Beten um zu siegen?

[alle Predigten]  [Hauptseite] von P. Oliver Heck SVD (zum Rosenkranzmonat)


Die Seeschlacht bei Lepanto

Im Jahre 1571 eroberten die Türken Zypern, bis dahin gehörte es zu Venedig. Das damals mächtige Venedig sah dies als Bedrohung für seine dominierenden Handelsflotte (Gewürzhandel). Und auch viele Christen in Europa empfanden die wachsende Expansion des osmanischen Reiches als Bedrohung. Papst Pius V. glaubte, nur eine militärische Allianz könne den Vormarsch der Muslime stoppen. Seine Ankündigung "Ich erhebe die Waffe gegen die Türken" waren mehr als nur leere Worte. Die Kirche schmiedete eine „Heilige Liga“ aus Venezianern, Maltesern, Spaniern, Genua und versch. Herzogtümer. Vor der Seeschlacht rief der Papst zum Gebet auf. Am 7.10.1571 kam es dann zur Seeschlacht im Golf von Korinth (zwischen Peloponnes und griech. Festland) bei Lepanto. Der Führer der christlichen Verbände schrieb später: „Ich redete zur Besatzung, feuerte sie zur Schlacht an. Und dann kniete ich nieder und betete zu Gott. Ich bat ihn, mir den Sieg zu schenken. Und dasselbe taten alle anderen auf der Galeere und in der gesamten Flotte.“ (Juan d'Austria) Zahlenmäßig waren die Türken überlegen.
Die christlichen Truppen waren durch eine bessere Technik (größere und bessere Kriegsschiffe, größere Kanonen und Feuerwaffen) den Türken überlegen und entschieden die Schlacht für sich. Blutige Bilanz: Die Türken beklagten ca. 30.000 Tote und die Christen circa 8.000 Tote. Die Christen verloren 13 Schiffe und die Türken 20 mal so viel. Als die Venezianer nach Hause kamen, erklang im Markusdom das „Te Deum“. Ein Jahr danach, am Jahrestag, führte der Papst das Rosenkranzfest ein. Nüchtern betrachtet war es die überlegene Kriegstechnik, die den Christen zum Sieg verhalfen. Der Sieg war eher von psychologischer Bedeutung. Der Traum von osmanischen Weltmacht zur See war zerstört. Innerhalb eines Jahres hatten die Türken aber ihre materiellen Verluste ausgeglichen und noch bessere Schiffe gebaut.

Was verhalf zum Sieg - überlegene Waffentechnik oder Gebet?

War es damals die überlegene Waffentechnik der Christen oder war es das Gebet der vielen Menschen, das zum Sieg verhalf? Oder war es beides? War das Gemetzel denn zur Selbstverteidigung wirklich notwendig? Immerhin starben circa 38.000 Menschen dabei und viel wurden verwundet – oder hätte man durch geschickte Verhandlungen auch etwas erreichen können? Zwischen den christlichen Mächten und dem islamisch- türkischen Reich gab es im Laufe der Geschichte zahlreiche Konflikte. 42 Jahre zuvor standen türkische Truppen vor Wien. 6 Jahre vor Lepanto belagerten sie Malta. Und 5 Jahre zuvor schlugen sie im besetzten Ungarn einen Aufstand nieder. So ging es auch nach der Schlacht von Lepanto weiter. Zwölf Jahre nach dem Sieg von Lepanto mussten die Österrreicher fast jährlich türkische Truppen abwehren.
Sieht man dies alles, kann man die Frage nach dem Sinn der Seeschlacht schlecht beantworten. Wann ist ein Krieg wirklich notwendig? Aus christlicher Sicht kann ein Krieg nur zu Selbstverteidigung dienen. Mit der Frage nach dem Sinn von Krieg ist auch die Frage verbunden welchen Sinn das Gebet im Krieg hat. Ich frage mich manchmal wie das denn vor Gott dann wirklich ist. Ist es so, dass wir mit vereinten Kräften möglichst viele Gebete zum Himmel schicken und dann regnet es Siege? Die Geschichte wirft die Frage auf: „Wo und wann wirken menschliche Kräfte und wo und wann wirkt Gott?“

Ein Gott, der menschliche Pläne verwirklicht?

Ich bin mir da unsicher, so wie ich mir auch täglich im Leben unsicher bin. - Und ich finde das gut so. Ich tue nach meinem Gewissen, das, was ich für gut halte und bitte Gott darum mir beizustehen. Oder sollte ich nicht viel mehr Gott bitten, mir die richtigen Ideen einzugeben, damit ich sie dann in seinem Sinne verwirklichen kann?

Ein Mensch, der göttliche Pläne verwirklicht?

Im Verhältnis zwischen Gott und Mensch kommt es auf beide an. Auf den Menschen, der mit seiner Freiheit und seinen Fähigkeiten wirkt und Gott, der immer wirkt. Je mehr Raum man Gott gibt, desto mehr wird er auch durch uns wirken können – auch häufig ohne dass man es weiß. Wirklich 100% sicher können wir uns nie sein. Da setzt das Vertrauen ein. Wer aufrichtig im Sinne Gottes handelt, vertraut auch dann auf ihn, wenn das Ergebnis seiner Bemühungen mies erscheint, wenn er Misserfolg hat und er dankt Gott wenn er scheinbar Erfolg hatte, wenn ein Ergebnis gut erscheint. Denn nicht immer ist das wirklich auf lange Sicht gut, was zunächst gut erscheint. Er weiß auch, dass er Gott nicht auf seinen eigenen und persönlichen Horizont hin festnageln kann, sondern bleibt immer offen. Quellen: http://terra-x.zdf.de/ZDFde/inhalt/13/0,1872,2001133,00.html;
wikipedia

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