Mission heute?

[alle Predigten]  [Hauptseite] von P. Oliver Heck SVD (zum Missionssonntag)


Mission? – Lasst die Menschen in Frieden leben!

Das Wort „Mission“ hat heute einen negativen Beigeschmack. Man verbindet es mit christlichen Missionaren, die das Evangelium anderen Menschen überstülpen wollten, z.T. sogar mit Gewalt. Deshalb denken viele: „Lasst doch die Menschen in Frieden. Wenn sie so friedlich leben, wie sie sind, dann geht es ihnen doch gut.“ Es gibt heute kein Volk mehr, das unberührt, in Frieden, für sich, wie Adam und Eva im Paradies lebt. Die weltweite Globalisierung dringt bis zum letzten Buschdorf vor. Eines der bedeutendsten Kulturträger ist der Fernseher, aber auch über viele andere Wege werden Menschen mit dem, was die westliche Welt für Kultur hält, überschwemmt. Menschen sich selbst überlassen bedeutet, sie der Globalisierung schutzlos auszuliefern. Am Beispiel Nigeria's wird dies ganz deutlich. Es ist das Modell-Land für die diesjährige Mission-Aktion. Dieses Land ist reich an Ölreserven. Große Konzerne bedienen sich reichlich. Weil die Verwaltung korrupt ist. Nigeria ist ein Land geprägt vom Gegensatz zwischen Islam im Norden und Christentum im Süden. Es herrscht große soziale Ungerechtigkeit. Der allergrößte Teil der Bevölkerung lebt in bitterer Armut. Die mittlere Lebenserwartung beträgt nur 45 Jahre.
Von Europa aus kann man sich nur sehr schlecht vorstellen wie es in einem Land aussieht, indem die öffentliche Verwaltung nicht funktioniert. Eines der Grundübel ist die Korruption. Das bedeutet, dass sich die Leute an den Schaltstellen der Regierung kräftig bedienen und der Rest der Bevölkerung leer ausgeht. Lehrer werden nicht bezahlt, das Gesundheitssystem existiert nicht oder ist in schlechtem Zustand, Gewalt und das Recht des Stärkeren herrschen. Mission in einer solchen Situation bedeutet: Den Unterdrückten und Ärmsten zu helfen, ihr tägliches Leben zu bestreiten. Es bedeutet sich mit anderen auszusöhnen und so die Ursachen von Gewalt zu bekämpfen. Es heißt ein friedliches Zusammenleben mit den Muslimen zu fördern. Es bedeutet Aufbauarbeit im Kleinen. Es geht nicht darum ein ganzes Land zum Christentum zu bekehren, es geht darum ganz konkreten Menschen in einer Notlage Hilfestellungen zu geben, damit ihr Leben besser gelingen kann und ihnen die Werte des christlichen Menschenbildes zu vermitteln. So bestellt Missio z.B. Lehrer, damit Kinder zur Schule gehen können und die Aussicht haben, aus dem Teufelskreis der Armut herauszufinden. Es geht darum Frauen in ihrer starken Benachteiligung gegenüber Männern zu stärken. Es geht darum das Evangelium des Friedens zu verkünden.

Mission? – ein Fass ohne Boden!

Oft wird auch der Einwand erhoben: „Das ist doch ein Fass ohne Boden. Da pumpen wir Milliarden rein und es kommt nichts dabei heraus.“ Sicherlich gab es auch Fehler, sowohl bei der Entwicklungspolitik, als auch bei den kirchlichen Missionswerken. Da wurden buchtstäblich auch Gelder in den Sand gesetzt. Zu behaupten, dass alles perfekt läuft wäre irreführend. Es geht aber nicht darum ein ganzes Land auf europäisches Niveau zu bringen. Es geht darum die Lebenssituation von ein paar Menschen zu verbessern. - Und jeder einzelne Mensch für sich gesehen, ist es wert, dass seine bittere Armut erleichtert wird. Wenn es das Ziel von Mission wäre ein ganzes Land den Klauen der Korruption zu entreißen, würde man nie etwas tun. Es geht darum Menschen wie du und ich zu helfen.

Mission? - Auch bei uns gibt es Arme!

Und noch ein dritter Einwand wird gerne erhoben: „Was sollen wir denen helfen, bei uns gibt es doch auch genug Arme.“ Tatsächlich, auch in unserm Land geht die Schere zwischen Arm und Reich immer mehr auseinander. Es gibt genügend Menschen, die ohne Arbeit sind und sich mit sehr wenig begnügen müssen. Sicherlich verschieben sich die Aufgaben der Mission. Auch Deutschland wird sowohl in sozialer Hinsicht als auch in religiöser Hinsicht immer mehr zum Missionsland. Ich bin aber sicher, dass die meisten der Nigerianer gerne mit unseren Arbeitslosen und Armen tauschen würden. Im Vergleich zu unseren Armen geht es den Armen in Nigeria noch wesentlich schlechter. Die Lebenserwartung in Nigeria beträgt 45 Jahre. Das spricht Bände. Viele von ihnen wünschen sich unsere Probleme zu haben.


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