Allerheiligen

[alle Predigten]  [Hauptseite] von P. Oliver Heck SVD (zum Fest Allerheiligen 2011)


Große Liebe bei Heiligen

An Allerheiligen freuen wir uns besonders darüber, dass Gott so vielen Menschen außergewöhnliche Gaben verleiht und dadurch die Kirche reich beschenkt. Wir verehren diese Menschen als Heilige. Das tun i.d.R. nur orthodoxe und katholische Christen. Indem wir eine Heilige oder einen Heiligen ehren, danken wir für Gottes Erbarmen. Gleichzeitig geben sie uns ein ermutigendes Beispiel. Sie leuchten wie Leuchttürme in dunklen und schwierigen Zeiten. Ihr Beispiel spornt uns an, im Glauben an Gott und in der christlichen Praxis nicht nachzulassen. Bei allen Heiligen finden wir eine große Liebe zu Gott, die ihnen so viel Kraft gegeben hat. Vielen von ihnen bedeutete ihre Liebe zu Gott mehr als ihr Leben. Sie gaben ihr Leben nach ihrem Vorbild Jesus Christus. Ihr starker Wille an Gott festzuhalten kommt nicht aus Sturheit, Trotz oder Fanatismus, sondern aus der Urquelle der Liebe, d.h., aus Gott selbst.

Märtyrer

Menschen, die ihr Leben für den Glauben ließen, nennen wir Märtyrer (auf griechisch Zeugen). Nicht wenige von ihnen beteten im Leid und auch im Sterben für ihre Peiniger. Darunter sind auch viele unbekannte. Zum Beispiel eine Frau im KZ von Ravensbrück. Sie schrieb sinngemäß: „Friede den Menschen die bösen Willens sind. O, Gott, fordere nicht grausame Abrechnung. All das Gute sollte zählen. Lass unser Leiden den Henkern, Verrätern und Spionen und allen schlechten Menschen zu Gute kommen.“(1) Wahrscheinlich stammt es von Dr. Hildegard Schaeder (evangelische Christin). Sie verhalf in der Nazi-Zeit Juden in Berlin zur Flucht. Sie wurde verraten und dann ins KZ verschleppt. Sie überlebte und wurde später, (nach ihrem Tod +1982) mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Stellt man sich die Situation der Menschen im KZ vor, so kann man nur mit offenem Mund staunen und voller Hochachtung ergriffen sein über eine so starke Liebe zu den Feinden. Diese Liebe ist die Liebe Gottes, die sich in den Heiligen widerspiegelt. Voller Hochachtung vor so großer Tugend ehren wir Gott, den Urheber allen Gutes. Ich gehe davon aus, dass Gott die Dr. Schaeder auch zu den Heiligen zählt.

Unzählige Schar von Heiligen

Heilige gibt es unzählig viele. Die allerwenigsten wurden von der Kirche offiziell als heilig erklärt. Viele sind unbekannt. Es gibt unter ihnen Kinder, Mütter, Väter, Alleinstehende, Priester, Laien, Ordensleute. … Angehörige vieler Berufsgruppen und aller Lebensalter. Jesus ruft jeden auf, Heiligkeit anzustreben. Damit ist nicht gemeint, dass er irgendetwas Außergewöhnliches vollbringen sollte. Es geht darum den Auftrag Gottes zu erfüllen. In der Situation, in der man gerade lebt, möchte Gott, dass wir seinen Willen verwirklichen. Es geht nicht darum herausragende Tugendleistungen zu zeigen. Es ist wichtig Gott und den Nächsten zu lieben. Gott ruft niemanden ein zweiter Franziskus eine zweite Mutter Theresa oder sonst jemand zu werden. Gott ruft uns dazu auf, in unserer Weise heilig zu werden. Jeder hat seine eigne Art Gott in seinem Leben wider zu spiegeln. Dazu brennt im Innern eines Jeden der Widerschein des göttlichen Lichtes. Häufig ist dieses Licht vergraben unter Schutt. Schafft man den Schutt beiseite, strahlt das Licht des Schöpfers immer heller auf. Auf diesem Weg findet der Mensch nicht nur zu Gott, sondern auch zu sich selbst. Gott ruft den Menschen dazu auf, ganz er selbst zu werden, ein wirklicher Mensch bzw. Bild Gottes zu werden. (vgl. P. Benedikt XVI, Ansprache bei der Generalaudienz am 29.8.07, in: L'Osserv. Rom. 35/07, 1)

Fürbitte der Heiligen

Für Christen ist es natürlich andere Christen um ihr Gebet zu bitten. Wenn man z.B. krank ist, bittet man jemanden, für einen zu beten. Wir glauben an die Auferstehung der Toten und dass sie leben. Der Tod unterbricht nicht die Verbindung zu den Verstorbenen. Er verändert sie nur. Sie sind nicht in einer hermetische abgeriegelten Isolierstation. Wir können sie anrufen für uns, bei Gott Fürbitte zu halten. Weil wir dies glauben, rufen wir auch die Heiligen um Fürsprache an.

Das Fest Allerheiligen erinnert uns an viele Beispiele gelebten Glaubens und wir rufen an diesem Tag besonders die Fürbitte so vieler Glücklicher Menschen bei Gott an.


(1) Das Gebet wird Dr. Hildegard Schäder (1902-1984) zugeschrieben, Häftling 31.795 in Ravensbrück. Sie überlebte das KZ und arbeitete später im Außenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland für die Orthodoxen Kirchen des Ostens.


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