Mutter aller Menschen

[alle Predigten]  [Hauptseite] von P. Oliver Heck SVD (Aufnahme Marias in den Himmel)


Kennen Sie ihre geistige Mutter?

Vielleicht haben sie auch einmal einen Menschen getroffen, der seine Eltern nicht kennt. Es ist ganz natürlich, dass er wissen möchte woher er kommt und wer ihn geboren hat. Häufig stellt er sich Fragen wie etwa diese: „Wer ist meine Mutter? Wie lebt sie? Wie sieht sie aus? Und wenn ich sie treffe, wie wird sie reagieren? Will sie mich überhaupt sehen?“ Die meisten Menschen kennen zwar ihre leibliche Mutter, ihre geistliche Mutter kennen aber nur Wenige. Die Kirche verehrt Maria als die Mutter aller Christen und im weiteren Sinne als die Mutter aller Menschen. Damit meinen wir, dass sie geistig bei uns ist.

Mit Leib und Seele verherrlicht

Die katholische Kirche glaubt, dass Maria mit Leib und Seele verherrlicht ist. Sie schaut Gott von Angesicht zu Angesicht. Sie kennt Gott in und auswendig - so weit das für einen Menschen möglich ist. Ihr fehlt nichts. Sie ist in jeder Hinsicht vollkommen. Für Maria begann schon auf dieser Erde die himmlische Welt. Sie lebte in Frieden mit Gott, auch wenn ihr Leben voller Probleme, Schmerzen und Sorgen war. In ihrer täglichen Arbeit und in der Not wusste sie, dass Gott mit ihr war. Sie wusste: „Gott verlässt mich nie“.
Genau dies wünscht sie uns allen. Sie möchte, dass wir verankert sind in der Gewissheit: „Gott ist mit mir.“ Als unsere Mutter und möchte, dass ihre Söhne und Töchter ähnlich leben wie sie. Sie schaut mit einem himmlischen Auge in das Leben der Menschen hinein. Als Mutter Jesus Christi, freut sie sich ungemein darüber, wenn sich Menschen zu Gott hinkehren und dort Frieden finden.

In fast allem uns überlegen – ohne zu bemuttern.

Wenn wir ihr begegnen, brauchen wir uns nicht zu fragen: „Wird sie uns akzeptieren?“ Es ist garantiert, dass wir nicht von ihr enttäuscht sein werden. In all ihrem Glanz und in ihrer erfüllten Freude wird sie uns gegenüber bescheiden sein. Die Darstellungen Marias mit einer goldenen Krone und mit Zepter treffen nicht ihr eigentliches Wesen. Sie ist eine Frau, die wir ins Herz schließen können. Sie hat uns schon längst ins Herz geschlossen hat. Ihr begegnen bedeutet von Freude gerührt zu sein. Sie ist eine Person, die uns Heimat gibt. Wir werden wissen wo wir endgültig hingehören. Wir werden uns bei dieser Mutter geborgen fühlen, auch wenn wir schon 20, 50 oder 80 Jahre alt sind. Sie wird uns nicht bemutternd mit kleinlichen Sorgen begegnen. Sie wird uns respektieren. Zwar ist sie uns in fast allen Dingen überlegen, wird es uns das aber nie spüren lassen und nie werden wir uns ihr ausgeliefert fühlen. Im Gegenteil sie wird uns in vollem Maß respektieren und wir werden sie schätzen und achten. Sie wird uns den Weg zur Vollkommenheit zeigen und uns zu Gott bringen. Diese Begegnung mit Maria beginnt schon hier und jetzt. Warum bitten wir nicht, so wie Menschen, die nach ihren Eltern suchen: „Maria ich möchte dich kennen lernen.“ Wenn wir Maria als die himmlische Frau verehren, als die Mutter Jesu Christi, wenn wir an sie denken, wenn wir sie darum bitten Fürsprache für uns einzulegen, dann lernen wir sie schon etwas näher kennen. Sie wird uns den Weg zur unendlichen Fülle zeigen.

Maria führt zur menschlichen und geistigen Reife

Vielfach gilt die Verehrung Marias als etwas für frömmelnde Kreise. Nicht selten wird auch der Verdacht der menschlichen Unreife wach, wenn man ahnt, dass sich jemand in einer Anhimmelung Marias versponnen hat, um dem Alltag zu entfliehen. Eine solche geistige Haltung führt nur im Kreis um sich selbst. Maria ist nicht dem Alltag entflohen. Sie ging mit ihrem Sohn den Weg bis zur Kreuzigung. Dieser Weg lässt keine Ausflüchte zu. Er war grausam und endete mit dem Tod ihres Sohnes. Maria ist eine starke und reife Frau, die sich auch nach dem Tod Jesu in der jungen Gemeinde mit einbrachte. Sie wird sich auch in unser Leben mit einbringen, wenn wir ihr die Tür öffnen.


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