Maria, die Vollkommene

[alle Predigten]  [Hauptseite] von P. Oliver Heck SVD (15.08. zum Fest Maria Himmelfahrt 2010)


Manche, die dem katholischen Glauben fernstehen, sehen in der Marienverehrung eine Spinnerei. Andere versuchen die Marienverehrung mit dem heidnischen Kult irgendeiner Göttin zu vergleichen. Deshalb schreibe ich hier über die Verehrung der Maria als Mutter unseres Herrn Jesus Christus.

Auserwählt

Wir glauben, dass Christus wahrer Gott ist und wirklich als Mensch geboren wurde. Gott suchte Maria aus damit sie die Mutter seines Sohnes Jesu werde. Im Evangelium nach Lukas wird sie als Auserwählte beschrieben. (Lk 1,28.42). Gott konnte nur eine Frau unter den damaligen Frauen und unter den Frauen aller Zeiten wählen. Er entschied sich für eine ganz junge und unbekannte Frau. Sie lebte vor etwa 2000 Jahren in Nazareth. Sie hieß Maria und war mit einem Mann namens Josef verlobt. Das scheint lange her und weit weg von uns zu sein. Wir überblicken nur unsere nähere Umgebung und nur den Zeitraum von wenigen Jahren. Gott denkt in viel größeren Räumen und Zeitabschnitten. Er wählte Maria unter der gesamten Menschheit und zwar unter den Menschen aller Zeiten aus. Sie wurde auch für die Menschen des 3. Jahrtausend auserwählt und es wird nirgends und nie keine andere wie sie geben.

Bewusste und freie Entscheidung

Mit ihr ging Gott eine ganz besondere Verbindung ein. Er wollte dass sie die Mutter seines Sohnes wird. Dazu bestimmte er sie schon seit Beginn ihrer Existenz und bereitete sie dann in den Jahren ihrer Kindheit und Jugend vor, denn Gott überfällt niemanden. Er lässt die Menschen wachsen und reifen, bis sie für ihre Aufgabe bereit sind. Und selbst nachdem Maria noch als ganz junge Frau das entsprechende Alter erreicht hatte, bat Gott um ihr Einverständnis. Gott nötigte sie nicht und übte keinerlei Druck aus. Maria gab aus freier Entscheidung ihr "Ja" - Wort. Er ließ sie nicht völlig im Dunkeln, so dass sie sich bewusst für ihn entscheiden konnten. Gott ließ ihr verkünden, dass ihr Sohn der Sohn Gottes sein würde und dass dieser ein neues Reich errichten werde. Maria wusste, dass etwas ganz Außergewöhnliches mit ihr geschehen sollte. Sie war eingeweiht in den Plan Gottes, wenn sie ihn auch nicht bis ins Detail kannte. Deshalb konnte sie ihr Ja - Wort auch ganz bewusst aus freier Entscheidung geben.

Maria wirkte mit

Maria arbeitete aktiv bei der Menschwerdung Jesu mit und zwar mit all ihren Gefühlen, Gedanken und dem Einsatz ihres ganzen Leibes und Lebens. Um es anders herum auszudrücken: Maria war keine Leihmutter, die nur dazu da war Gott einen Sohn zu gebären. Ihre Aufgabe war nicht nur eine biologische Funktion zu erfüllen. Da Gott jeden Menschen liebt, widerstrebt es ihm Menschen für seine Zwecke zu benutzen. Er liebt die Menschen und wollte Maria mit in seinen Heilsplan einbeziehen. Sie sollte wissen was er vor hatte, denn er wollte, dass sie aus freiem Willen und aus Liebe zu ihm "Ja" sagte. Und sie willigte ein. Deshalb ist niemand außer ihr so sehr mit Gott und seinem Sohn verbunden. In Maria geschah das größte Geheimnis der Geschichte der Menschheit. In ihr verband sich Gott mit den Menschen. Gott wollte durch Maria Mensch werden. Er liebte sie auf ganz besondere Weise und sie ihn. Maria ist mit Gott durch ihren Leib, ihre Gedanken und ihre Seele ganz eng verbunden. Ihr Sohn wurde und ist heute noch der Dreh- und Angelpunkt für das Heil aller Menschen.

Vollkommen verwirklicht

Dies erkannte auch Elisabeth ihre Verwandte, als Maria sie besuchte. Sie nannte sie sie in einem Atemzug mit Jesus: "Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes." (Lk 1,42). Weil Gott sich so ganz eng mit Maria verbündete und weil er der Reine und Heilige ist, kann auch Maria nur die Heilige sein, die frei ist von jedem Schatten der Sünde, und zwar seit dem Beginn ihrer Existenz. In ihr konnte nichts sein, was sie hätte von Gott trennen können. Das würde der Größe und dem Licht Gottes widersprechen. Weil sie vollkommen ist und kein Fehler an ihr haftet, ist es nur ganz natürlich, anzunehmen, dass sie schon voll verwirklicht ist und zwar als ganzer Mensch: mit Leib und Seele. Wir gehen deshalb davon aus, dass auch der Tod sie nicht von Gott trennen konnte und dass sie vollkommen bei Gott lebt in einer vergeistigten Weise mit ihrem verherrlichten Leib.


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