen, was sie aus ihrem Leben nicht kennen: Ein Leben ohne finanzielle und materielle Sorgen in Glanz und Ehre sowie in Glück und Harmonie umgeben von Dienern. Einem solchen Königspaar scheinen alle Türen offen zu stehen. Ein Traum, den viele Menschen haben und der sich in ihrem Leben nie verwirklichen wird. Ein wenig projizieren sie ihre Träume und Wünsche auf ein königliches Hochzeitspaar.

Armer Wanderprediger

Jesus lebte auf ganz andere Weise. Er zog als armer Wanderprediger zu Fuß durch Palästina. Er hatte keine Macht, keine Diener und kein Land. Seine Kleidung war schlicht und er trug keine Krone. Die Menschen, die ihm nachfolgten. verehrten ihn, weil er ihnen Hoffnung und Zuversicht gab. Manche Kranke heilte er. Dem Leben vieler gab er einen neuen und größeren Sinn. Er suchte sich Gefährten und stiftete eine Gemeinschaft, die über alle Grenzen hinweg in allen Ländern, Rassen und Sprachen die Menschen miteinander verbindet. Mit ihm brach eine neue Zeit an und er gründete ein geistiges Reich.

Das Reich der Himmel

Es ist das Reich der Himmel, wie es im Matthäusevangelium heißt. Es ist nicht vergleichbar mit dem Traum von einem Königreich Adeliger. Das Reich Gottes geht niemals unter und besteht überall und für alle Zeiten. Gott selbst lebt im Mittelpunkt dieses Reiches, ohne es zu beherrschen. Alles, was dort existiert, ist seine Liebe und Güte die ausstrahlt auf alle, an der sich alle freuen und die sich auf alle auswirkt. Wer diese seine Liebe in sich aufnimmt und lebt, der beginnt schon in seinem Reich zu leben. Von diesem Reich braucht man nicht zu träumen. Es ist real verwirklicht, dort wo Menschen miteinander und in Achtung vor einander leben und sich als Schwestern und Brüder betrachten. Dort, wo ein solches Leben gelingt, herrscht keine Angst voreinander und jeder fühlt sich beim anderen gut aufgehoben. In einer solchen Gemeinschaft braucht sich keiner vor den anderen gut darzustellen, weil er weiß, dass er so von ihnen angenommen wird wie er ist.

Schwestern und Brüder

In seiner Bergpredigt legte Jesus die Fundamente für sein Reich, in dem ganz andere Maßstäbe gelten. Den Menschen, die ihr Leben in Einklang mit ihm gestalten, bauen an diesem Reich mit. Sie richten sich nach ihrem Gott, ohne dabei Leibeigene oder Sklaven zu sein. Er schenkt ihnen Vertrauen und gibt ihnen den Weg zur Eigenverantwortung frei. Er nennt sie seine Freunde und sie nennen ihn Bruder. Im Evangelium nach Matthäus weist Jesus auf alle, die ihm nachfolgen hin: „Er streckte seine Hand über seine Jünger aus und sagte: "Da sind meine Mutter und meine Brüder! Denn wer den Willen meines Vaters im Himmel tut, der ist mir Bruder, Schwester und Mutter."“ (Mt 12,49-50) Das inspirierte den geistlichen Dichter Angelus Silesius zu folgendem:
„Sag o großer Gott wie bin ich mit dir verwandt?
Dass du mich Mutter, Braut, Gemahl und Kind genannt.“
(Angelus Silesius Buch I,157 Cherubinischer Wandersmann)

Jesus, der von göttlichem Adel ist scheut sich nicht vor uns Menschen.
Er betrachtet alle, die zu ihm gehören als seine Schwestern und Brüder,
als seine Töchter und Söhne und sogar als seine Mütter und Vater.
Denn Jesus ist der König der Herzen.

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