[alle Predigten] [Hauptseite] von P. Oliver Heck SVD (zum 4. Advent) Lk 1,26-38
Der selige MalerLukas beschreibt am Anfang seines Evangeliums die Begegnung Marias mit dem Engel. Maria und die Ankündigung der Geburt Jesu steht im Mittelpunkt des 4. Advents. Der Engel bringt ihr die Botschaft, dass sie den Sohn Gottes empfangen wird. Für Maler ist diese Begegnung ein Lieblingsmotiv. Dabei setzt jeder Künstler diese Szene anders ins Bild. Einer von ihnen ist der mittelalterliche und seligen Dominikaner Fra Angelico. Er malte die Begegnung des Engels mit Maria gleich mehrmals. In einem Altargemälde (entstanden 1433?, aufbewahrt im Diözesanmuseum in Cortona) gestaltete er die Begegnung der beiden in einen Raum, der nach zwei Seiten offen ist. |
Damit weist er auf die Offenheit Marias hin. Weil Maria so offen ist, hat der Engel einen leichten Zugang zur ihr und tritt ihr direkt gegenüber. Dargestellt wird der Engel mit schönen rosarotem und goldenem Gewand und golden schimmernden Flügeln. Er neigt sich leicht mit einer Verbeugung Maria gegenüber. Ebenso verbeugt sich Maria zum Engel hin. Sie empfängt den Engel sitzend. Beide schauen sich in die Augen. Dem Fra Angelico war es wichtig, dass beide auf gleicher Höhe stehen. Wir sagen heute sie begegnen sich auf gleicher Augenhöhe dabei blicken sie sich mit gegenseitiger Hochachtung an. Der Engel verneigt sich vor Maria, weil sie die Mutter des Schöpfers werden soll. Und Maria beugt sich vor dem Engel, weil er ein Bote des Allmächtigen ist. |
Historische BotschaftDer Engel bringt ihr eine historische Botschaft, die den Lauf der Welt verändern wird. Fra Angelico bringt sie mit goldenen Buchstaben ins Bild. Die Worte kommen aus dem Mund des Engels und finden ihren Weg zu Maria hin. Das Bild weist darauf hin, dass es nicht nur bei Worten bleibt. Über Maria malte der Künstler den Heiligen Geist in einer lichten Erscheinung. Mit der Verkündigung verändert sich das gesamte Leben der Maria. Eben war sie noch eine einfache junge Frau aus Nazareth. Danach wird sie zur Mutter des Sohnes Gottes. Deshalb verheißt ihr der Engel, dass man sie in allen Ländern dieser Erde verehren wird. Diese weltweite und alle Zeiten übergreifende Verehrung Marias, ist der geringste Teil der Botschaft. |
EmpfängnisEs geht im Kern darum, dass sie ein Kind empfangen wird. Und dieses Kind wird der Sohn Gottes sein. Zur Zeit Marias warteten viele Jüdinnen und Juden in Israel auf das Kommen des Messias. Dass gerade sie ausersehen wurde, die Mutter des Messias zu werden, erfüllt sie mit höchsten Glücksgefühlen. Ihr Glück geht dabei weit über das Glück einer Mutter hinaus. Der Heilige Geist umfasst sie ganz. Er durchflutet Maria mit Glück in ihrem ganzen Wesen. Wer dieses Glück Marias betrachtet, hat keine Schwierigkeiten damit, sie als Jungfrau zu sehen. Ihr Herz steht ganz offen für Gott. Sie hat ein so inniges Verhältnis mit ihm, dass sie jede menschlich intime Beziehung dabei stören würde. Sie hat überhaupt kein Verlangen danach, weil sie in der Begegnung mit Gott ganz aufgeht und er ihr Herz ganz ausfüllt. Sie war die Braut des Heiligen Geistes. Und so nahm Gott in ihr eine Menschennatur an. |
Ganz erfasstSie empfängt die Botschaft Gottes nicht nur mit ihren Ohren. Gott zieht in ihrem Herzen ein wie bei keinem anderen Menschen und Maria ist offen für alles, was sie erwartet. Mit ihrem Mund, ihrer Seele und ihrem Geist bekennt sie dem Engel ihre Treue zu Gott und dass sie ihm für die außergewöhnliche Mission zur Verfügung steht. Jedes normale Kind verändert das Leben seiner Mutter; noch viel mehr verändert Jesus durch seine Ankunft das Leben seiner Mutter. Versucht man dieses Geheimnis in die engen Grenzen unseres modernen, wissenschaftlichen und materialistischen Denkens einzuschließen, kommt man nicht weit. An diesem Punkt glaubt man an die Fülle der Offenbarung oder eben nicht. |
Maria trägt den Sohn Gottes neun Monate im Schoß unter ihrem Herzen. Ihr Blut und das Blut ihres Sohnes sind miteinander verbunden. Ihre Gefühle und Gedanken bewegen auch ihr Kind in ihrem Schoß. Als er geboren wird, nimmt sie ihn in ihre Arme, berührt ihn, küsst ihn und ernährt ihn an ihrer Brust. Glückselig ist sie mehr als jede Mutter. All das weist darauf hin, dass Jesus die menschliche Natur nicht wie ein Kostüm überstreift, sondern dass in ihm Gott durch und durch Mensch wird. Er ist in allem uns gleich, außer der Sünde. In ihrem Leib nimmt Gott ein menschliches Leben an. |
| Wir sind es gewohnt die Geburt Christi im Weihnachtsfest als einen Höhepunkt zu betrachten. Genauso wichtig ist seine Menschwerdung in und mit Maria. Maria öffnet sich ganz für ihn und wirkt aktiv bei der Menschwerdung mit. Ihr „Ja“ zu Gott bedeutet ein grundsätzliches „Ja“ aller Menschen zu Gott. In ihr begegnet Gott dem Menschen am intensivsten. Niemals war Gott dem Menschen so nahe wie in Maria und so konnte er auch durch sie und in ihr zum neuen Menschen werden, zum Ursprung einer ganz neuen Generation. |